Strassenbeleuchtung

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Mit dem Laternenanzünder unterwegs[Bearbeiten]

Adolf Gschwind bezeichnete in seiner Schrift die Standorte der öffentlichen Petrol-Lampen und beschreibt damit, wie Grenchen in alten Zeiten ausgesehen hatte –

Blick zurück in die Zeit vor der Stadtplanung![Bearbeiten]

In seiner Schrift „Erinnerungen eines Eta-Arbeiters“ (1964) zählt Adolf Gschwind die ihm noch bekannten Standorte der Laternen auf, welche sein Vater als Lampenanzünder betreut hatte. Er habe lediglich jene erwähnt, die ihm noch gegenwärtig gewesen seien, meint Gschwind. Tatsächlich zeichnete er ein klares Bild vom Grenchen seiner Zeit. So schreibt er:

„Die unterste (Laterne) war an der Bahnhofstrasse etwas unterhalb des "Bad" und hatte die Aufgabe, durch das Fusswegli, jetzt Freie Strasse, zu zünden. Eine andere war oberhalb des Bad und beleuchtete die Einmündung der Schlachthausstrasse. Zirka 50 Meter weiter oben erhellte eine Laterne die Storchengasse und dann kam eine weitere Lampe, welche den Weg zur Breitengasse zeigte. An der Breitengasse war wieder eine Laterne, damit man nicht das Durchgangswegli nach der Bielstrasse fehlgehen konnte (dieser kleine Fussweg existiert heute noch). Übrigens war auch das Fusswegli in der Mitte der Storchengasse mit einer Lampe versehen. An der Mauerecke des Bauernhauses Alfons Güggi war ein Arm mit Lampe angebracht, welcher die Aufgabe hatte, die Strasse mit dem Bach zu beleuchten. Bei der Solothurnerstrasse war an dem Geschäftshause Girard ebenfalls eine Lampe auf einem Arm montiert. Um diese Lampe. zu bedienen, musste man schon ziemlich schwindelfrei sein, denn tief unten rauschte der Bach. Im Mitteldorf waren folgende Laternen: Beim Löwen an der südwestlichen Ecke und eine hinter dem Löwen. Weiter westlich wurde die Strasse beim Rössli durch einen Armleuchter erhellt. Dann stand eine Laterne bei der alten Schmiede, hart am Bach (wo heute die CS Bank ist, befand sich die Dorfschmiede), vor der Fabrik Eterna, wo jetzt der Werkhof steht, hinter der Fabrik Eterna beim Ökonomiegebäude, am alten Gemeindehaus, bei der alten Linde, beim Kirchenbrunnen, im sog. Eggen, beim Rislifritzenhaus (jetzt Bürgerhaus), beim Tschuy-Sperisen Regini, im Neuquartier, bei der Wirtschaft Binz {Traube; heute Restaurant Ticino), am Eckhaus der Däderizstrasse, beim Bierkeller zu oberst an der Mühlestrasse, zwischen den Mauern, beim Holzmagazin (jetzt Feuerwehrmagazin), bei der Fabrik Obrecht, bei der Einmündung der Bergstrasse und als Oberste die Laterne bei der Fabrik Baumgartner (früher Fabriggli genannt). Ferner waren noch Laternen an der oberen Mühle, südlich der Oele, nordwärts gegen die Studen, oberhalb des Hauses Stüdi angebracht. Das waren so ziemlich alle Laternen. Diese haben ein ganz anderes Bild beleuchtet als die jetzigen. Da gab es noch kein Trottoir. Noch ziemlich armselig an Gebäuden stand die Kirchstrasse da. So waren an der östlichen Seite aufwärts nach der Kirche nur 4 Häuser anzutreffen und auf der westlichen Seite etwa 10 Häuser ziemlich weit auseinander gelegen. Die Däderizstrasse war noch unbebaut. Mit dem Stand der Strassen war es noch einfach, nur die Dorfstrassen waren etwas gepflegt, das heisst sie wurden alle Jahre mit Grien beschottert. Das Indenbodendrücken wurde von den Fuhrwerken besorgt. Die Nebenwege wie z.B. das Däderiz waren Feldwege mit tiefen Geleisefurchen. So bin ich oftmals mit meinem Vater den Laternen nachgegangen und habe das alte Dorfbild noch in sehr guter Erinnerung.“

Bei Vollmond genoss Vater Gschwind eine Frei-Nacht[Bearbeiten]

Zwischen 1873 und 1900 erhellten die Grenchner die Strassen der Ortschaft mit Petrollampen. In hellen Vollmondnächten konnte man sich das Petroleum jedoch sparen, und Vater Gschwind kam zu einer verdienten Pause.

Während vielerorts bereits die öffentliche Strassenbeleuchtung Wirklichkeit geworden war, gingen die Grenchnerinnen und Grenchner nachts mit einer viereckigen Laterne, worin eine Kerze nur wenig Licht spendete, auf die Strassen. Dass diese noch nicht asphaltiert und bei Regenwetter fast unpassierbar waren, sei hier nur am Rande erwähnt. Die Grenchnerinnen und Grenchner, die zu nachtdunklen Stunden unterwegs waren, mussten acht geben, wo sie gingen. Am 5. Januar 1873 beschloss die Gemeindeversammlung, Abhilfe schaffen zu wollen und beschloss, die Strassenbeleuchtung einzuführen. Schliesslich war Grenchen seit 1851 zu einem hablichen Ort und einem Zentrum der Uhrmacherkunst herangewachsen. Gerade 1000 Franken bewilligte die Gemeindeversammlung für die Umsetzung dieses Projektes. Der Kredit reichte aus, um 16 Strassenlampen zu errichten. Etliche wurden an Häusern angebracht, andere wieder beleuchteten öffentliche Plätze. Der Schulhausabwart wurde von der Versammlung beauftragt, die Lampen richtig zu warten. Dies tat er allerdings nur während sehr kurzer Zeit und überliess die Arbeit dem Profi Adolf Gschwind sen.

