Weinbau

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Inhaltsverzeichnis

Weinbautradition in Grenchen[Bearbeiten]

Nach heutigem Wissensstand ist der Weinbau in Grenchen seit 1576 schriftlich belegt. Diese Tatsache lässt die Vermutung zu, dass die Grenchner schon viel früher ihre Rebberge anlegten und auf eine jahrhundertealte Weinbautradition zurück blicken durften. Im Laufe dieser langen Zeit entwickelten sich über Generationen reiches Wissen und Erfahrung, ein Schatz der mit der Aufgabe der Rebberge anfangs des 20. Jahrhunderts verloren ging und heute von den Mitgliedern der Grenchner Rebbauvereine neu erarbeitet und erworben werden muss. Dabei geht es weniger um Rebsorten und Weinbereitungsmethoden, als um jenen jahrhundertealten Fundus, den man Tradition und Kultur nennt.

Man kann davon ausgehen, dass sich während der historischen Weinbau-Epoche bis 1914 die Dorfbevölkerung voll mit dem Verlauf des Rebenjahres identifizierte. Die Entwicklung der Reben, der Leset und der Wein hatten ihren festen Platz im Grenchner Alltag, waren tägliches Gesprächsthema, das alleweil zu Diskussionen und Witzeleien Anlass gab.

Römerzeit[Bearbeiten]

Das Ausmass des römischen Gutshofs Breitholz (150 n.Chr. - 300 n.Chr.) und die Amphorenfunde bei den Ausgrabungen 1940/41 lassen den Rückschluss zu, dass Wein in dieser Zeit konsumiert wurde. Die Römer waren bekannt als Weintrinker. Offen bleibt, ob es auch Rebberge gab. Da die Römer über ein weites und gutes Handelsnetz verfügten, liegt die Vermutung näher, dass sie Trauben und Wein nach Grenchen transportieren liessen.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im Hochmittelalter, als die Freiherren von Grenchen ihre Burg bewohnten (1000 - 1225), war die Herrschaft Grenchen weltlich und kirchlich eng mit der Westschweiz und insbesondere mit dem Seeland verbunden. Die Herren von Grenchen waren verwandt mit den Herren von Strassberg (Büren a.A.) und mehrfach verschwägert mit den Grafen von Neuenburg und Neuenburg-Nidau. Auch die enge Bindung des hoch-mittelalterlichen Grenchens an das Kloster Erlach ist urkundlich überliefert.

Die letzte aus dem Feiherrengeschlecht der von Grenchen, Bertha II von Grenchen, schenkte im Jahre 1225 dem Kloster Erlach ein 4 Schupposen (ca. 16 ha) umfassendes Stück Land zu ihrem und ihres Bruders Seelenheil. Das Grundstück lag unterhalb der Burg. Es handelte sich wohl um einen Teil des Hofachers.

Im Mittelalter waren es hauptsächlich die Klöster, die den Anbau von Reben förderten und verbreiteten. Vermutlich ist die ausgeprägte Weinbautradition Grenchens zum Teil in dieser Epoche begründet.

Weinbau-Chronik Grenchen bis 1914[Bearbeiten]

