Max Rüdt

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Max Rüdt während des Generalstreiks 1918 in Grenchen (Bahnhof Süd)
Max Rüdt
* 3.11.1888 in St. Gallen
† 8.9.1947 in St. Gallen
Redaktor und Politiker

Ueber die Person und den Menschen Max Rüdt ist leider nicht mehr viel bekannt. Rüdt verkörpert das traurige Beispiel einer steil verlaufenden Politkarriere mit tragischem Ende. Nach der Grenchner Tragödie wurde Rüdt zum Sündenbock gestempelt für alle negativen Vorkommnisse während des Generalstreiks in Grenchen. Ein Mensch wird systematisch demontiert, 'fertig gemacht' und psychisch vernichtet. Die meisten seiner Freunde verliessen ihn. Eine Säuberungsaktion fand statt in den Reihen der SP. Nationalrat Jacques Schmid (SP), sein bisheriger Förderer, war nun der Hauptagitator in der SP gegen Rüdt. Dies zur hämischen Freude der Bürgerlichen Parteien und der Militärs, die nicht zuletzt deswegen um so hemmungsloser auf den 'Rädelsführern' des Generalstreiks herumtrampelten. Dazu kommt noch, dass Rüdt damals den Beitritt der Partei zur 3. Internationale unterstützte. Schmid war ein vehementer Gegner der 3. Internationale.

Die Art, wie man mit Rüdt umsprang, stand in keinem Verhältnis zu den Vergehen, die ihm tatsächlich angelastet werden konnten.

Aus Rüdt's Biografie[Bearbeiten]

Max Rüdt (3. November 1888 - 8. September 1947), wurde in St. Gallen geboren und erlernte den Typographenberuf. Nach seiner Berufslehre studierte er Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Es folgten weitere Studien an der Universität München. Rüdt widmete sich der Schriftstellerei (Feuilleton). Bis zum Kriegsausbruch 1914 war Rüdt Mitarbeiter der Mittelrheinischen Volkszeitung. Vom August 1914 bis Januar 1916 leistete er Militärdienst in der Schweizer Armee. Am 18. November 1916 verheiratete er sich mit Anna Maria Ineichen (geb. 5. November 1879).

1916 kam Max Rüdt als Lokalredaktor der "Neuen Freien Zeitung" nach Grenchen. Er war Führer der solothurnischen SP-Jugendbewegung zusammen mit Ernst Wyss und Willi Münzenberg. Seit 1917 vertrat er die Sozialdemokratische Partei im Gemeinderat Grenchen und im Kantonsrat. Zudem war er Präsident der sozialdemokratischen Bezirkspartei.

1918 leitete Rüdt das Grenchner Streikkomitee. Als Präsident des Streikkomitees machte man ihn verantwortlich für alle Ausschreitungen während des Generalstreiks in Grenchen. Das Amtsgericht Solothurn verurteilte Rüdt am 14. März 1919 zu 4 Wochen Haft wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Nötigung, Anstiftung zu Nötigung und widerrechtlicher Gefangenhaltung. Das Territorialgericht 4, das vom 3. - 5. November 1919 in Solothurn tagte, verurteilte ihn gar zu 4 Monaten Haft und 2 Jahren Einstellung der bürgerlichen Rechte. Ein äusserst hartes Urteil fast ein Jahr nach dem Generalstreik in einer Zeit also, da Rüdt von der Arbeiterschaft und von der Partei längst verstossen worden war. Im Vergleich dazu verurteilte das Divionsgericht III Robert Grimm im schweizerischen Landesstreikprozess zu 6 Monaten Haft ohne Einstellung der bürgerlichen Rechte. Der Landesstreikprozess in Bern fand schon in den Monaten März und April 1919 statt.

Noch im Jahre 1918 begann gegen Rüdt eine Hetzkampagne in der Presse und zwar nicht nur in den kantonalen Blättern sondern in der Presse der ganzen Schweiz. Ende 1918 forderte der Gemeinderat den Regierungsrat auf, Rüdt aus allen Aemtern abzuberufen. Im Mai 1919 schliesslich trat Rüdt aus allen Aemtern zurück. Nationalrat Jacques Schmid entliess ihn mit nicht belegbaren Vorwürfen (ungetreue Buchführung) als Redaktor der "Neuen Freien Zeitung". Zudem erfolgte der Ausschluss aus der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Solothurn. Diese Hetze hatte Erfolg: im März 1919 überfiel ein Mitglied der Grenchner Bürgerwehr Rüdt und schlug ihn blutig zusammen.

