Stadtpolizei

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Gustav Stüdi-Affolter wurde 1905 zum ersten Gemeindepolizisten Grenchens gewählt.
Sein Nachfolger wurde unter anderem Jules Gigon aus Le Bois, hier auf dem Bild, das in den Jahren des Ersten Weltkriegs aufgenommen wurde, im Gespräch mit einer Krankenschwester.
Die Fussball-Legende Erwin Ballabio war der erste Gemeindepolizist, der zum Korporal befördert wurde.

Wie alles begann[Bearbeiten]

Am Wochenende vom 17. und 18. Juni 1905 wurde Gustav Stüdi–Affolter an der Urne als erster Gemeindepolizist Grenchens gewählt. Mit dieser Wahl begann die über hundertjährige Erfolgsgeschichte der Stadtpolizei Grenchen.

Den entscheidenden Schritt tat der Gemeinderat am 27. September 1904 als er beschloss, die Stelle des Gemeindeweibels und die des Frohndenaufsehers aufzuheben und dafür den Posten eines Gemeindepolizisten zu schaffen. Nachdem das Pflichtenheft von der Gemeindeversammlung und vom Regierungsrat genehmigt worden war, wurde beschlossen, dem noch nicht bestimmten Polizisten ein Taggeld von vier Franken auszurichten, die Sonn- und Feiertage eingeschlossen. Auf die in der Solothurner Tagespresse erfolgte Ausschreibung meldeten sich sechs Bewerber: Julius Bieli, Uhrmacher; Franz Feremutsch, Agent; Eduard Hofer, Uhrmacher; Josef Kocher-Stüdi, Uhrmacher und Gustav Stüdi-Affolter, Uhrmacher; alle fünf aus Grenchen. Als sechster Bewerber taucht in der Liste Ludwig Lederer aus Solothurn auf. Der Gemeinderat nahm keine Auswahl unter den Kandidaten vor und überliess den Stimmberechtigten die Wahl. An der Urne wurde schliesslich Gustav Stüdi-Affolter gewählt. Im Nachgang zur Wahl entschied der Gemeinderat, dass der gewählte erste Gemeindepolizist mit der Infanterie-Uniform der Schweizer Armee ausgerüstet werde. Die Uniform bestand aus einem Uniformrock, zwei Paar Hosen, einer Blouse. Zudem sollte der Gemeindepolizist alle vier Jahre einen Uniformmantel erhalten.

Ein umfangreiches Pflichtenheft[Bearbeiten]

Im Pflichtenheft für Gustav Stüdi hielt der Gemeinderat fest, dass zur Ausrüstung des Gemeindepolizisten ein Revolver, ein Waidmesser, eine Signalpfeife mit Schnur und Schliesszeug gehören. Die ihm zugewiesenen Aufgaben waren sehr umfangreich.“ Alle Dienstvorrichtungen sollen strammvollzogen werden, dabei aber soll dem Publikum höflich und taktvoll, doch entschieden begegnet werden.“ Mit diesem Passus war die Grundhaltung des Gemeindepolizisten klar umschrieben. Das Pflichtenheft regelte im Detail die einzelnen Tätigkeiten des Amtsinhabers. Er musste Stimmcouverts und Einladungen zu Gemeindeversammlungen vertragen, hatte im Auftrag des Gemeindeschaffners Rechnungen einzukassieren, stellte den Betroffenen die Steuerrechnungen und Taxationsformulare zu, aber auch die Strafzettel, beispielsweise wegen Schulversäumnissen. Der Gemeindepolizist war zudem in Personalunion Gewerbe-, Handels- und Marktpolizist und hatte in dieser Eigenschaft unter anderem den Lokalzeitungen einen schriftlichen Marktbericht zuzustellen. – Damit nicht genug! Gustav Stüdi hatte die öffentliche Beleuchtung, die „Offenhaltung und Reinlichkeit“ der Strassen und Wege, aber auch jene der öffentlichen Plätze, Bäche und Gräben zu „überwachen“. Auch die Tätigkeiten der Feuer-, Bau-, Gesundheits- und Lebensmittelpolizei wurden ihm übertragen. Mit der Kantonspolizei zusammen fungierte Stüdi als Fremden-, Sitten- und Wirtschaftspolizist und gemeinsam hatten sie die Aufsicht über das Niederlassungswesen inne. Ferner schrieb der Gemeinderat in Stüdis Pflichtenheft: “Er beaufsichtigt im fernern die Schaubuden und desgleichen des fahrenden Volkes und die Tingeltangel in Wirtschaften, die vom Chef der Ortspolizei bewilligt worden sind.“ Polizeichef war der Titel, den seit 1877 der Präsident der Polizeikommission führte. Ihm hatte der Polizist alle zwei oder drei Tage Bericht zu erstatten.