150 n.Chr. - 300 n.Chr. Die Grösse des römischen Gutshofs Breitholz und die Amphorenfunde bei den Ausgrabungen 1940/41 lassen den Rückschluss zu, dass Wein in dieser Zeit konsumiert wurde. Die Römer waren bekannt als Weintrinker. Offen bleibt, ob es auch Rebberge gab. Da die Römer über ein weites und gutes Handelsnetz verfügten, liegt die Vermutung näher, dass Trauben und Wein nach Grenchen transportiert wurden.
1000-1225 Im Hochmittelalter, als die Freiherren von Grenchen ihre Burg bewohnten (1000 - 1225), war die Herrschaft Grenchen weltlich und kirchlich eng mit der Westschweiz und insbesondere mit dem Seeland verbunden. Die Herren von Grenchen waren verwandt mit den Strassbergern (Büren a.A.) und mehrfach verschwägert mit den Grafen von Neuenburg und Neuenburg-Nidau. Auch die enge Bindung des hochmittelalterlichen Grenchens an das Kloster Erlach ist urkundlich überliefert. Die letzte aus dem Feiherrengeschlecht der von Grenchen, Bertha II von Grenchen, schenkte im Jahre 1225 dem Kloster Erlach ein 4 Schupposen (ca. 16 ha) umfassendes Stück Land zu ihrem und ihres Bruders Seelenheil. Das Grundstück soll unterhalb der Burg gelegen haben. Es dürfte sich um einen Teil des Hofachers gehandelt haben. Im Mittelalter waren es vor allem die Klöster, die den Anbau von Reben förderten und ausbauten. Vermutlich ist die ausgeprägte Weinbautradition Grenchens zum Teil in dieser Epoche begründet.
1576 Schon im Jahre 1576 beschwerte sich der Rat beim Ammann von Grenchen, dass er den Kilchherren verbiete, Wein beim Zapfen auszuschenken oder zu wirten «dhann es keinem geystlichne zuostatt.
1581 Bewilligte der Rat von Solothurn Marx Ris, dem Müller von Grenchen, im Jahre 1581 Rebstecken aus dem Ittenberg
1611 Jakob Menz erhielt 1611 die Bewilligung, eine Gemeindetrotte zu erstellen
1625 u. 1661 Erfolgten Neuanlagen (neue Rebberge)
1634 Nebst dem Rotwein gedieh aber auch der Weisswein und dieser wird wohl qualitativ dem Rotwein den Rang streitig gemacht haben; denn aus einem Beschlusse des St. Ursenstiftes vom Jahre 1634 ist zu entnehmen: «Was den Zehntenwein von Grenchen anbelangt, so soll der rote im Schulhaus mit Fröhlichkeit getrunken werden; der weisse aber soll fürderlich nach Solothurn geschickt und unter die Chorherren verteilt werden.»
1693 Im September weihte der Bischof von Lausanne, Peter von Montenach, die Kapelle Allerheiligen ein. Der Rat spendierte ihm und seinem Gefolge ein Fass Wein haltend 2 Säum (ca. 280 Liter) und 12 Mütt (etwa 800 kg?) Hafer für die Pferde. Nebstdem wurde ihm für die Einweihung eine Entschädigung von 6 Pistolen (etwa 6 Louisdor zu ca. 6.7 g Gold) zugesprochen, wovon die eine Hälfte von der Gemeinde und die andere vom Staat zu bezahlen waren. Dass der Bischof Grenchner Wein in Empfang nehmen durfte, darf durchaus vermutet werden. Übrigens: die Säulen am Haupt- und an den beiden Seitenaltären auf Allerheiligen sind reich mit Weinranken umwunden.
1716 1716 wurde dem Pfarrer gestattet, den Wein von den Pfrundreben auszuwirten.
1717 Das Rebgelände fand stetsfort eine Erweiterung. So wurde 1717 Hans Güggi ein Viertel Land (vermutlich 1/4 Juchart = 9 a) bewilligt, worauf er Reben pflanzte
1731-1766 Auch Georg Gotthard, von 1731-1766 Pfarrer in Grenchen, hatte im Pfarrhaus seinen Wein aus den Pfarr- und Zehntenreben auswirten lassen.
1777 Der Bischof wünschte bei seiner letzten Visitation, dass das Wirten des Pfarrers unterbleibe. Pfarrer Nussbaumer liess sich hierauf vernehmen, dass er das Weinausschenken eingestellt habe. Dabei wies er aber darauf hin, dass der Wein einen beträchtlichen Teil seiner Einkünfte ausmache. Mit der Verbesserung der Pfrundreben habe er namhafte Kosten bestritten und den Wein könne er nicht anders als durch das Ausschenken an den Mann bringen. Man solle daher die getroffenen Vorkehrungen gegen sein Wirten etwas mildern, da schon seit 29. Januar 1716 seinen Vorgängern das Wirten erlaubt worden sei. Wenigstens solle ihm für dieses Jahr das Ausschenken in einem dritten Hause gestattet werden, da er sonst beträchtlichen Schaden erleide. Der Rat beharrte jedoch auf dem Verbot. Aber schon im nächsten Jahre machte der Wirt zu Grenchen, Ludwig Affolter, den Rat aufmerksam, dass der Pfarrer weiter den Wein im Pfarrhof ausschenke, desgleichen auch der Bäcker Amiet; aber auch der Zapfenwirt zu Allerheiligen handle der «Erkenntnis vom 7. "November 1777 zuwider», indem er nicht nur den Wallfahrern, sondern auch den umliegenden bernischen und solothurnischen Untertanen Wein serviere. Der Pfarrer von Grenchen wurde hierauf mit 50 Pfund gebüsst und der Vogt von Lebern beauftragt, innert 14 Tagen die Busse einzukassieren, ansonst der Zehnten des Pfarrers mit Arrest belegt werde. Sollte künftighin der Pfarrer vom Wirten nicht lassen, so werde seine Abberufung verlangt. Auch sollen Amiet und der Wirt zu Allerheiligen wegen ihrer Verfehlungen gegen die Verordnung gebührend bestraft werden.
1783 Als der Bischof von Lausanne, Bernhard Emanuel von Lenzburg, im Jahre 1783 die Pfarreien seines Bistums besuchte, hörte er auch vom Grenchner Wein. Der Solothurner Benedikt Bass erzählt darüber: «Als er zu Grenchen zu Mittag speisete, forderte er von Herrn Pfahrherrn den Grenchner Wein zu versuchen. Als man ihm dessen befragete, gab er in Rückantworth, es seye besser, den bischöfliechen Seegen zu trinken, als einen solchen andern Grenchner Wein. Nichtsdestoweniger verkostete er denselben und fande ihn sehr sauer; worauf ein grosses Gelächter entstunde.»
1802 Josef Hugi, Präsident der Munizipalität zu Grenchen, und Josef Wullimann liessen die Regierungskommission zu Solothurn wissen, dass die Gemeinde Grenchen pro 1802 keinen Weinzehnten zu geben willens sei, da die meisten Reben erfroren seien, weshalb die Ernte nur gering ausfiel. Zudem verursachte diese Zehntenforderung bei den Gemeindegenossen grossen Unwillen. Die Regierungskommission verfügte hierauf, dass nur diejenigen den Zehnten zu geben schuldig seien, die Wein geerntet haben und es sei ihnen gestattet, diesen in natura oder in bar zu bezahlen.
1817 Jakob Lüthi musste 1817 beim Antritt der Pfarrei den Eid schwören, dass er für alle vorigen Pfarrechte besorgt sein wolle. Der Wein bildete einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Einkommens. Missriet er, so war der Pfarrer übel daran; denn die jährlichen Auslagen an Arbeitslohn für Rebarbeiten betrugen gegen 400 Batzen. Seit neun Jahren, so erklärte Lüthi, habe er nicht soviel aus der Wirtschaft gezogen, als die sämtlichen Unkosten für die Reben ausmachten.
1826 Am 13. September 1826 berichtete der Oberamtmann an den Finanzrat: «Auf mehrfache Verzeihung hin habe ich gegen Jakob Frei, Krämer, eine Untersuchung angebahnt; denn dieser Mann trachtet alle Jahre, so oft es Grenchner Wein gibt, sowohl den zuhanden der Regierung als auch zuhanden des Pfarrers abfallenden Weinzehnten zu kaufen, um denselben auszuwirten. So trieb Frei schon einige Jahre eine ziemlich frequente Wirtschaft, wobei er dann als Krämer auch Branntwein ausschenkte. Auch habe ich erfahren, dass er des Nachts fremden Wein einführte und bei seinem Schwiegervater einkellerte. Letzten Monat liess ich durch Hans Zetter des Freis Keller untersuchen; er fand zwar keinen fremden Wein, sondern Grenchner, der aber beinahe verdorben war. Wäre es, zur Vermeidung ferneren Missbrauchs, nicht zweckmässig, bei der Zehntsteigerung zu eröffnen, dass der Käufer dadurch, wenn er nicht schon als Wirt berechtigt sei, kein Recht habe, den Zehntenwein auszuwirten. Ebenso sollte dem Pfarrer verdeutet werden, dass derjenige, welcher seinen Zehntenwein besteht, deswegen kein Recht zum Auswirten habe; sonst tritt der gleiche Uebelstand ein. Zwar wird dann der Pfarrer den Zehntenwein sowie sein Eigengewächs selbst wirten, was dann noch schlimmer ist. Denn ich vernahm im Laufe dieses Jahres, dass einige Saufgelage im Pfarrhofe zu Grenchen Platz hatten, wobei man sich nicht erbauen konnte und im Publikum Aufsehen erregte, welches der Würde des Pfarrers schadet. Aber wie darf man Abhilfe begehren, da das Gesetz das Ausschenken des Eigengewächses erlaubt und da das Wirten im Pfarrhof zu Grenchen schon von jeher üblich war»
1827 Durch Ratsbeschluss vom 22. September 1827 untersagte man in Zukunft dem jeweiligen Pfarrer von Grenchen, seinen Zehntenwein und denjenigen der Pfründe auszuwirten. Man gestatte ihm aber, den Wein durch jemand anders im Dorfe auswirten zu lassen. Nur musste dem Finanzrat die Person und das Lokal, worin der Wein ausgeschenkt wurde, angezeigt werden. Auch konnte der Wein en gros an Gemeindeangehörige verkauft werden, denen man das Recht einräumte, den Pfarrwein der Kehre nach auszuwirten.
1830 Waren 30 Jucharten oder etwa 11 ha mit Reben bestockt. Die Jucharte (36 a) Reben galt Fr. 800.- bis Fr. 1200.-.