Täglich und auch Nachts an der Arbeit 1964 übergab Adolf Gschwind (1886 - 1966) der Stadt seine Aufzeichnungen „Erinnerungen eines Eta-Arbeiters“ Hier schilderte er, wie sein Vater Adolf Gschwind sen. Täglich unterwegs war, um die Petroleumlampen der öffentlichen Beleuchtng zu warten. Er berichtete, dass die Lampen sehr weit auseinander nur dort gesetzt wurden, wo dies der Sicherheit diente. Sie standen bei scharfen Kurven, Wegabzweigungen und immer auch in der Nähe des Dorfbaches. Von der Eusebius-Kirche bis zur Schmelzi standen nur gerade zehn Lampen.

Recht interessant ist auch die Konstruktion der Lampen. Sie waren auf etwa zwei Meter hohen gusseisernen Stöcken aufgeschraubt. Durch jeden Stock war oben ein horizontaler Stab geschoben, an den Adolf Gschwind sein Leiterchen anlehnen konnte. Jeden Tag musste Vater Gschwind die Lampen warten und zog, eine Schürze tragend, von Lampe zu Lampe. Zu seiner Ausrüstung gehörte ein zehn Liter Petroleum fassender Kanister, Ersatzgläser und verschiedene Lappen. Die Wartungsarbeiten schildert Adolf Gschwind wie folgt:

„Bei einer Laterne angekommen, holte er die Lampe herunter, füllte sie mit Brennstoff nach, reinigte sie mit einem Putzlappen, ebenso das Glas und den Docht, dann wurde die Scheibe der Laterne noch einer Reinigung unterzogen.“

Gschwind schildert in seinem Bericht wo überall im Strassennetz die Petroleumlampen standen oder an Häusern angebracht waren. Die Liste ist lang und man gewinnt beim Durchlesen den wohl berechtigten Eindruck, dass 1873 wohl mit jenen 16 Laternen gestartet wurde, welche Strub im Heimatbuch erwähnte, dass man aber nach und nach den realen Bedürfnissenn folgend das Netz erweitert wurde. Alle Lampen alle betreute Vater Gschwind, indem er sie bei einsetzender Dämmerung in Gang setzte, und morgens wieder löschte. Adolf Gschwind erzählt, dass sein Vater in klarer Vollmondnacht nicht ausrücken musste. Die sparsamen Grenchner wollten den vollleuchtenden Mond nicht mit ihren Petroleumlampen konkurrenzieren. – 1900 wurde die Elektrizität eingeführt; Grenchens Strassenbeleuchtung wurde mit elektrischem Strom aus dem Werk Hagneck betrieben.

Als der Strom endlich grenchnerisch wurde[Bearbeiten]

1900 wurde der Strom von der Hagneck AG nach Grenchen geführt. Es sollten allerdings noch 32 Jahren verstreichen, bis das Stromnetz in den Besitz der Gemeinde überging.

Das Kraftwerk Hagneck ging am 1. Juli 1900 ans Netz. Bereits vor diesem grossen Ereignis existierte in Grenchen eine Elektrizitätskommission mit Gemeindeammann Robert Luterbacher als Präsidenten und Ingenieur Theodor Schild als seinen Vize. Sie mussten die Bevölkerung überzeugen, dass Elektrizität etwas Positives ist und sich die Gemeinde ans Netz anschliessen sollte. Nach dieser intensiv geführten Aufklärungskampagne erklärten sich 160 Hausbesitzer bereit, mehrheitlich aber bloss provisorisch, elektrische Lampen installieren zu wollen. Schliesslich wurden auch sieben Motoren mit gesamthaft ungefähr 100 PS ans Netz angeschlossen. Der Anschlusswert betrug damals gerade mal 160 kW. Weitsichtig installierte die Hagneck AG auf Grenchner Boden bereits zu Beginn fünf Stationen (Station Pauli an der Solothurnstrasse für die Ziegelhütte; Station Jeker an der Solothurnstrasse, Station Eterna, Station Mühle bei der ASSA, Station Obrecht bei der Felsa). Am 1. September 1900 floss erstmals Strom nach Grenchen – die Neuzeit hatte begonnen! In einem Vertrag, der im Oktober 1900 genehmigt wurde, vereinbarte man, dass die Hagneck AG sämtliche Installationen, auch jene für die Strassenbeleuchtung auf eigene Rechnung erstellen muss. Die Gemeinde musste als Jahresbeitrag für jede Lampe von 25 Watt 15 Franken abliefern. Besonders wichtig war die Vertragsbestimmung, nach welcher Grenchen nach Ablauf der ersten fünf Vertragsjahre das Verteilnetz aufkaufen konnte. Diesen Kauf wollte man früher oder später tätigen und in der Rechnung 1901 wurde deshalb eine Rückstellung von 3'400 Franken vorgenommen.

Während man sich in Grenchen noch zögerlich den Strom zu nutzen machte, häuften sich die Gesuche um Erweiterung der öffentlichen Beleuchtung. Bis 1903 blieben die elektrischen Anlagen der Gemeinde im Besitze der Hagneck AG, bis 1909 bei den Vereinigten Kander- und Hagneckwerken. Es folgte in der Besitzerliste bis 1921 die Bernischen Kraftwerke (BKW). Im ersten Jahresbericht des EW Grenchen ist zu lesen, dass die Berner für den Betrieb einer neuen Trafostation „Kirche“ entsprechende Kabelleitungen vorsahen. „Der aufstrebende Industrieort und die gewaltige Ausdehnung der heutigen Gemeinde haben diese Massnahme voll und ganz gerechtfertigt“. Am 1. Januar 1921 wechselte das Grenchner E-Netz zur AEK. Schon vorher wurde das Netz in Grenchen stetig ausgebaut. Dabei spielten immer wieder wirtschaftliche Veränderungen eine gewisse Rolle, so auch die Erstellung der Eisenbahnlinie der BLS durch den Grenchenbergtunnel und etwa die Ausbeutung der Kiesgrube im Chappeligebiet. Unter der Leitung der AEK wurden die normierten steinernen Trafostationen errichtet.