Nach der Hetzjagd auf seine Person verliess Rüdt Grenchen. Bitter enttäuscht, zog er sich aus der Politik zurück. Er liess sich anschliessend in Zürich nieder (Münstergasse 13), wo er im Jahre [[1919 ein Lebensmittelgeschäft kaufte und zusammen mit seiner Frau betreiben wollte. Offenbar rechnete Rüdt nicht mit einem so vernichtenden Urteil des Territorialgerichts 4. Nach diesem harten Urteilsspruch blieb Rüdt nichts anderes, als auf den Erfolg des Begnadigungsgesuchs um Erlass seiner Haftstrafe zu hoffen, das er am 26. Dezember 1919 an den Bundesrat richtete. Doch schon am 8. Januar 1920 lehnte der Bundesrat das Gesuch ab. Es gelang Rüdt, den Haftantritt bis zum 1. Juni 1920 hinauszuschieben. Rüdts Ehefrau war aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, während der Haftverbüssung ihres Ehemanns das Geschäft zu führen. So war Rüdt gezwungen, das erst vor einigen Monaten erworbene Ladengeschäft zu verkaufen. Rüdt trat, seit 1. April 1920 wahrscheinlich ohne Einkommen, seine Haftstrafe am 1. Juni 1920 im Bezirksgefängnis Pfäffikon an. Sein Bruder reichte noch im März 1920 ein weiteres Begnadigungsgesuch beim Bundesrat ein, das wiederum abgewiesen wurde. Auf Befragen betreffend Begnadigung erklärte Rüdt, wenn die Sozialdemokratische Partei ein solches Gesuch einreiche, werde er es annehmen, von Angehörigen oder Verwandten nicht. Ein entsprechender Vorstoss seitens der Partei erfolgte jedoch nicht. Nach der politischen Tragödie folgte jetzt auch der persönliche und finanzielle Ruin eines Menschen, der sich mit grossem Engagement für die Arbeiterschaft und die Arbeiterbewegung eingesetzt hatte.

In den Jahren nach seiner Haftverbüssung, 1920 bis 1947, hielt sich Max Rüdt in Arbon, wieder in Zürich, in Bern und zuletzt in Weinfelden auf. Dazwischen kam er immer wieder nach St. Gallen zurück, so 1922 von Arbon. Er wohnte fast 7 Jahre in St. Gallen, wo er sich im November 1928 von seiner Frau scheiden liess. 1929 zog Rüdt nach Bern. 1941 kehrte er von Zürich zurück nach St. Gallen, das er nach 9 Monaten erneut verliess, um sich in Weinfelden niederzulassen. Als Beruf gab Rüdt jeweils an: Aquisiteur, Sekretär, Journalist.

Rüdt war für den Rest seines Lebens gezeichnet und es gelang ihm nicht mehr, eine neue Laufbahn aufzubauen. Er verstarb am 8. September 1947 in St. Gallen mittellos im Alter von 58 Jahren. Zur Zeit seines Todes war er in Weinfelden domiziliert. Offenbar starb er bei Bekannten oder Verwandten in St. Gallen.

Quellen[Bearbeiten]

  • Text von Alfred Fasnacht
  • Blaser, Rolf: Grenchen im Generalstreik 1918. Historisches Seminar der Univ. Bern, Proseminararbeit bei Prof. H. von Greyerz, ca. 1969
  • Lätt, Jean-Maurice: 120 Jahre Arbeiterbewegung des Kantons Solothurn. S. 317
  • Moser, Salome: 100 Jahre Sozialdemokratische Stadtammänner in Grenchen. S. 22
  • Die Personalien von Max Rüdt und die Angaben zu seinen Lebensstationen nach der Haftverbüssung (1920-1947) von Herrn Dr. Marcel Mayer, Stadtarchiv St. Gallen