1833 Nun verlangte das Verbrauchssteuergesetz für das Mass selbstgepflanzten Weines einen Rappen per Mass. Das traf die rebenbauenden Bauern schwer, weshalb die Gemeinde Grenchen am 9. Dezember 1833 eine Petition an den Grossen Rat richtete, worin ausgeführt wurde, dass man für das Mass fremden Weines sechs Rappen zu bezahlen habe, die aber vom Konsumenten getragen werden. Allein der einheimische Wein müsse vom Rebbauer selbst getrunken werden, was für die Gemeinde Grenchen besonders zutreffe, da dieser nicht verkauft werde. Es sei daher diese Verbrauchssteuer eine Ungerechtigkeit und der Rat solle das Gesetz zurückziehen. Der berühmte Grenchner Arzt, Dr. losef Girard (1803-1869), der Emigrantenfreund und Industriegründer, erfüllte in dieser Hinsicht besonderen Lokalstolz. Ihm ist es zu verdanken, dass der Grenchner Wein einmal sogar im solothurnischen Kantonsrate erwähnt wurde, wie wir aus der Berichterstattung über die Grossratsitzung vom 14. Dezember 1833 dem Solothurner Blatt gleichen Tages entnehmen können. Als letzter Redner unterstützte Dr. Girard damals die erwähnte Petition der Weinbauern vom Leimenthal und von Grenchen gegen die Rappenabgabe: «Es tut mir leid, nicht ein Müsterchen vom heurigen Grenchenwein mit mir genommen zu haben, um jeden der Herren vor dem Abstimmen versuchen zu lassen, was vielleicht auf ihre Vota günstig einwirken würde!» Leider hatte Girard seinen Wein im entscheidenden Augenblicke nicht zur Hand; die Zeitung meldet lakonisch über den Ausgang des Geschäftes: «Die Petition geht endlich in der Tagesordnung unter.»]
1834 Im Zuge der Regeneration im Jahre 1830 und den folgenden Jahren, als hauptsächlich die Landbevölkerung des Kantons auf ihre Rechte und auf eine angemessene Vertretung in Parlament und Regierung pochte, nahm auch der Druck wieder zu auf die Abschaffung der Zehnten und Bodenzinse durch Loskäufe. In der Ausstellung zum Grenchner Weinbau liegt ein Originaldokument (1834) aus den Beständen der Heimatsammlung Grenchen Hans Kohler auf, das die Bereitschaft der Rebenbesitzer des Weinbergs in der Unteren Neuen Zelg bezeugt, sich von den Zehnten des St. Ursenstifts in Solothurn los zu kaufen. Der Loskauf der Rebenbesitzer in der Unteren Neuen Zelg ist nicht als Einzelfall zu werten, sondern als Teil der Freiheitsbewegung, die sich in diesen Jahren mit grosser Kraft durchzusetzen begann und mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 und der freiheitlichen Kantonsverfassung von 1856 ihr Ziel finden sollte. Als Berechnungsgrundlage der Loskaufssummen diente meistens der Durchschnittswert des Zehntertrages der letzten Jahre multipliziert mit 15 bis 25.
1836 Die Weinlese setzte jeweils die Gemeindeversammlung fest. So wurde 1836 die Weinlese auf den 23. Oktober verschoben und dem Ortspfarrer die Erlaubnis gegeben, zwei Tage vorher in seinen Reben mit dem Lesen zu beginnen.
1847 Auch der Wein des Nachbardorfs Lengnau dürfte als recht sauer bekannt gewesen sein. Kein geringerer als Jeremias Gotthelf erwähnte den Tropfen in seinem „Doctor Dorbach“ mit den Worten: „..in Längnau wächst nicht bloss ein Wein, der seinesgleichen nicht hat in Europa (derselbe vergläsurt die Magen, nämlich die, welche ihn ertragen mögen, so, dass sie fürder verdauen und verwerchen können an Speis und Trank, was unter dem Himmel auf Erden ist, hundertjähriges Kalbfleisch, französischen Branntwein in Nidau oder Biel gemacht, ja Specksalat von Schirling und Erbsmus mit Blausäure gekocht)..“.
1853 Dass der Grenchner Wein seinem Rufe alle Ehre machte, beweist folgender Vorfall, der am 29. Oktober 1853 im Solothurner Blatt geschildert wird: «Vor einigen Tagen ertappte der Landjäger in Grenchen eine Frau in den Reben, wo sie Trauben stahl. Er arretierte die Frau und führte sie zum Friedensrichter, damit sie für den Frevel angemessen bestraft werde. Der Friedensrichter sprach: ,Weib, dein Vergehen ist gross und schwer zu sühnen, daher verurteile ich dich dazu, die gestohlenen Trauben auf der Stelle und vor meinen Augen zu essen.' Das Weib flehte: ,Habt Barmherzigkeit mit einer armen Frau!' ,Nichts da', sprach der Friedensrichter, ,die Strafe muss der Sünde angemessen sein und es muss ein Exempel statuiert werden'.» Das Urteil ward vollzogen und die Frau schwor bei allen Heiligen, nie mehr Grenchner Trauben zu stehlen.»
1857 Ums Jahr 1857 waren die Grenchner noch stolz auf ihre Reben. Was war das für eine Freude im Weinmonat, wenn es ans Lesen ging! Die jungen Grenchner der alten Zeit konnten auch schön jodeln und jauchzen und von den Reben her hörte man schon früh morgens die fröhlichen Stimmen der Winzer. Und wenn dann das letzte Fuder Trauben heimgeführt wurde, trug die Hausfrau oder wohl auch die hübsche Tochter einen vollen Rebstock in der Hand wie einen «Meie».
1860 «Letzte Woche herrschte in unserm Dorfe ungeheurer Jubel (Ende Oktober 1860). Eine Hochzeit? Nein. Eine Kindstaufe? Auch nicht. Die Weinlese, die Weinlese! Die Qualität steht hinter dem Bieler nicht weit zurück; wenigstens haben wir es unsern werten Nachbarn mit dem Zuckern nicht nachmachen müssen. Die Quantität wäre befriedigend ausgefallen, wenn der letzte Reif nicht so übel gehaust hätte. Preis haben wir keinen ausgemittelt; wir glauben, den Most in acht Tagen vertilgen zu können.»
1866 Nach dem Katasterplan von 1866 besass Grenchen noch 9 ha Rebgut, das sich in der neuen Zelg, im Krähenberg, im Gespernmoos und in den hohen Reben befand.
1871 Im Jahre 1871 hatten die Reben sehr viel Früchte angehängt, die aber aus Mangel an warmem Sonnenschein nicht recht zur Reife gelangen konnten. Ein Pfiffikus meinte, die hiesigen Rebbesitzer hätten billig die Ueberkiesung der projektierten Bahnlinie Lyss-Herzogenbuchsee übernehmen können. Impulsive Eigenschaften musste aber der Grenchner Wein besitzen; denn im «Solothurner Landbote» vom 14. Juli 1873 ist zu lesen: «Neben den industriellen Arbeiten und der vielseitigen Beschäftigung auf den Baustellen zappelt und krappelt es auf Wiese und Feld, als ob Grenchen ein rein landwirtschaftliches Dorf wäre. Rührigkeit und Ausdauer lassen sich unserer Einwohnerschaft nicht absprechen und dazu trägt unser Grenchner Wein sicher sehr viel bei; man mag darüber lachen und sich lustig,machen, es isch einewäg so!»
1876 Vom Jahre 1876 an gab es viele Fehljahre; entweder erfroren die Trauben zur Blütezeit, oder sie vermochten im Herbst nicht die richtige Reife zu erlangen, weil die nötige Sonne fehlte und folglich blieben die Beeren hart, so dass man, wie böse Zungen behaupteten, die Beeren gedroschen werden mussten, und da wollte es das Unglück, dass in einer Tenne, wo Trauben gedroschen wurden, ein Barrenladen offen war und eine Beere da hineinsprang und einem Stier ein Auge ausschlug! Und ein anderer Unfall passierte auf der Bahn, allwo eine Traubenbeere aus einem Korbe auf die Bahnschiene fiel und den Zug zum Entgleisen brachte! Um nun solche und ähnliche Unfälle zu verhüten, wurden die Reben nach und nach ausgerottet, was die Kinder sehr bedauerten; denn jetzt konnten sie nicht mehr «Rappen» gehen; d. h. sie durften nach dem «Läset» die vergessenen Trauben zusammenlesen.
1884 Erstes Auftreten des falschen Mehltaus (Peronospora) am Bielersee. Eine Rebkrankheit (Pilz), die vermutlich bald auch in Grenchen ausbrach. Am Bielersee tauchte die Reblaus im Jahre 1905 das erste Mal auf, zu einer Zeit als in Grenchen der Rebbau schon fast ganz aufgegeben war.
1887 Ueber die Ernte von 1887 schreibt «Der Freie Solothurner»: «Letzten Donnerstag (13. Oktober) fand nun der hiesige ,Leset' statt und glücklich ist derselbe um zirka zehn Uhr vormittags desselben Tages fertig geworden. Ueber die Quantität ist man nicht befriedigt, ebenso behauptet man von der Qualität, dass selbe alle frühern Jahrgänge übertreffe, d. h. in Bezug auf die ,Strumpflöcherzusammenziehende Eigenschaft'. Von freudiger Stimmung haben wir beim Leset nichts wahrgenommen.»
1902-1910 Hans Kaufmann schrieb: „Das Blatt Grenchen des Topographischen Atlasses der Schweiz, der besser unter der Bezeichnung «Siegfriedatlas» bekannt ist, verzeichnet in der Ausgabe von 1875 noch fünf Rebareale: die Höhreben unter der Schönegg, die Krähenbergreben zwischen Weinberg- und Promenadenstrasse, die oberen Neureben zwischen Bergstrasse und Grubenweg und zwei Rebparzellen im Neuen Zelg. Auch der Kartennachtrag von 1891 dokumentiert noch diese fünf Areale; während die Ausgabe von 1902 nur noch ein ganz kleines Stücklein Rebland am Krähenberg nachweist, zeigt die Karte von 1910 überhaupt kein Rebland mehr. Aber schon die Ausdehnung von 1875 dieser sympathischen landwirtschaftlichen Nutzungsform bedeutet Reliktzustand; damals waren die Büelireben, die Katzenreben, die Ribireben, die Mühlereben und die unteren Neureben bereits verschwunden.“