Grenchen wollte das Netz zurückkaufen. Zuerst sah es aus, als ob sich dies noch zur Zeit der BKW verwirklichen liess. Nach 1921 musste die Elektrizitätskommission mit der AEK verhandeln, die zuerst einen Preisreduktion anbot. Schliesslich einigte man sich auf einen Rückkauf, konnte sich aber auf den Preis nicht einigen. Ein Schiedsgericht setzte den Preis fest und zwar auf 791'840 Franken. Eine Rekordgemeindeversammlung stimmte dem Kauf zu. An der Urne stimmten Grenchens Stimmberechtigte mit 1'628 Ja gegen 397 Nein und bei 17 leeren sowie acht ungültigen Stimmen zu. Am 1. Juli 1931 übernahm das Elektrizitätswerk Grenchen die Verantwortung über das Netz.

Leiter der neuen Unternehmung war Ernst Kohler. Als Präsident der EW-Kommission war Theodor Schild tätig. Unter den Mitgliedern finden wir unter anderen Oberrichter Dorer, Briefträger Oskar Wälti, Adolf Schild, Industrieller und Bezirkslehrer Oskar Nussbaumer.

Die Strassenbeleuchtung[Bearbeiten]

Öllampen[Bearbeiten]

Der Mensch nutzte seit jeher künstliche Lichtquellen für die Beleuchtung im Freien. Beginnend mit Kienspan, Fackel und Öllampe ging die Entwicklung zum Gaslicht und zum elektrischen Licht. Strassen wurden schon im frühen Altertum beleuchtet, doch erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18.Jahrhunderts dokumentiert man die Entwicklungen in der Strassenbeleuchtung. Mit der Industrialisierung setzte sich die Strassenbeleuchtung im grossen Stil durch. 1667 begann man in Paris eine grosse Zahl Öllampen zur Strassenbeleuchtung einzusetzen. 1679 folgte Berlin und 1702 die Stadt Leipzig. Öllampen für die Beleuchtung von Strassen sollen in Europa allerdings schon im 14.Jahrhundert eingesetzt worden sein. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Begründung der Stadt Leipzig, welche für die Schaffung einer Strassenbeleuchtung abgegeben wurde. Die bisherige Beleuchtung mit Fackeln und Pechpfannen birgt eine "sehr große Feuersgefahr". Auch benötige man unbedingt eine "bessere Beleuchtung der Straßen zu den beiden Mustermessen". Diese Ausführungen belegen, dass vor der „Ölbeleuchtung“ die Strassen bereits beleuchtet wurden. Mit den Öllampen entstand ein sogenannter Brennkalender. So ist z.B. in der "Ordnung von Anstecken und Brennen dieser Stadt Lampen für das 1675ste Jahr" der Stadt Hamburg nachzulesen, dass zur Zeit des Vollmondes die Lampen nicht angezündet werden durften. Nach diesem Brennkalender ergab sich eine jährliche Brenndauer von 1745.5 Stunden. Demgegenüber liegt die jährliche Brenndauer heute bei etwa 4000 Stunden.

Gaslaternen[Bearbeiten]

Schon die alten Griechen kannten das Gas zu Beleuchtungszwecken. Allerdings gestaltete sich der Transport sehr schwierig, so eine kommerzielle Nutzung ausblieb. Seit 1680 unserer Zeitrechnung wurden Experimente mit Holzkohlengas gemacht. 1792 wird als das Geburtsjahr der Gasbeleuchtung angesehen: In diesem Jahr beleuchtete der Engländer Mordoch sein Wohnhaus mit Steinkohlengas. Er war es auch, der 1802 die Fabrik von BOULTON & WATT in Soho bei Birmingham mit Gas beleuchtete, in welcher der Erfinder Watt seine Dampfmaschinen baute. 1810 entstand in London das erste Gaswerk, nachdem dort bereits zwei Jahre zuvor eine erste Strassenbeleuchtung mit Gas als Demonstrationsanlage errichtet wurde. Die Gaslaternen kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. In London im Jahre 1814 und in Berlin im Jahr 1826 entstanden die ersten Gasbeleuchtungen. Zuerst waren es offene Gasflamme, später nachdem Auer von Welsbach 1885 den Gasglühstrumpf erfunden hatte, als Gasglühlicht. Sein Gasbrenner brannte fünfmal heller als alle damaligen Brennerarten, denn an die Stelle der offenen Flamme trat nun ein glühendes Material. Das Material war ein aus Baumwollnetzen bestehender Strumpf, der mit einem Gemisch aus besonderen Elementen (Seltenen Erden) getränkt war. Diese Seltenen Erden haben die Eigenschaft im glühenden Zustand heller zu leuchten als die heizende Gasflamme. Das Gas hatte also nur noch die Aufgabe, dieses Material glühend zu machen. Es schien, dass aufgrund dieser Erfindung die inzwischen aufkommende elektrische Beleuchtung für einige Zeit zurück gedrängt und die Monopolstellung der Gaswerke gerettet werden konnte. Gas als Lichtquellen bestimmten für mehr als hundert Jahre das nächtliche Bild unserer Städte.

