Der grosse Brand von 1864

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Am 27. Mai 1864 brannten im Dorfzentrum 13 Häuser und drei Nebengebäude nieder, wodurch 24 Familien obdachlos wurden.[1] Im Grenchner Heimatbuch beschreibt Werner Strub das dramatische Ereignis.[2]

Augenzeugenbericht[Bearbeiten]

Der damals 17-jährige J. Oscar Gysi schildert in seinen Jugenderinnerungen, wie er mit einem Kameraden zusammen von Solothurn nach Grenchen fuhr, um den Brand zu sehen und sich dabei nützlich zu machen.[3]

Am Nachmittag des 24. [sic] Mai 1864 um 5 Uhr ertönte auf dem St. Ursenturm zu Solothurn der Feueralarm. Wir, auf der Bank, gerieten in große Aufregung, da gleich nachher die Kunde herein kam, das halbe Dorf Grenchen stehe in Brand. Als der Direktor ins große Bureau trat, da sah er gleich, daß nicht mehr viel Arbeit in seinen Untergebenen steckte und sagte deshalb: „Man kann ja doch nichts mehr mit Euch machen; lauft nach dem Bahnhof; denn um halb Sechse geht ein Zug nach Grenchen.“ Im Nu war all das junge Volk zur Tür hinaus und am Bahnhof konnten wir noch helfen, die große Saugspritze auf einen Lastwagen zu heben. In Grenchen halfen wir wieder die Spritze ausladen und dann spannte sich, was da laufen konnte, vor dieselbe und in scharfem Tempo gings dem Dorfe zu. Oben beim Löwen wurde Halt gemacht und da fielen gleich zwei Mann, die sich beim Laufen zu sehr angestrengt hatten, ohnmächtig zu Boden. Sie wurden schnell auf eine Wiese gebracht und der Pflege einiger Frauen überlassen. Bald trat unsere Spritze in Aktion; aber da man von dort aus von dem Brande gar nichts sehen konnte, so drückte ich mich mit einem Kameraden, um dem Feuer näher zu kommen. Da aber kamen wir vom Regen in die Traufe; denn der Kommandant einer Eimerlinie erwischte uns und so wurden wir dort eingestellt. Da galt es dann nicht nur fein saubere Ledereimer von Hand zu Hand weiter zu geben, sondern kleinere Zuber, welche für Schweinefutter gebraucht worden waren und sogar schlüpfrige Schweinefuttertröge wurden in der Reihe weiter gereicht. 16 Häuser standen in hellen Flammen in der Dorfstraße, welche von der Bielstraße in der Richtung des Berges führt. Als der Kommandant unserer Eimerlinie einen Augenblick abseits ging, kniff ich mit meinem Kameraden wieder aus und nun waren wir im nächsten Augenblick mitten zwischen den brennenden Häusern drinn. Wir liefen, was das Zeug hielt; denn es war heiß und wir waren froh, endlich das Ende jener Gasse erreicht zu haben. Dort war ein Wirtshäuschen und da wir sehr der Erfrischung bedurften, so kehrten wir ein. Nur ein 6-jähriges Mädchen war im Hause; alle Erwachsenen waren nach dem Feuer hingelaufen. Wir gingen selber in den Keller, holten Wein und Käse herauf; das Kind wußte, wo das Brot war, und als nur uns erfrischt hatten, gaben wir dem Kinde das nötige Geld und veranlaßten es, dasselbe in seinem Taschentuch einzuknüpfen.

Jetzt gings auf Umwegen wieder der Bielerstraße zu und dort gerade gegenüber dem Gasthaus zum Löwen fanden wir ein kleines Wirtshäuschen, welches vom Feuer stark bedroht war. Wir machten uns an die Arbeit, um da zu retten, was noch zu retten war. Mein Kamerad stand auf dem ersten Stock und ich auf dem Fenstersims des Erdgeschoßes. Er reichte mir Sachen heraus und ich ließ sie sauft zur Erde nieder. Plötzlich kam ein Korb voll Messer und Gabeln; mein Freund stieß damit ungeschickterweise an und so ergoß sich der ganze Inhalt über meinen Kopf. Da ging es ohne einige kleine Wunden nicht ab. Nach diesem unglücklichen Korb kam ein gewaltiger Berhardinerhund an die Reihe, welchen mein Freund von der Fensteröffnung aus an einem der hintern Beine herunterließ. Ich faßte das gewaltige Tier an der Vorderpfote; aber es war mir zu schwer und so fielen wir zusammen zur Erde, der Hund, weil schwerer, zu unterst und ich auf denselben. Da jetzt noch andere Leute herbeieilten, um die Rettungsarbeit aus diesem Wirtshäuschen aufzunehmen, so zogen wir wieder von dannen zu neuen Szenen. Auf einer kleinen Anhöhe, hart bei den brennenden Häusern, stand die Kirche und neben derselben ein Wirtshaus, dessen hölzerne Lauben einen prächtigen Ausblick auf die wogende Lohe boten. Aber hier war das Holzwerk stark vom Feuer bedroht und da dort oben gar kein Wasser zu haben war, so ließ der Wirt den billigsten Wein in eine Bütte auslaufen; dort hinein wurden Bettücher getaucht und dann in nassem Zustand über die Lauben herunter gehängt und dadurch wurde dieses Haus gerettet. Es ist dies das einzige Mal in meinem Leben, daß in meiner Gegenwart Wein zum Feuerlöschen benützt worden ist. Bei Einbruch der Nacht hatte sich das Feuer ausgebrannt und nun wollten wir den Weg nach Solothurn unter die Füße nehmen, als aus dem Fenster eines Bauernhauses an der Straße ein Ruf ertönte: „Do ine, Buebe, dir heit gwüß Durst!“ Es war die fröhliche Stimme des Landammanns Vigier, welcher mit seinem Freunde Landammann Ackermann dort Aufnahme gefunden hatte. Die Herren sagten, wir könnten in ihr Fuhrwerk einsteigen und dabei erzählten sie, daß sie mit einer 23 Jahre alten Erlenbachermähre, welcher einige Jahre vorher eine Deichsel in die Brust hinein gefahren war, in 20 Minuten von Solothurn nach Grenchen, eine Distanz von vollen zwei Stunden, gefahren seien. Dieses Tier hatte in frühern Jahren bei politischen Wahlkämpfen die Parteiführer in fabelhaft kurzer Zeit von einen, Ende des Kantons zum andern gebracht und hatte so der leitenden Partei gewaltige Dienste geleistet.

Dem Brand von Grenchen sind 24 Häuser und 9 Speicher zum Opfer gefallen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hülfskomite (Misteli, Brunner, Vigier, Sury v. Büssi, Lang, Glutz, Schießle, Walther): Aufruf an die Bewohner des Kantons Solothurn, Stadtarchiv Grenchen
  2. Strub, Werner: Heimatbuch Grenchen: die vergangenen Jahrhunderte bis in die Gegenwart. Solothurn: Vogt-Schild, 1949, S. 647-650
  3. Gysi, Johann Oscar: Der Jüngste von Zwölfen: Jugend-Erinnerungen aus alter Zeit. Aarau: H.R. Sauerländer & Co, 1905, S. 73-76