So waren 1875 auch die Bachtalen-Reben (Allerheiligenstrasse / Dählenstrasse) nicht mehr nachgewiesen, die auf dem Bachtalen-Plan (ca. 1830) von J. U. Walker eingetragen sind. Die Siegfriedkarten weisen nach, dass zwischen den Jahren 1891 und 1902 die Grenchner Rebareale bis auf einen winzigen Weinberg am Krähenberg verschwanden. Alternativen zum Weinbau waren einerseits die Uhrenindustrie Grenchens und anderseits die Verlagerung des betrieblichen Schwergewichts der Rebbauern auf die sich besser bezahlt machende Landwirtschaft, die in Grenchen durch Entsumpfung der Witi ab 1878 positive Impulse erhielt. Schliesslich war es der falsche Mehltau, eine Rebkrankheit, die dem Rebbau in Grenchen den Rest gab und innert weniger Jahre zum Erliegen brachte. Die Grenchner Rebbauern hatten nicht mehr viel zu verlieren, doch Grenchen verlor in diesen wenigen Jahren eine jahrhundertealte traditionsreiche Kultur - unwiederbringlich.

1914 W. Strub: „Warum ging der Weinbau in Grenchen ein? Mit der Einführung der Industrie verlor die Landwirtschaft Arbeitskräfte. Die Reben verlangten aber exakte und geübte Arbeiter, die nicht mehr vorhanden waren. Die Reben wurden in der Folge nur noch nachlässig bearbeitet, was den Ertrag schmälerte. Dazu gesellten sich Rebkrankheiten, namentlich der falsche Mehltau, so dass man die Stöcke nicht mehr verjüngte. Zu allem wurden billige italienische und spanische Weine eingeführt, so dass in verhältnismässig kurzer Zeit der Rebbau aufhörte. Im Jahre 1914 verschwand das letzte Stück Rebland, das sich im Krähenberg befand.“
Nach 1914 Die Grenchner Rebberge befanden sich ausnahmslos in sonnigen und aussichtsreichen Lagen wie Schönegg / Rebgasse, Traubenweg / Weinbergstrasse, Neue Zelg, Gespermoosstrasse / Bergstrasse / Grubenweg. So setzte kurz nach dem Roden der Rebberge deren Überbauung mit Wohnhäusern ein. Die Bauaktivität erreichte in den Fünfziger- und Sechziger Jahren, also während der Hochkonjunktur der Uhrenindustrie, ihren Höhepunkt. Heute ist das ehemalige Rebgelände mit Ausnahme der Neuen Zelg weitgehend überbaut und bietet vielen Grenchnerinnen und Grenchnern ein sonniges Zuhause mit prächtiger Aussicht auf die Aareebene, den Bucheggberg und die Alpen.