Elektrische Lichtquellen[Bearbeiten]

Elektrische Lichtquellen wurden im größeren Umfang erst eingesetzt, nachdem Werner von Siemens 1867 den ersten Dynamo zur Stromerzeugung gebaut und die Entwicklung der Bogenlampe mit der Einführung der Differentialregulierung einen hohen Stand erreicht hatte. Die Beleuchtungstechnik war als größter Energieverbraucher dieser Zeit die Triebkraft für die Entwicklung der Starkstromtechnik. 1882 wurden in Berlin die ersten Bogenlampen eingesetzt. Obwohl diese Lampen teilweise bis in die 20er Jahre im Einsatz waren, konnten sie sich nie durchsetzen, da der Wartungsaufwand sehr groß war und die Betriebssicherheit sehr gering war. Bei der Bogenlampe werden zwei Kohlstäbe, an eine elektrische Spannung gelegt wird und nahe aneinander gebracht, entsteht eine Funkenstrecke und das typische blaue Licht, wie wir es auch vom Schweißen her kennen. Das Licht entsteht sowohl im Lichtbogen (Gasentladung) als auch an den glühenden Kohlestiften (Temperaturstrahlung), die schnell abbrennen und ersetzt werden müssen. Die Strombegrenzung dieses elektrischen Quasikurzschlusses erfolgt mit Draht-Widerständen. Die Helligkeit der Bogenlampen übertraf alles bisher dagewesene. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit bot eine künstliche Lichtquelle für manche Anwendungszwecke zu viel Licht. Mit der Bogenlampe kamen auch die ersten Glühlampen auf dem Markt. Auch diese Lampenart wurde für Straßenbeleuchtung eingesetzt. Die Glühlampe hatte dank des Ideenreichtums des Erfinders und geschäftstüchtigen Unternehmers Edison, der Schalter, Elektrizitätszähler, Abzweigdosen und natürlich den Edison-Schraubsockel entwickelte, einen unaufhaltbaren Siegeszug durch die ganze Welt angetreten. Dieser begann auf der Pariser Weltausstellung 1881, die ganz im Zeichen des elektrischen Lichtes von Bogenlampen und Glühlampen stand. Die Besucher konnten die Edison-Glühlampen eigenhändig ein- und ausschalten, was ein großes Ereignis war. Unter den deutschen Besuchern waren auch Oskar von Miller, der spätere Gründer des Deutschen Museums in München, Werner von Siemens und Emil Rathenau, welche die völlige Geruchlosigkeit und Gefahrlosigkeit bezüglich Bränden und die sympathische warme Lichtfarbe dieser neuen Lampen lobten. Die ersten Edison-Glühlampen hatten eine Leistung von 80 Watt, eine Lichtstrom von 200 Lumen und eine Brenndauer 1000 Stunden. Obwohl die Glühlampe gegenüber dem Gaslicht viele Vorteile hatte, konnte sich das Gaslicht weiter durchsetzen. Eine Stagnation in der Entwicklung der Strassenbeleuchtung trat während dem zweiten Weltkrieg ein. Nach dem Krieg standen viele Städte und Gemeinden in Europa vor der Entscheidung: Gas oder Elektrizität. Viele Städte entschieden sich für Gas, weil Gas eher zur Verfügung stand und mehr Erfahrung im Umgang mit Gas bestand. Doch nicht das Gaslicht setzte sich in der Straßenbeleuchtung durch, sondern das elektrische Licht. Einen wichtige Rolle spielte dabei die Entwicklung der Niederspannungs-Leuchtstofflampe. Durch diese Lampe war es möglich, vergleichsweise kostengünstig und ohne großen Wartungsaufwand die Straßen hell auszuleuchten. Doch mit der Weiterentwicklung in der Beleuchtungstechnik zeigten sich bald auch die ersten Nachteile dieser Lichtquelle für die Straßenbeleuchtung: die großen Abmessungen der Leuchten und Lampen, die Temperaturabhängigkeit des Lichtstromes und des Zündverhaltens sowie die geringe Lichtleistung. So kam es in jüngster Zeit zum Aufschwung und Dominanz der Entladungslampen in Form von Quecksilberdampf- und Natriumdampf-Hochdrucklampen. Die Natriumdampf-Niederdrucklampe konnte zwar durch ihre hohe Lichtausbeute am Anfang einen Anteil in der Straßenbeleuchtung gewinnen, letztendlich wird heute aber die Natriumdampf-Hochdrucklampe wegen ihrer besseren Farbwiedergabe bevorzugt. Andere Lichtquellen, wie Halogenmetalldampflampen oder Kompaktleuchtstofflampen, spielen in großen Teilen der Straßenbeleuchtung eine untergeordnete Rolle. Wenn wir heute über Straßenbeleuchtung sprechen, dann stellt sich zwangsläufig auch die Frage: "Was bedeutet Straßenbeleuchtung für uns ?". Zum einen erleichtert die Straßenbeleuchtung bei richtiger Auslegung das Sehen im Straßenverkehr für Kraftfahrer, Radfahrer und Fußgänger, zum andern erhöht die Straßenbeleuchtung das Sicherheitsgefühl der Bürger und ist somit auch ein Stück Lebensqualität. Künstliche Beleuchtung war noch nie so gut und billig wie heute, ein Beispiel: Im Jahr 2000 musste ein deutscher Industriearbeiter für 1 Kilowattstunde elektrischer Energie etwa 35 Sekunden arbeiten, sein Kollege vor 100 Jahren etwa 2 Stunden. Eine Glühlampe hat der Industriearbeiter in etwa 4.7 Minuten verdient. Vor 100 Jahren war dafür der Lohn eines 12 bis 14 Stundentages notwendig. Die Entwicklung elektrischer Lampen geht weiter: Halogenlampen für den Betrieb an 230 Volt (Hochvoltlampen) als Weiterentwicklung der Glühlampen schaffen brillantes Licht und werden auch im Wohnbereich die Glühlampe zunehmend ersetzen - mindestens aber ergänzen. Die Energiesparlampen als miniaturisierte Niederspannungs-Leuchtstofflampen ersetzen aufgrund ihres geringeren Energieverbrauches mehr und mehr die Glühlampen. Hochdrucklampen in Kleinstbauweise mit niedriger Lampenleistung finden zum Beispiel als Xenonlampen in Autoscheinwerfern Anwendung. Die Entwicklung der künstlichen Lichtquellen wird sich mit noch größerer Geschwindigkeit als in den letzten 100 Jahren fortsetzen. Sie wird uns Lampen bescheren, die mit noch weniger Energie auskommen, noch kleiner sind, noch mehr Lichtleistung und noch besseren lichttechnischen Eigenschaften sowie noch längere Lebensdauer aufweisen als unsere heutigen Lampen. Ökologische Überlegungen hinsichtlich der Schonung der Umwelt (Abfallstoffverwertung) als auch des sparsame Umganges mit knapper werdenden Energie- und Rohstoffressourcen spielen dabei eine immer größere Rolle. Damit besteht die Chance, Beleuchtungsanlagen für noch bessere Sehbedingungen und mit noch mehr Akzeptanz bei den Menschen im Sinne höherer Lebensqualität zu realisieren. Ob wir sie nutzen, hängt von uns ab.