Was damals offenbar ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Gemeindepolizisten war : „Er beaufsichtigt die Handhabung des Reglementes über das Verhalten der Schuljugend auf der Gasse.“ Und schliesslich folgte gleichsam als Generalklausel die lapidare Feststellung: „Er sorgt möglichst für die Sicherstellung von Personen und Eigentum im Gebiete der Gemeinde.“ Der Grenchner Gemeinderat hatte aber auch ein Herz für Delinquenten und bestimmte:

„Arrestationen sind mit möglichster Schonung zu vollziehen. Anwendung von Gewalt ist nur im äussersten Notfall erlaubt.“

All diese Aufgaben hatte Stüdi gewissenhaft und zu einem Lohn von 4 Franken pro Tag (Sonn- und Feiertage eingeschlossen) zu erledigen. – Gustav Stüdi amtete als Gemeindepolizist bis 1913. Nachfolger von Gustav Stüdi wurden im Jahre 1914, dem ersten Kriegsjahr, Jules Gigon aus dem jurassischen Le Bois und James Knöpfli aus Ossingen/ZH.

Mehr Personal[Bearbeiten]

Am 6. November 1911 organisierten die Grenchner zum Beginn der Arbeiten am Grenchenberg-Eisenbahntunnel einen grossen Fackelumzug. Am Tag darauf wurde mit den Arbeiten auf der Südseite begonnen. Die starke Zuwanderung ausländischer Tunnelarbeiter und ihrer Familien veranlasste die Solothurner Regierung, den Grenchner Polizeiposten auf vier Mann zu verstärken. Sie stellte dabei der Gemeinde die Bedingung, dass diese eine zweiten Polizisten anstellen müsse. Die Wahl von Jules Gigon aus Le Bois und James Knöpfli aus Ossingen war die Antwort Grenchens auf die Forderung des Kantons.

Bereits 1917 wurde eine dritte Polizeistelle geschaffen. Stelleninhaber wurde Johann Triebold aus Grenchen. 1920 wurde Jules Gigon von der Arbeitslosenfürsorge übernommen.

Ein grosser Sportler[Bearbeiten]

1941 ging als besonderes Jahr in die Geschichte der Stadtpolizei Grenchen ein: Erwin Ballabio wurde als dritter Gemeindepolizist gewählt. Mit seiner menschlich feinen Art verkörpert er auf ideale Weise das positive Zusammengehen der Polizei mit der Bevölkerung. Erwin Ballabio war wohl einer der besten Fussball-Torhüter des Landes, und 1959 errang der FC Grenchen mit ihm zwischen den Torstangen den Schweizer-Cup. 1944 wurde Erwin Ballabio als erster Gemeindepolizist zum Korporal befördert. – Im gleichen Jahre nahm der spätere Polizeichef Fritz Zimmermann seinen Dienst auf. 1945 wurde Fritz Zimmermann zum Korporal befördert, und im gleichen Jahre trat Erwin Ballabio aus dem Gemeindedienst aus.

Von der Gemeinde- zur Stadtpolizei[Bearbeiten]

Am 11. September des Jahres 1945 wurde Grenchen offiziell zur Stadt erklärt. Logischerweise wurde gleichzeitig aus der Gemeinde- die Stadtpolizei. Ernst Kocher und René Berthoud wurden 1945 Stadtpolizisten. Als erster Grenchner Polizist hatte René Berthoud eine Polizeirekrutenschule und zwar jene in Basel erfolgreich absolviert.