Stellenwert des Weins[Bearbeiten]

Wirtschaften mit dem Grenchner Wein[Bearbeiten]

Rebareal Hohe Reben (Schönegg/Rebgasse), wo auch die 2 Jucharten Reben (Pfrundreben) des Pfarrers gedeihten. Das Bild entstand ca. 1912 während des Tunnelbaus. Stützmauern und Parzellierung erinnern noch an den vor einigen Jahren eingestellten Weinbau.

Der Weinbaubetrieb war bis ins 19. Jahrhundert ein Zweig der Landwirtschaft, der selbst in durchschnittlichen Erntejahren mit kleinen Grundstücken eine hohe Wertschöpfung erlaubte. Diese Tatsache und die Beliebtheit des Weines sorgten dafür, dass sich die Rebfläche der Schweiz laufend vergrösserte. Häufig entstanden Weinberge an klimatisch ungünstigen Lagen und nicht selten traf man Reben an auf über 1000 m ü.M.

Es ist anzunehmen, dass die Grenchner Weinbauern mit ihren Weinen keinen grossen Reichtum scheffeln konnten. Was nicht an Zehnten der Herrschaft abgeliefert werden musste, diente dem Eigenbedarf des Besitzers. Die Bauern betrieben den Weinbau als Teil ihrer Landwirtschaft. So fand man in Grenchen keine eigentlichen Weinbauern. Neben den Bauern gab es wohlhabende Bürger, Wirte oder Gewerbetreibende mit eigenen Rebbergen. Meistens waren weinbaukundige Bauern beauftragt, diese Rebberge zu pflegen und den Wein für die Besitzer zu keltern.

Gewiss konnte in guten Jahren ein Teil der Ernte an Wirte in der näheren Umgebung oder an andere Abnehmer verkauft werden. Vermutlich kamen die Grenchner Weine kaum viel weiter als bis nach Solothurn, weniger im Verkauf sondern viel mehr als Zehntenabgabe. Der Markt für den Grenchner Wein war eng, geeignete Transportmittel fehlten. Man darf durchaus festhalten, dass der Grenchner Wein nie eigentliche Marktfähigkeit erlangte. Mit dem zunehmend dichter werdenden Schienennetz der Eisenbahn verbesserte sich die Verkehrslage, nicht zu Gunsten der Grenchner Weinbauern, sondern viel mehr zu Gunsten der Weinhändler. Sie wussten die mächtige Transportkapazität der Eisenbahn für die Weinimporte zu nutzen.

Eine sehr wichtige Rolle spielte der Weinbau für Grenchens Pfarrherren. Der Ertrag aus den etwa 2 Jucharten Pfrundreben am Abhang der Schönegg war ein erheblicher Bestandteil der Einkünfte des jeweiligen Grenchner Pfarrers. Im Pfarrhof befand sich eine Trotte, die in guten Weinjahren einige Zeit in Betrieb war. Zum pfarrherrlichen Tropfen überliefert die Geschichte etliche Episoden mit der Obrigkeit. Meistens ging es darum, ob der Pfarrer Wein ausschenken dürfe oder nicht.

Rebareal Hohe Reben (Schönegg/Rebgasse), wo auch die 2 Jucharten Reben (Pfrundreben) des Pfarrers gedeihten.

Nach 1880 verschlechterte sich die Lage der schweizerischen Rebbauern ganz allgemein. Betroffen waren auch die Grenchner Rebbauern. Etwa 1885 begann die schweizerische Rebbaukrise, die bis 1930 dauern sollte. Neben anderen Krisenursachen wirkten sich auch die Ertragsschwankungen im Weinbau negativ aus. Bei guten Ernten fiel der Weinpreis stark und bei geringeren Ernteerträgen stiegen die Preise nicht entsprechend an. Die Roherträge blieben unter dem Produktionskostenniveau.

Wein, mehr als ein Lebensmittel[Bearbeiten]

Rebmann um 1564.

In den vergangenen Jahrhunderten setzte sich die Volksernähung ganz anders zusammen als heute. Zu den Hauptnahrungsmitteln gehörten Hafer- oder Gersten-mus, Brot, Käse, Ziger, Bohnen, Erbsen, Linsen. Daneben hatten Obst und weitere Gemüse ihre Bedeutung. In den Haushaltungen standen der Mehlsack und der Schnitztrog (Dörrfrüchte). Geräuchertes Schweinefleisch fehlte nur auf den Speisezetteln der Ärmsten. Rindfleisch und Schaffleisch besorgte man sich beim Metzger. In den ländlichen Gegenden bildeten Milch und Milchprodukte den Ernährungsschwerpunkt.

Schon früh spielte der Wein als Getränk und Lebensmittel eine wichtige Rolle im Alltag. Heute können wir uns die täglich konsumierten Mengen kaum mehr vorstellen. Schriftliche Zeugnisse berichten, dass 1471 im Kloster Interlaken jeder Nonne jährlich 200 Mass Wein zustanden. Das waren rund 320 Liter pro Jahr und Nonne. Soldaten konnten mit täglichen Rationen von etwa 3 Litern rechnen. Selbst in den Spitälern und Armenanstalten floss der Rebensaft in grosszügigen Mengen. In den Spitälern verabreichte man den Patienten üppige Tagesrationen (täglich bis zwei Liter) gegen Schmerzen und für das seelische Wohlbefinden. Der hohe Stellenwert des Weines in den religiösen Riten, in der biblischen Überlieferung, im Brauchtum und in der Geselligkeit bedarf keiner besonderen Erwähnung. Der Weinbau und sein Produkt liessen eine eigene, reiche Kultur entstehen und sind wichtige Kulturträger geblieben.

Der Wein war spätestens seit dem 18. Jahrhundert für die breite Bevölkerung erschwinglich und erfreute sich grösster Beliebtheit. Gab es doch zum Rebensaft kaum Alternativen ausser Wasser und Milch. Bier, Limonaden, Kaffee und Tee verbreiteten sich erst im 19. Jahrhundert.

