Agostino und Giovanni (John) Ruffini

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Giovanni (John) Ruffini
Giovanni (John) Domenico Ruffini
* 1807 in Genua (Italien)
† 3. November 1881 in Taggia (Italien)
Italienischer Schriftsteller.
Agostino Ruffini
Agostino Ruffini
* 17. Februar 1812 in Genua (Italien)
† 3. Januar 1855 in Taggia (Italien)
Verwandt: Italienischer Schriftsteller.

Das kleine Nest im Jura

Zusammen mit Giuseppe Mazzini gelangten die Brüder Agostino (1812 - 1855) und Giovanni (John) Ruffini (1807 - 1881) ins Grenchenbad. Ihre Gestalt tritt hinter jene Mazzinis zurück. Zur Erinnerung an die beiden Ruffini existiert in Grenchen eine Ruffinistrasse. Der bekanntere der beiden Brüder war Giovanni (John) Ruffini. Am 20. oder 22. September 1807 wurde Giovanni Ruffini als Sohn des Rechtsanwalts Bernardo Ruffini und der Markgräfin Eleonora Curlo, die später als „mater dolorosa del Risorgimento“ bekannt wurde. Das Ehepaar Ruffini hatte 13 Kinder, von denen sechs bereits im Kindesalter verstarben. Aber auch einige der übrigen sieben Kinder wurden vom Schicksal verfolgt: Vincenzo stürzte sich als Medizinstudent aus einem Fenster, Fortunato starb als 16jähriger Jugendlicher an Schwindsucht, Iacopo, der bei Mazzinis Vater Medizin studierte, brachte sich im Gefängnis um weil er fürchtete, er könnte schwach werden und seine Freunde verraten Er erhielt den Ehrentitel „il protomartire della Giovine Italia“. Ottavio war ein begabter Geiger und Komponist und starb wie sein Bruder Agostino, der es nach seiner Zeit im Bachtelenbad als Sprachlehrer in Edinburgh zu Ansehen brachte, um das vierzigste Altersjahr. Agiolina, die Schwester, erreichte das Erwachsenenalter, lebte aber mit Giovanni in keinem guten Einvernehmen. Giovanni wuchs vornehmlich in Taggia bei San Remo, der Heimat der Curlo auf. Giovanni studierte an der Universität und begegnete hier Mazzini. Obschon er seiner politischen Umtriebe wegen von der Hochschule weggewiesen wurde, schloss er seine Studien mit dem Doktortitel (Jus) ab. Neben seiner beruflichen Arbeit als Anwalt betätigte er sich als Agitator für die Carbonari und dann für das „Junge Italien“. Durch Flucht entzog er sich der Gerichtsbarkeit, worauf er im Abwesenheitsverfahren zum Tode verurteilt wurde. Wie sein Bruder Agostino beteiligte er sich am Einfall in Savoyen. Hierauf folgte er Bruder Agostino ins Bachtelenbad. Um die Zeit zu vertreiben und seine Melancholie zu bekämpfen versuchte er sich in Übersetzungen, allerdings ohne Erfolg. Agostino war musikalisch hochbegabt und hatte immer wieder Liebesaffären. Als eine seiner Freundinnen, die ihn leidenschaftlich liebte, starb, verabschiedete er sich in einer Tagebucheintragung reichlich oberflächlich und zynisch von ihr. Die Brüder Ruffini begannen sich mehr und mehr von Mazzini und seinen Zielen zu entfernen. Gustav Freytag vermutete, dass Karl Mathys Einfluss bei diesem Ablösungsprozess wirksam wurde. Zusammen mit Giuseppe Mazzini reisten die beiden Brüder am 2. Januar 1837 nach London. Sofort lernte Giovanni Ruffini die englische Sprache und bald schrieb er nur noch englisch. Daher auch sein Name John. Hier in England begann auch seine Bekanntschaft mit Gaetano Donizetti. Nachdem König Carlo Albert im März 1848 die konstitutionelle Monarchie in seiner Heimat eingeführt hatte, wurde Ruffini als Abgeordneter von Taggia ins Parlament des Königreiches Sardinien – Piemont gewählt. Auch Bruder Agostiono gehört dem Parlament an. In einer berühmt gewordenen Rede beschwor er am 27. Juni 1849 die Einheit Italiens mit der Hauptstadt Rom. Am 9. Januar 1849 wurde er zum Gesandten bei der französischen Republik ernannt. Dieses Amt hatte er bloss zwei Monate inne, und im August 1849 trat er nach erfolgreicher Wiederwahl auch als Parlamentarier zurück. In Paris lebte er im Hause der älteren englischen Witwe Cornelia Turner. Mit dem Roman „Il Dottor Antonio“ (1853) hatte er riesigen Erfolg, der ihm auch eine finanzielle Unabhängigkeit bescherte. Es folgten mehrere Romane und 1867 setzte er Grenchen und dem Bachtelenbad mit dem Buch „A quiet nook in the Jura“ ein Denkmal. 1938 erschien dieses Buch in Biel bei Gassmann in deutscher Sprache unter dem Titel „Aus der grossen Zeit des Grenchenbades“. Die Geschichte enthält viel Wahres und nicht wenig Zugedichtetes. Ruffini lässt die Uhrenindustrie bereits in den 40er Jahren aufblühen und erst nachher soll Karl Mathy die Bezirksschule gegründet haben. Kein Wort aber findet er für Giuseppe Mazzini, mit dem er zur Zeit der Niederschrift des Buches gebrochen hatte. Nach dem Tode seines Bruders besuchte er sommers mit Madame Turner das Bachtelenbad, aber auch das Bad von Lostorf. Eine lange und enge freundschaftliche Beziehung unterhielt er zum Amtsschaffner Carl Liebi in Thun. 1874 verstarb hochbetagt Madame Turner und Ruffini musste sich nach einer neuen Wohnstätte umsehen. Er zog nach Taggia, wo er sein Landhaus renovieren liess. Am 3. November 1881 verstarb er dort. - In seinen Briefen sprach er immer wieder von Grenchen und vom Bachtelenbad.