Max Obrecht wurde 1964 erster Polizeisekretär angestellt und leitete die administrativen Dienste der Stapo. 1965 wurde Willy Hug, bisher in Biel, im Rang eines Leutnants Polzeichef von Grenchen. Er intensivierte unter anderem den Verkehrsunterricht und baute auf dem Pausenplatz des Schulhauses Eichholz einen Kinderverkehrsgarten auf. Hans Schelker und Hans Gartenmann waren die idealen Schul-Verkehrsinstruktoren. Mit seinem Tiergarten in Staad wurde Hans Schelker in allen Bevölkerungskreisen bekannt, und er trug viel zur Popularität der Stapo bei. 1969 wurde Jakob Hurni neuer Polizeisekretär, und Max Obrecht wechselte von der Stapo als Adjunkt ins Personalamt der Stadt. Am 1. November 1989 übernimmt Hermann Brotschi das Kommando über die Stadtpolizei. Am 1. Oktober des gleichen Jahres wird Robert Gerber als sein Stellvertreter eingesetzt. Am 1. Juli 1994 übernimmt er dann das Kommando von Hermann Brotschi. Ein wichtiges Detail zur Polizeigeschichte Grenchens: Am 4. April 1998 wird die erste mit Solar-Kraft betriebene Parkuhr eingesetzt. – Vergleicht man den Aufgabenkatalog der Stadtpolizei von heute mit dem Pflichtenheft von 1905 so stellt man fest, dass die Anforderungen nicht geringer geworden sind, ganz im Gegenteil. Geblieben ist aber eines – Die Grenchner Stadtpolizei steht noch immer voll und ganz im Dienste der Grenchnerinnen und Grenchner. Die grosse Bürgernähe ist eines ihrer herausragenden Kennzeichen.

1967: 14 Stadtpolizisten, ein Polizeirekrut und 4‘578 Motorfahrzeuge[Bearbeiten]

1967 war die Stadtpolizei fast allgegenwärtig: Obwohl der Verkehr über die Löwenkreuzung mit einer Lichtsignalanlage geregelt wurde, musste der Verkehr zu Stosszeiten abends und mittags „manuell“ geregelt werden. Erschwerend kam hinzu, dass in der Girardstrasse die Kanalisation erneuert wurde. Das führte dazu, dass in der Leimenstrasse mehr Motorfahrzeuge unterwegs waren und deshalb die Stadtpolizei die Einmündung in die Solothurnstrasse ebenfalls „von Hand“ regeln mussten. Zusätzlich zu diesen Arbeiten waren die Stadtpolizisten in 365 Nächten unterwegs. Schliesslich führten sie 86 Lärmpatrouillen durch. Damit längst nicht genug: Die Polizei zog bei den Besitzern der 715 in Grenchen lebenden Hunden die Steuern ein, führte auf dem Pausenplatz des Eichholzschulhauses einen tollen Verkehrsgarten, besuchte Schulklassen, half der Kantonspolizei bei 102 Verkehrsunfällen, führte den Kranken- und den Totenwagen, betreute 104 Märkte, erstellte 1‘151 Strafanzeigen und führte das Fundbüro. Hier im städtischen Fundbüro gingen 241 Fundgegenstände ein, darunter auch Bargeld im Umfang von rund 3'500 Franken. 94 der Fundgegenstände konnten den Verlierer ausgehändigt werden. Dazu ein spannendes Detail: Unsere Stapo meldete ein Ehepaar der Kantonspolizei, weil dieses ein gefundenes Portemonnaie mit 750 Franken nicht meldete. Grenchen zählte im Jahre 1967 insgesamt 20‘341 Einwohner. Brutto kostete die Polizei 420‘000 Franken oder pro Einwohner 20.60 Franken.

Chronik der Stadtpolizei Grenchen 1905 - 2005[Bearbeiten]

Die Chronik der Stadtpolizei, zusammengestellt von Michael Herzog mit einem Vorwort von Boris Banga, kann als PDF heruntergeladen werden.

Zum 100 jährigen Jubiläum fand im Kultur-Historischen Museum Grenchen vom 12. Juni - 29. Oktober 2005 die Ausstellung "100 Jahre Stadtpolizei Grenchen" statt.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]