Diese Verbrauchszahlen und Trinkgewohnheiten belegen die herausragende wirtschaftliche Position des Weines in den vergangenen Jahrhunderten. Der Wein schaffte Verdienst und Arbeit. Zehntherren, Rebbergbesitzer, Rebbauern, Rebleute, Weinhändler, Fuhrleute, Weinschiffer, Wirte fanden mit dem Rebensaft ihr Auskommen. In den aufblühenden Städten entstanden Zünfte der Rebleute. In den Kriegen der Eidgenossen mass man der Erbeutung von Wein hohen Stellenwert bei. Alles Tatsachen, welche die Bedeutung des Weines im gesellschaftlichen und politischen Leben unterstreichen.

Vom Alkoholproblem im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Albert Anker: Der Trinker.
Pro-Kopf-Verbrauch alkoholischer Getränke (Liter) 1880-1922, ein Spiegelbild des Alkoholproblems um die Jahrhundertwende.

Die Arbeitssituation im 19. Jahrhundert war in der Heim- und Fabrikarbeit geprägt von tiefen Löhnen, langen Arbeitszeiten, Frauen- und Kinderarbeit, aber auch von Arbeitslosigkeit. Noch 1882 waren von 100 Arbeitern in der gesamten Industrie 46 Frauen und 14 Jugendliche. Die Arbeitszeiten waren extrem hoch und die Arbeit monoton, so dass viele Arbeiter und Arbeiterinnen diese ohne ein gewisses Quantum Schnaps wohl kaum ausgehalten hätten. So wurde der Alkoholkonsum am Arbeitsplatz von den Arbeitgebern nicht nur geduldet, sondern in der Hoffnung auf eine grössere Produktivität gar gefördert. Auch in der verarmenden Klein- und Halbbauernschaft nahm der Konsum von Schnaps drastisch zu und wurde oft als Ergänzung zur ungenügenden Ernährung eingesetzt. Auch Grenchen mit seiner aufblühenden Uhrenindustrie kannte diese traurigen Probleme.

Die Verarmung der Unterschicht wurde akzentuiert durch eine Verdoppelung der Schweizer Bevölkerung zwischen 1800 und 1910, die zu einem Wachstum im Angebot an Arbeitskräften führte, das nicht aufgefangen werden konnte und seinerseits zu einer Verschlechterung der Lohnsituation führte.

Auf politischer Seite war ein wesentlicher Grund für die Schnapswelle die Totalliberalisierung der Volkswirtschaft durch die 1874 in Kraft getretene Bundesverfassung, in der Bedürfnisklauseln, insbesondere für Gastwirtschaften und Alkoholausschankstellen, abgeschafft wurden. Das führte innert kurzer Zeit zu einem raschen Anstieg der Zahl der Wirtshäuser und Kleinverkaufsstellen für Alkohol.

Heute geht man davon aus, dass 10% der AlkoholverbraucherInnen mehr als 50% des Gesamtverbrauchs konsumieren.

In einem Gutachten zur Kunstweinproblematik zuhanden des Schaffhauser Regierungsrats aus dem Jahr 1875 heisst es: «Ohne Wein ist es bei uns nicht möglich, Dienstboten oder Arbeitsleute zu haben. Sogar in den Armenhäusern wird den Bewohnern ziemlich regelmässig, wenn auch nicht viel, Wein verabreicht, ja noch mehr, selbst die Sträflinge im Zuchthaus erhalten von Zeit zu Zeit ihren Schoppen.»

In seiner Äusserung (vermutlich 1836) über Karl Mathy berichtet Giovanni Ruffini auch über das Trinkverhalten der Grenchner: «Ausserdem, dass er Protestant war und sich mit einer Sache befasste, die in ihren (der Grenchner) Augen keinen Wert hatte, so hatte Karl Mathy noch ein drittes Hindernis zu besiegen, woran er nie gedacht, bis der Doktor ihn darauf aufmerksam machte. Karl Mathy liebte den Wein nicht, trank fast nur Wasser. "Und", fügte der Doktor hinzu, "so lange Sie nicht ein paar Flaschen trinken können, ohne zu wanken, so lange dürfen Sie nie hoffen, diese Kerle zu bereden. Sie kennen keinen Beweis männlicher Kraft, als das Mass starker Getränke, das einer vertragen kann". »

Recht bedenkenlos zog man auch die Jugend in das Trinken hinein. In seiner Grenchner Geschichte „Von Drogen- und anderen Problemen an der Schule“ erzählt Rainer W. Walter von der Einweihung des Schulhauses I in Grenchen. Das war im Jahre 1846: „Bevor man sich zur Einweihung des Schulhauses treffen konnte, diskutierte der Gemeinderat intensiv darüber, ob den Schulkindern bereits Wein ausgeschenkt werden dürfe oder nicht. Nach heftigen Debatten einigte man sich darauf, dass man ihnen 30 Mass Wein (etwa 50 Liter) und Brot verabreichen wolle. Es muss beigefügt werden, dass die drei Klassen zusammen 217 Schülerinnen und Schüler zählten(!), die sich in die gut 50 Liter Wein teilen konnten, womit jedem Kind etwa ein Dreier zugemessen wurde. Damit wird erstmals in der Geschichte der Stadt deutlich, dass es offenbar zur Tagesordnung gehörte, dass vor rund 150 Jahren die Kinder Wein tranken.“

Anlässlich der ersten Grenchner Ferienkolonie 1905 auf dem Obergrenchenberg ereifert sich Lehrer Albin Stebler sehr zu Recht über die Verabreichung alkoholischer Getränke an die Kinder: „Ja, leider kommt es vor, dass Eltern ihren Kindern alkoholhaltige Getränke geben, die sie oft um teures Geld ankaufen. Aber um dasselbe Geld einige Liter Milch mehr kaufen, nein, das wäre Verschwendung.“

Strub schreibt über den Grenchner Wein: „Das Eigengewächs, obschon sauer, hatte das Gute, dass für das Getränk keine Ausgaben notwendig waren; zudem trank man in den Bauernhäusern keinen Branntwein oder dann nur etwas Obstbranntwein. Der Schnaps wurde erst mit dem Brennen des Kartoffelbranntweins zum verderblichen Gemeingut."

Saurer Wein und alte Rebsorten[Bearbeiten]

Der saure Grenchner, war er der einzige?[Bearbeiten]

Der Wein, den man früher in Grenchen kelterte, hatte den weit verbreiteten Ruf, äusserst sauer zu schmecken. Hohn und Spott blieben nicht aus. Heute noch zirkulieren in der Region Anekdoten über den alten sauren Grenchner.