Oper

Giovanni Ruffini verfasste das Libretto zu Donizettis Oper „Don Pasquale“. Er folgte dabei einer Vorlage von Angelo Anelli. Die Uraufführung fand am 3. Januar 1843 in Paris statt. In den Hauptrollen wirkten Giulia Grisi, Sopran; Mario (d.i. Giovanni Matteo, Cavaliere di Candio), Tenor; Luigi Lablache, Bass, und Antimonio Tamburini, Tenor.- Der Tenor Mario hatte Verbindungen zu Mazzinis “Giovine Italia” und reiste 1836 nach Paris.

Der geheimnisvolle Schatz der Polen

Die Geschichte vom Schatz der Polen ist heute in Grenchen nicht mehr bekannt, obwohl der Stoff dieser Geschichte sämtliche Ingredienzien enthält, mit denen als Zutaten heute noch Thriller und Abenteuerromane gesponnen werden. Im Buch „Aus der grossen Zeit des Grenchenbades“ erzählt Giovanni Ruffini von einem Erlebnis der Badwirtin Magdalene Girard, welches sich im Jahre 1831 zugetragen hatte. Im nördlich der Heilquelle gelegenen Kieferwäldchen sollen in einer Kiste die Waffen und die Uniformen des polnischen Freiheitskämpfer Kosziusko vergraben worden sein. Die Ereignisse soll Karl Mathy in deutscher und französischer Sprache aufgeschrieben haben. Magdalena Girard berichtete: Eines Tages erschien ein Ehepaar mit ihrem Sohn. Die Frau war offensichtlich krank und legte sich gleich zu Bette. Während ihres Aufenthaltes im Bachtelenbad erhielten die drei verschiedentlich Besuch eines zweiten Mannes. Magdalena Girard wachte eines Nachts bei einer kranken Kuh, als sie bemerkte, wie die beiden fremden Männer ins Kieferwäldchen gingen und dort mit Schaufeln und Äxten eine grosse Grube aushoben. Magdalena Girard war ihnen gefolgt und konnte sie beobachten. Die beiden Männer liessen eine Kiste in die Grube gleiten und bedeckten sie mit Erde und Laub. Als die Fremden abgereist waren - sie legten ihr tausend Franken in Gold auf den Tisch - suchte Magdalena beim Pfarrer Rat. Er und Magdalena gruben die Kiste wieder aus und öffneten sie.

"Als wir den Deckel aufhoben war der erste Gegenstand, den wir vor uns sahen, ein Kruzifix. Dann nahmen wir aus der Kiste eine sehr zerlöcherte Fahne, von Kugeln durchschossen; die Fahnenstange war zerbrochen. Unter der Fahne lag eine Uniform, der Rock ebenfalls auf der Brust ganz zerschlitzt; er war mit Blutflecken bedeckt. Unter der ersten Uniform lag eine zweite, reicher als die andere und besser erhalten. Und darunter auf dem Boden der Kiste vier Pistolen, zwei Schwerter, zwei Epauletten in kleinen Kästchen, eine abgenutzte französische Bibel und in der Ecke ein grosses Paket, das sorgfältig in Zinnfolie eingewickelt war. Der Prister öffnete es, fand aber nur Papiere drin. Das war der ganze Inhalt der Kiste."

Die beiden Schatzgräber versenkten die Kiste wieder. Am Schluss seiner Erzählung kam Ruffini erneut auf den Schatz der Polen zu sprechen. Er berichtete, Magdalena Girard habe die Kiste später wieder ausgegraben und unter ihrem Bett versteckt. Nach etlichen Jahren aber - es musste nach 1864 gewesen sein und auch nachdem das Bachtelenbad an Breidenstein verkauft worden war - soll die Grossmutter die beiden Polen im Schwefelbergbad wieder angetroffen haben. Ihnen wurde die Kiste samt Inhalt ausgehändigt, worauf der Inhalt der Kiste als glücksbringende Reliquien bei einem weiteren Befreiungskrieg der Polen zum Einsatz gelangt seien. Dr. Hermann Hugi nimmt an, dass Ruffini mit diesem Schluss dichterisch die ursprüngliche Geschichte abrunden wollte. Die Begegnung im Schwefelbergbad musste sich nach Ruffinis Dichtung 33 Jahre später abgespielt haben. Damals war Grossmutter Girard bereits verstorben und Kosziuszkos Heimat, das „Weichselland“ war an Preussen gefallen. Und Hugi schliesst seine Arbeit mit der Fesstellung:

„Wir halten es für nicht ausgeschlossen, dass der Kasten mit den Andenken immer noch irgendwo im Bachtelen vergraben ist, vielleicht nicht in dem genannten Fichtenhain, sondern eher auf dem Bühli. Auf jeden Fall sollte man bei der Herrichtung des Waldsfriedhofes ein wachsames Auge auf allfällige Bodenfunde richten."

Bei der Erweiterung des Friedhofes trat unseres Wissens nichts Aussergewöhnliches ans Tageslicht. Doch wer weiss.....?

Quellen

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Weblinks