Zweck der Strassenbeleuchtung[Bearbeiten]

Die Strassenbeleuchtung hat die Aufgabe während der Nacht einen Beitrag zur Verkehrssicherheit auf den Straßen zu leisten, die persönliche Sicherheit der Bürger, also Vorbeugung von kriminellen Übergriffen, zu erhöhen sowie die Kommunikationsflächen in den Städten und Gemeinden zu beleben und attraktiver zu gestalten. Einen Beitrag zu leisten, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig die Gewährleistung um jeden Preis, sondern nur eine positive Einflussnahme auf das Gemeinwohl und die Verkehrssicherheit.

Licht und Beleuchtung: Von den Anfängen bis zur Petrollampe[Bearbeiten]

Licht und Beleuchtung: Im Altertum[Bearbeiten]

Das Lagerfeuer der frühen Menschen entwickelte sich mit der langsam einsetzenden Sesshaftigkeit im Neolithikum zum Herdfeuer in den einfachen Hütten und Behausungen. So waren es auch die Herdfeuer, Fackeln, einfache Talglampen und Kienspäne, die nördlich der Alpen für viele Menschen während Jahrtausenden fast die einzige künstliche Lichtquelle darstellten. Man verbrachte die Hälfte des Lebens in der Dunkelheit.

Die Kienspäne loderten in Europa von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert und zählten zu den weit verbreiteten Beleuchtungsmitteln. Sie spendeten ihr Flackerlicht für Tätigkeiten, die es abends zu erledigen gab. Ein Kienspan von etwa 20 cm Länge musste öfters gewechselt werden, brannte er doch nur ein paar Minuten. Nicht selten steckte man sich die brennenden Kienspäne in den Mund, um beide Hände für die Arbeit frei zu haben. Selbstverständlich kannte man Kienspanhalter, deren Vielfalt von den einfachsten Eisenkonstruktionen bis hin zum kunstvoll modellierten Menschenkopf mit offenem Mund reichten, in den man dien Kienspan steckte. Die tönernen Köpfe nannte man Maulaffen (Maul offen). Die bekannte Redensart vom „Maulaffen feilhalten“ rührt daher.

Doch steinzeitliche Jäger kannten bereits einfache Lampen, die sie mit tierischen Fetten als Leuchtstoff betrieben. Bei Untersuchungen in den Höhlen der Dordogne stiessen Archäologen auf Steine mit schalenartiger Vertiefung, die sie auf Grund von Spurenelementen von tierischem Fett eindeutig als frühe Lampen erkannten. Als Dochte dienten Flechten und Moose.

Allen tierischen Fetten weit überlegen als Leuchtstoff waren die Pflanzenöle. Etwa 3000 v. Chr. im alten Aegypten und seit etwa 1500 v. Chr. in Kreta weist die Archäologie den Gebrauch von Lampen nach, die mit pflanzlichen Leuchtstoffen betrieben wurden. Schliesslich verbreitete sich das Öllämpchen und der Ölleuchter im antiken Griechenland und später im ganzen römischen Reich. Selbst in den einfachen Haushalten verbreiteten sich die Öllampen, doch wurden sie gerade hier sparsam eingesetzt. Öl aus Oliven, aber auch Leinöl, Mohnöl und Rizinusöl kamen als Leuchtstoffe zum Einsatz, waren in der Antike reichlich vorhanden. Wie weit die Öllampen in den römischen Kolonien verbreitet waren, belegt ein Fundkomplex von rund 3000 Öllampen in Vindonissa (Windisch, Schweiz). In Vindonissa (Windisch), in Lousonna (Lausanne) sowie in Bern-Engehalbinsel gab es in der Römerzeit Lampentöpfereien.

Licht und Beleuchtung: Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die heutigen Europäer können sich die Dunkelheit kaum mehr vorstellen, die vor der Petrollampe, dem Gaslicht und erst recht vor Edisons Erfindung der elektrischen Glühlampe Abend für Abend einkehrte und bis zum Sonnenaufgang herrschte. Mit Sehnsucht erwartete man den neuen Tag, der in den langen, eisigen Winternächten während rund 16 Stunden ausblieb. In der Nacht war in den Behausungen der kleinen Leute das sparsam glühende Herdfeuer nicht selten die einzige Licht- und Wärmequelle bis weit ins 19. Jahrhundert. Sicher stand auf irgendeinem Regal eine kleine Tranfunzel (Öllampe mit tierischem Fett als Brennstoff) oder eine Trankerze, die jedoch aus Sparsamkeit nur kurz und selten ihr Licht spenden durften. Die Brennmaterialien (Kerzenwachs und Oel) für die künstliche Beleuchtung waren im Gegensatz zum Mittelmeerraum nördlich der Alpen sehr teuer. Könnte das - neben vielen anderen Gründen - mit eine Ursache sein, weshalb die Zivilisation der nördlichen Länder lange Zeit nicht an den klimatisch äusserst begünstigten mediterranen Siedlungsraum heranreichte. Die mangelnde Produktivität der Landwirtschaft im Norden deckte gerade den täglichen Nahrungsbedarf und brachte die nötigen Ölüberschüsse zur Beleuchtung lange nicht hervor. Tatsächlich üben Licht und Wärme des mediterranen Raums seit Jahrhunderten eine magische Anziehungskraft aus auf die nördlich der Alpen lebenden Völker.