Doch man weiss, dass der Wein, der in jener Zeit im Mittelland wuchs, allgemein recht sauer war und deshalb vor dem Genuss nach Belieben mit Honig (später mit Zucker) und Gewürzen angereichert wurde. Erst mit dieser Behandlung erreichte der Wein seine lieblichen Eigenschaften. Im Vergleich mit den importierten Weinen aus dem Süden, die ohne weitere Zusatzbehandlungen zu trinken waren, fielen die einheimischen Gewächse stark ab.

Auffallend ist die Tatsache, dass viele Anekdoten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. In einer Zeit also, wo sich der Grenchner Weinbau bereits im Niedergang befand. Die Vermutung liegt nahe, dass sich mit der allmählichen und nach 1891 spürbar beschleunigten Aufgabe der Grenchner Rebberge und des Weinbaus eine gewisse Resignation breit machte, die sich auch in Form von Anekdoten äusserte. Man rechtfertigte die Aufgabe des Weinbaus mit Witz und Humor, die Rebbauern hatten nicht mehr viel zu verlieren.

Arbeit in den Grenchner Rebbergen[Bearbeiten]

Träger eines Halskorbs. Zeichnung von José Mercier.

Viel Geschick war für das Schneiden der Reben notwendig. Der Mist wurde mit Halskörben in die Rebberge getragen. Diese mit Weiden geflochtenen Körbe endigten unten mit einer Stange. War der Träger müde, so setzte er die Stange auf den Boden auf. Auch die herabgeschwemmte Erde trug man wieder hinauf oder es wurde hiezu die Lime gebraucht, ein Rad, an dem ein langes Seil läuft. Das eine Ende war mit einem Kippkarren verbunden, an das andere wurde ein Rind gespannt oder aber es zogen einige Jünglinge daran. Mit dem Leset waren kleine Feste verbunden. Es standen zur Zeit in der Gemeinde vier Trotten.

Ums Jahr 1857 waren die Grenchner noch stolz auf ihre Reben. Was war das für eine Freude im Weinmonat, wenn es ans Lesen ging! Die jungen Grenchner der alten Zeit konnten auch schön jodeln und jauchzen und von den Reben her hörte man schon früh morgens die fröhlichen Stimmen der Winzer. Und wenn dann das letzte Fuder Trauben heimgeführt wurde, trug die Hausfrau oder wohl auch die hübsche Tochter einen vollen Rebstock in der Hand wie einen „Meie“. Nach dem „Leset“ gehörten die Weinberge den Kindern. Sie gingen „Rappen“, das heisst, sie durften die vergessenen Trauben einsammeln. So berichtet uns Werner Strub über Arbeit und Bräuche in den Grenchner Weinbergen.

Franz Josef Schild, der Grossätti us em Leberberg, überliefert uns in seinem zwischen 1856 und 1860 entstandenen Gedicht "Grenchebuurs Herbstbitrachtige" (19 vierzeilige Strophen) eine Menge Nachrichten über den Grenchner Weinbau und die Bräuche im Dorf Grenchen. Schon in den ersten zwei Strophen erzählt er, dass die Landwirte den Weinbau als Teil ihrer Landwirtschaft betrieben. In Grenchen fand man keine eigentlichen Weinbauern. Neben den Bauern gab es Einwohner, Wirte oder Gewerbetreibende mit eigenen Rebbergen. Meistens waren weinbaukundige Bauern beauftragt, diese Rebberge zu pflegen und den Wein für die Besitzer zu keltern. Als Entschädigung hatten die als Rebleute arbeitenden Bauern Anspruch auf einen Teil der Ernte oder auf eine Barentlohnung ihrer Arbeit. Zur Mithilfe in den Reben stellten die Bauern Taglöhner oder Kleinstbauern (Tauner) ein. Doch mit dem Aufkommen der Uhrenindustrie standen diese Hilfskräfte nicht mehr zur Verfügung. Sie fanden ein regelmässiges und besseres Auskommen als Uhrenarbeiter.

In der dritten Strophe berichtet Schild, dass gar nicht jedes Jahr eine Weinernte eingefahren werden konnte. Schild spricht sogar von mehreren Fehljahren in Folge:

Mr hei scho mängs Johr nüt meh gläse, Hei 's Wygschirr uff dr Schöpfi gloh Und d'Züber, d'Bränte loh verlächne, Und d'Fässer gar vergraue no.

Aus einer Strophe vernehmen wir, dass der Grenchner Wein oft schon im Frühjahr zur Neige ging:

Do geit me goge d'Fässer helte, Wo alli uff dr Truese sy, Und schänkt de no zum Fasnechtgrümpel Die allerletschte Schoppen y.

Im Gedicht stossen wir auf Wörter, die aus der heutigen Grenchner Mundart verschwunden sind, so zum Beispiel: Räbesoome, das war der Wein, der während des Schneidens der Reben getrunken wurde oder Räbwärch, darunter verstand man den Weinberg. Es Tränli Wy, war gleichzustellen mit einem Tröpfchen (Träne) Wein, unter Abbräng verstand man Speiseresten, An- oder Abschnitte. Fasnacht war die Zeit der Maschgrate und Harligingge, der Masken und Harlekine.

Der Alkoholgehalt des Weins in alter Zeit[Bearbeiten]

Der Alkoholgehalt des Weines war in früheren Jahrhunderten um etliche Volumenprozente niedriger, als wir es heute gewöhnt sind. Flaschen vom Bielersee, die man vor einigen Jahren geöffnet hatte und die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen mussten, enthielten Wein mit lediglich acht Prozent Alkohol. Hans Rudolf Schinz berichtet in seinen «Beiträgen zur näheren Kenntniss des Schweizerlandes», im Mendrisiotto habe der Wein im Jahr 1779 etwa 5,5 Alkolholgrade besessen. Solche Werte dürften auch für das Mittelalter gegolten haben.

Die geschichtlichen Werte entsprechen etwa dem Alkoholgehalt eines heutigen Starkbiers. Die heutigen Weine kommen mit einem Alkoholgehalt von 11-13% Vol. im Weisswein und 12-14% Vol. im Rotwein auf den Markt.