In den mittelalterlichen Burgen wie auch in den Bürgerhäusern der Städte kamen Öllampen, Kerzen und bei grösseren Anlässen auch Fackeln zum Einsatz. Nischen in den Wänden der Räume nahmen kleinere Beleuchtungskörper wie Kerzen, Trankerzen oder Öllampen auf. Zum täglichen Gebrauch jedoch stellte man die Lampen oder Kerzen auf den Tisch. Säle in Burgen und Rathäusern beleuchtete man bei festlichen Anlässen mit Fackeln, Feuerkörben und Feuergestellen mit lodernden Holzfeuern. Behälter und Fackeln konnten auch aufgehängt oder an Wänden befestigt werden. Fackeln (Leuchten bestehend aus einem Holzstab oder Ast, an einem Ende mit Werg oder anderen brennbaren pflanzlichen Stoffen umwickelt und in Pech oder Teer getaucht) und grössere Feuerbehälter fanden in den mittelalterlichen Städten für die Strassenbeleuchtung oder für die Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden Verwendung.

Das Licht in der Finsternis erlebten die Menschen in den Kirchen. Im hell erleuchteten Sakralbau wähnten sie das Licht des Himmels zu sehen. Solche Helligkeit in der Nacht fanden sie nur in kirchlichen Räumen, wo mehrere Kerzen den Altar beleuchteten und Kronleuchter in der Höhe die Kirchengewölbe mit Licht und Helle füllten. In ihren dürftigen Hütten und Häusern brannte neben dem Herdfeuer oft nur eine kleine, stinkende Tranlampe. Kerzen aus Bienenwachs hingegen waren seit je den Kirchen und dem Adel vorbehalten. „Licht war eine Sache des Standes: je einfacher desto dunkler.“ sagt der deutsche Historiker Christian Radtke.

Neben den Kirchen waren die nächtlichen Bälle, Feste und Aufführungen in Schlössern, Opernhäuser und Theater Orte der Lichtentfaltung, von der Barockzeit bis ins 19. Jahrhundert. Heute ist es schwer, sich die Atmosphäre in einem herrschaftlichen Ballsaal dieser Jahre vorzustellen. Hunderte von Kerzen und Lampen brannten, tauchten den Raum in ihren Lichterglanz. Entsprechend verbreitete sich die Hitze im ganzen Saal. Der Geruch der Dochte, des Russes und des brennenden Wachses hängte schwer in der Luft, schlug sich nieder als russige, schmierige Staubmasse . Es ist durchaus anzunehmen, dass etliche Anwesende mit Atemproblemen und Husten zu kämpfen hatten.

Empfing eine Familie Abends Besuch, gehörte es sich, die Gäste entweder nachtsüber unterzubringen oder sie mit einer Laterne nach Hause zu begleiten, ihnen heimzuleuchten. In vornehmeren Kreisen begleitete ein Diener, ausgerüstet mit einer Laterne, die Gäste seiner Herrschaft nach Hause. Als die Strassenbeleuchtung noch fehlte, gehörte in jeden Haushalt eine Laterne für nächtliche Gänge in Haus und Dorf. Je nach Bauweise konnten diese einfachen Laternen eine Trankerze oder ein Öllämpchen aufnehmen.

Mit den Städtegründungen im Mittelalter wuchs von Anbeginn das Bedürfnis, bei Festen und Feierlichkeiten nachts wichtige Plätze, Strassen und Gebäude zu beleuchten. Die ersten Öllampen für die Straßenbeleuchtung sollen in Europa schon im 14.Jahrhundert benutzt worden sein. Die praktische Nutzung von Lichtquellen für die Straßenbeleuchtung hingegen reichen weit in das Altertum zurück. Doch erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18.Jahrhunderts wurden Entwicklungen in der Straßenbeleuchtung dokumentiert. Die Stadt Paris setzte 1667 im großen Stil Öllampen zur Straßenbeleuchtung ein. 1679 folgte Berlin und 1702 die Stadt Leipzig. In der Schweiz führten Genf und Bern in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Strassenbeleuchtung (Öllampen) ein, Zürich erst 1778. Im Jahre 1806 führte Zürich sogar eine Lampensteuer ein.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich in der Lampentechnik während Jahrhunderten kaum etwas veränderte. Erst in den frühindustriellen Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts machte man sich Gedanken, wie die Öllampen zu verändern wären, um ihnen mehr und intensiveres Licht zu entlocken. Mit der industriellen Produktion wuchs der Bedarf nach einer Verbesserung der Arbeitsplatz-Beleuchtung. An vielen Industriearbeitsplätzen war Millimeterarbeit gefragt. Ferner galten in der Nachtschicht die gleichen Qualitätsanforderungen wie bei Tag. Mit der verbesserten künstlichen Beleuchtung in den Fabriken musste die Nacht weichen – rund um die Uhr war es hell.

Die bahnbrechende Erfindung einer verbesserten Öllampe gelang dem Schweizer Physiker François Pierre Ami Argand (1750-1803). Der Volkskundler und Historiker Heinrich Mehl beschreibt Argand’s Erfindung wie folgt: „Argand erfand den röhrenförmigen Docht, der eine bessere Verbrennung gewährleistete. Argand stellte seine Lampe mit doppeltem Luftzug am 15. August 1783 in Paris vor und erstaunte das Publikum mit der blendenden Helligkeit. Die 1784 vom geschäftstüchtigen Hochschulprofessor entwickelten Glaszylinder, die dann vor allem in England hergestellt wurden, nahmen die heute noch vertraute Form der Petroleumlampe vorweg, sie saugen durch ihre Kaminwirkung Luft an die Flamme, sie schützen das Licht vor Zugwind und verringern die Feuergefahr für Haus und Stube.“

Die neue Helligkeit: Das Gaslicht[Bearbeiten]

Einmal mehr war es die Industrie, die nach optimaler Beleuchtung in den Werkhallen und an den Arbeitsplätzen verlangte. Wie kürzlich die Argand-Lampen fand auch die Gasbeleuchtung mit Steinkohlegas zuerst ein Anwendungsgebiet in den Industrien Englands. 1814 stellte London in einigen Stadtteilen die Strassenbeleuchtung auf Gaslaternen um. Doch schon früher, im Jahre 1807, beleuchtete man in London erstmals die Prachtstrasse Mall mit Gaslicht. Die damalige Presse schrieb: „Die Wirkung ist der alten Strassenbeleuchtung ohne Frage unendlich überlegen. Ein Gaskandelaber gibt mehr Licht als zwanzig gewöhnliche Öllampen. Das Licht ist wunderbar weiss und strahlend.“ Weniger zum Einsatz gelangte das Gaslicht in Wohnhäusern. Dafür reichte wohl vorerst die Gasproduktion in den Städten nicht aus. Die Verwendung von Gas für die Beleuchtung setzte grosse Investitionen voraus für den Bau von Gaswerken (Gasfabriken) und Leitungssystemen. Die Stadt Solothurn setzte die Gasbeleuchtung (öffentliche Strassenbeleuchtung) erstmals am 12. November 1860 in Betrieb, nachdem im Jahr 1859 die Gasfabrik Solothurn erstellt wurde. Vorher leuchteten in der Stadt Solothurn abends die Öllampen.

Petrollampen erobern den Markt[Bearbeiten]

Bis zum Beginn der Nutzung der Erdölvorräte im 19. Jahrhundert und dem damit aufkommenden Petroleum kannten die Menschen nur vier künstliche Lichtquellen: Holz, Wachs, Öl/Fett und das sich eben verbreitende Gaslicht. Etwa um 1860 trat das aus Erdöl gewonnene Petrol in Europa seinen Siegeszug an. Petrol brennt leichter und deutlich heller als die organischen Öle und bildet auch weniger Russablagerungen. Ausserdem steigt es dank seines geringen spezifischen Gewichts durch die Kapillarwirkung des Dochts leicht nach oben, die Brennstoffbehälter konnten jetzt unterhalb der Brenner angebracht werden. Diese Vorteile hatten rasch zur Folge, dass in den meisten Stuben und Produktionsbetrieben Europas Petroleum-Lampen leuchteten, so auch in der Uhrenindustrie mit den Petrol-Quinquets (Gänggi, Lampe am Arbeitsplatz des Uhrmachers). Neu setzten sich dank der Helligkeit des Petrollichts die Hängelampen durch, die kleinere Wohnstuben einigermassen auszuleuchten vermochten. In den Wohnungen beleuchtete man in den meisten Fällen nur die Küche und die Stube mit Petrollicht. Auch als mobiles Licht, als Handlaterne, eroberte sich der neue Brennstoff in Kürze eine Vormachtstellung und brachte herkömmliche Kerzen- und Öllaternen rasch zum verschwinden. Doch die leichte Entflammbarkeit des Petrols barg auch neue Gefahren in sich. Dank seiner guten Eigenschaften eignete sich Petroleum auch für die Strassenbeleuchtung, wie das Beispiel Grenchens zeigt. In Grenchen beleuchteten immerhin 27 Jahre lang, von 1873 bis 1900, Petrollampen Strassen und Ecken. Das war Grenchens erste Strassenbeleuchtung. Im Jahre 1900 führten die Grenchner das elektrische Strassenlicht ein.

Wichtige Leuchtstoffe[Bearbeiten]

Leuchtstoffe tierischer Herkunft[Bearbeiten]

Tierische Fette und Talg[Bearbeiten]

Tierische Fette und Öle als Leuchtstoffe gewann man aus Nieren- oder Bauchfett (Unschlitt) von Rind und Hammel. Unschlitt war durchsetzt von Bindegewebe und unreinem Material, das schliesslich beim Verbrennen fürchterlich stank und russte. Erste Verbesserungen bei der Verwendung tierischer Fette brachte die Produktion von Talg, dem Ausschmelzen, Reinigen und Abpressen des Fettes. Der Talg hielt bis ins 19. Jahrhundert seinen festen Platz als Lichtspender. Talglampen brannten mit ziemlich ruhiger Flamme bei weniger starker Geruchs- und Russentwicklung als dies bei Unschlitt der Fall war. Neben den Talglampen gab es auch Kerzen aus Talg und sogar solche aus Unschlitt.

Walrat und Walöl[Bearbeiten]

In der grossen Epoche der Waljagd (17. und 18. Jahrhundert), in der Biskaya und später im Nordantlantik, schlachteten die Walfänger Hunderttausende von Grosswalen ab, um Brennstoff für Europas Lampen zu gewinnen. Am begehrtesten als Lampenöl aber waren Walrat und Walöl, Flüssigkeiten in den Hohlräumen des Potwalschädels. Bis zu 1500 Kilo pro erlegtem Tier gewannen die Walfänger. Das gereinigte Walrat konnte mit Bienenwachs zu ordentlich leuchtenden Kerzen geformt werden, das Walöl als vergleichbar preiswertes und gutes Brennmittel in Lampen und Laternen.

Pflanzliche Leuchtstoffe[Bearbeiten]

Holzfeuer[Bearbeiten]

Das Holzfeuer als Licht und Wärmespender gehörte vermutlich von allem Anfang an zum steten Begleiter des Menschen.

Kienspan[Bearbeiten]

Ein Kienspan ist ein abgespaltetes oder abgehobeltes harziges Blättchen (Span von etwa 20 cm Länge) aus Kiefernholz, das von der Steinzeit bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine häufig verwendete Lichtquelle war. Der Kienspan wurde dazu angezündet und wahlweise in eine Halterung gesteckt oder für den mobilen Einsatz in der Hand gehalten. Häufig verwendet wurden tönerne Halter in Form eines Kopfes, wo der Kienspan im offenen Mund befestigt werden konnte. Durch den hohen Harzgehalt brennt ein Kienspan heller, gleichmäßiger und länger als vergleichbare andere Holzstücke. Mit der Neigung des Spans kann die Grösse der Flamme reguliert werden.

Pflanzliche Öle[Bearbeiten]

Seit der Antike gilt das Olivenöl als weitverbreiteter Leuchtstoff für Lampen vor allem im Mediterranen Raum. Ferner kamen auch Leinöl, Mohnöl und gar Rizinusöl zum Einsatz. In den nördlichen Gefilden eignete sich das Rapsöl gut als Brennstoff für Öllampen. In der Schweiz geht der Rapsanbau in grösseren Mengen auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Mit den zunehmenden Anbaumengen von Raps im schweizerischen Mittelland nahm die Anzahl der Ölmühlen deutlich zu. In Grenchen markiert der Ölirain noch heute den ungefähren Standort der Grenchner „Öli“. Das gewonnene Öl fand damals hauptsächlich als Brennstoff für Öllampen Verwendung. Auch die Grenchner Öli verarbeitete Raps, Nüsse und Buchnüsse vor allem für Beleuchtungszwecke. Die Grenchner Ölmühle stellte den Betrieb ein, als das Petrol nach 1860 sehr rasch das Lampenöl vom Markt verdrängte.

Kerzenwachs[Bearbeiten]

Verwendung als Kerzenbrennstoff fanden Walrat (gereinigtes Fett aus dem Schädel des Pottwals), Unschlitt (ungereinigtes Tierfett von Rind und Hammel), Talg (gereinigtes Tierfett), die modernen Leuchtstoffe Stearin (Basis: chemische Aufspaltung pflanzlicher oder tierischer Fette) und Paraffin (Mineralische Basis: Braunkohle und Erdöl). Schliesslich am teuersten und am besten: der Bienenwachs, das Verdauungsprodukt der Bienen, das sie zum Bau der Waben verwenden.

Die Kerze ist eine Sonderform der Dochtfeuerleuchte. Sie funktioniert prinzipiell genauso wie die Öllampen. Aufgrund des höheren Schmelzpunktes benötigt das Brennmaterial keine Ummantelung. Dennoch setzte man fast durchwegs Kerzenhalter ein. Diese dienten sowohl dem Brandschutz als auch als Auffangbehälter für abtropfendes Brennmaterial, das man erneut verwenden konnte.

Mineralische Leuchtstoffe[Bearbeiten]

Petrol[Bearbeiten]

Etwa um 1860 trat das aus Erdöl gewonnene Petrol in Europa seinen Siegeszug an. Petrol brennt leichter und deutlich heller als die organischen Öle und bildet auch weniger Russablagerungen. Ausserdem steigt es dank seines geringen spezifischen Gewichts durch die Kapillarwirkung des Dochts leicht nach oben, die Brennstoffbehälter konnten jetzt unterhalb der Brenner angebracht werden.

Gas[Bearbeiten]

Das Gas, auch Stadtgas, Kohlegas oder Steinkohlegas genannt, wurde in den Gaswerken meistens aus Steinkohle gewonnen. Zu diesem Zweck zerkleinerten die Gaswerke die angelieferte Steinkohle und erhitzten sie in Retortenöfen im Ofenhaus unter Luftabschluss auf 1.000 bis 1.200 °C. Das in der Kohle enthaltene Gas entwich. Stadtgas ist aufgrund des in ihm vorkommenden Kohlenmonoxids CO hochgiftig. In den letzten Jahrzehnten stellten die meisten Gaswerke die Stadtgas-Produktion aus wirtschaftlichen und aus Risikogründen ein. Die Wirtschaft und die Haushalte werden heute mit Erdgas beliefert, das von der grossräumigen Verteilung und von der Beschaffenheit her (ungiftig) gegenüber dem Stadtgas starke Vorteile aufweist.

Karbid[Bearbeiten]

Karbidlampen verbreiteten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Arbeitslampe für Bergleute und Tunnelbauer. Funktionsweise einer Karbidlampe: In das Lampenunterteil wird Kalziumkarbid eingefüllt, im Oberteil ist meist der Wassertank eingebaut. Der Wassertank ist mit einem Ventil und einer Regulierschraube versehen. Mit dieser Regulierschraube kann die Wassermenge die auf das Karbid tropft, eingestellt werden. Kalziumkarbid bildet, wenn es mit Wasser in Berührung kommt, Azetylengas. Dieses wird über ein Röhrchen zum Brenner aus dem Karbidtank geführt und mit dem Streichholz oder (dem bei einigen Lampen) eingebautem Feuerstein an der oft aus Speckstein bestehenden Düse entzündet. Azetylengas brennt sehr lichtstark. Ca. 150 g Karbid reichen bei einer handelsüblichen Laterne für rund 6 Stunden Licht. Als Abfallprodukt entsteht Karbidschlamm (Calciumhydroxid). Diese Verbindung wandelt sich in der Luft durch Aufnahme von Kohlendioxyd wieder in den ursprünglichen Rohstoff zurück, nämlich Calciumkarbonat oder Kalkstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Vom Kienspan zum Laserstrahl. Zur Geschichte der Beleuchtung von der Antike bis heute. - Hrsg. Von Jutta Matz und Heinrich Mehl. - Husum : Husum Druck- und Verlagshaus, 2000. ISBN 3-88042-968-5. 118 S., ill.
  • Moser, Walter : Zur Geschichte der öffentlichen Beleuchtung in der Stadt Solothurn von der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. - (Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. 68. Band 1995). - Hrsg.vom Historischen Verein des Kantons Solothurn. Derendingen : Habegger,1995. S. 57 - 270, ill.
  • Ein Bauerndorf wird zur Industriestadt. Erinnerungen alter Leute gesammelt von den Schülern der Bezirksschule Grenchen. - Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Hermann Hugi. - Grenchen: Verlag des Stadtanzeigers, 1939. 119 S., ill.
  • Perkowitz, Sidney: Eine kurze Geschichte des Lichts. Die Erforschung eines Mysteriums. Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober. - München : Deutscher Taschenbuchverlag, 1998. - ISBN 3-423-33020-1. 290 S.

Quellen[Bearbeiten]

Die obigen Texte enstanden im Zusammenhang mit der Ausstellung "Von der Gaslaterne zur Lichterstadt" 2005 im Kultur Historischen Museum. Das Eröffnungsreferat zu dieser Ausstellung hielt Alfred Fasnacht am 4. November 2005.

Weblinks[Bearbeiten]