Alte Traubensorten[Bearbeiten]

Text von Heidi Lüdi, Konservatorin, Rebbau-Museum am Bielersee "Hof", Ligerz

Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts haben sich Rebsorten im modernen Rebbau eingebürgert, während man im Mittelalter und weit darüber hinaus nur von Trauben und Traubensorten sprach. Erste Traubennamen sind schon im 11. Jahrhundert entstanden. Damals unterschied man noch nicht einzelne Sorten, sondern nur verschiedene Traubengruppen mit gleichen Merkmalen. Die wichtigsten Kriterien für die Benennung und Einteilung der mittelalterlichen Traubensorten waren:

  • die Beerenfarbe (weisse, rote, schwarze),
  • die Reife (früh-, spätreifende) und
  • die Herkunft (fränkisch, hunnisch, burgundisch).

Daneben waren auch Grösse und Form der Trauben, auffallende Form der Blätter, spezielles Aroma oder Farbe des Rebholzes für die Bezeichnung massgebend. Erstmals unterschied Hieronymus Bock (1498-1554) in seinem 1539 veröffentlichten Kreütterbuch 12 Traubensorten mit ihren deutschen Namen. Er unterschied diese sogar als Zame Weinreben von den Wild Weinreben. Die Sortenauswahl war im Mittelalter in der Deutschschweiz nicht besonders so gross. Bei den weissen Sorten waren fast überall Elbling, Räuschling, weisser Heunisch und seltener noch Chasselas anzutreffen, für rote Weine wurde ausschliesslich Blauburgunder angebaut.

Weisse Sorten[Bearbeiten]

Weisser Elbling, war vermutlich auch in Grenchen verbreitet.

Im Mittelalter war in unseren Breitengraden die reichtragende Weissweinsorte Elbling die am häufigsten angebaute Traube. Elber lässt sich in Oberhofen am Thunersee seit dem 12. Jh. nachweisen. Auch am Bielersee wurde er unter den Sortennamen Elsasser/Elsässer angebaut. Für den Eigengebrauch falle der gewöhnliche Elsisser noch immer stark in Betracht, schrieb Emanuel Friedli 1922 in seinem Twann-Buch. Nachgewiesen ist diese Sorte auch in den Kantonen Aargau, Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Schwyz und St. Gallen.

Nachweislich seit dem Mittelalter wurde aber nicht nur in der französischen sondern auch in der deutschen Schweiz Chasselas unter dem Namen Edeldraube/Gut Lauter/Gutedel angebaut. Zum Teil wurde er auch Klepfer oder Sprützer genannt. Fast ausgestorben ist die alte, ehemals weitverbreitete Traubensorte Heunisch. Diese ebenfalls weisse Traube wurde im 19. Jh. wegen mangelnder Qualität praktisch überall ersetzt. Hingegen erfreute sich der Räuschling in der Schweiz, insbesondere am Zürichsee bis ins 20. Jh. immer noch grosser Beliebtheit. An anderen Orten wurde er durch den Riesling-Sylvaner verdrängt.

Rote Sorten[Bearbeiten]

Blauburgunder / Pinot Noir.

Unter den roten Trauben war sehr früh der Blauburgunder mit vielen Spielarten bekannt. Als Klebroth, Klävner, Clevner, Pinoz oder unter dem französischen Synonym Savagnin noir ist er seit dem Mittelalter in der Schweiz weitverbreitet. Andere Rotweinsorten wurden nur sehr lokal angebaut und fanden keine grössere Verbreitung.

Das Jahr des Winzers / Das Jahr der Rebe[Bearbeiten]

Monat Das Jahr des Winzers Das Jahr der Rebe
Februar
  • Das Schneiden der Reben
  • Winterruhe
März
  • Das Anbinden der Tragruten
  • Das Düngen der Reben
  • Der Rückstau im Bogen
  • Die Rebe weint
April
  • Frostschutzmassnahmen
  • Anlegen von Neuanlagen
  • Die Schädlingsbekämpfung
  • Austrieb
  • Einsetzen des Stoffwechsels durch die Blätter
  • Schädlinge
Mai
  • Das Erlesen der Triebe
  • Bodenpflege
  • Schädlingsbekämpfung
  • Das Wachstum der Triebe
  • Pilzkrankheiten
Juni
  • Die Laubarbeit
  • Schädlingsbekämpfung
  • Bodenpflege
  • Die Rebblust
  • Das Verrieseln der Gescheine
  • Starker Wachstum der Triebe
Juli
  • Einkürzen der Triebe
  • Hagelschutz
  • Schädlingsbekämpfung
  • Laubarbeit
  • Bodenpflege
  • Nährstoffmangel
  • Starker Wachstum der Triebe
August
  • Schädlingsbekämpfung
  • Laubarbeit
  • Bodenpflege
  • Die Reifung der Früchte
  • Die Färbung der Traube
September
  • Traubenschutz
  • Vorbereitungen für die Ernte
  • Die Verholzung der Triebe
  • Reifung der Früchte
  • Färbung der Trauben und der Blätter
Oktober
  • Traubenernte
  • Fäulnisse
  • Reifung der Früchte*
  • Verfärbung der Blätter
November
  • Entfernung der Altanlagen
  • Abfallen der Blätter
  • Eintritt in die Winterruhe

Klimatische Anforderungen für den heutigen Weinbau[Bearbeiten]

Im Mittelland findet man in Höhen von über 700 m ü.M. kaum mehr Reben. Um gut zu gedeihen, benötigt die Rebe einen jährlichen Temperaturdurchschnitt zwischen 9°C und 16°C. Die Sonne sollte jährlich 1500 bis 1600 Stunden scheinen, um auch den Boden warm zu halten. In Regionen, die stark von Hochnebel betroffen sind, ist die Rebe kaum anzutreffen, weil die Wolken die Besonnung beeinträchtigen. Dagegen sind Regionen mit Bodennebel im Spätsommer und im Herbst günstig für die Reben. Der Bodennebel verhindert den Frost und versorgt in trockenen Zeiten die Pflanzen mit der nötigen Feuchtigkeit. Im Vergleich mit den genannten Faktoren spielt der Regen nur eine kleinere Rolle. In zu trockenen Regionen wird die Edelrebe künstlich bewässert. Bei zu viel Regen im Sommer und Herbst können jedoch Krankheiten wie Pilze und Fäulnis auftreten. Günstig sind Trockenperioden im Sommer und Herbst. Dazu verhilft vielerorts der Föhn, der die erwünschte trockene und warme Luft mitbringt.

Geographie[Bearbeiten]

Historische Rebbaugeographie der Region[Bearbeiten]

Vom Bielersee zog sich das Rebgelände über Lengnau bis nach Grenchen hinunter, wo von alters her ein Tropfen Eigengewächs gedieh. So beschreibt Werner Strub den Rebbau dem Jura entlang bis Grenchen. In der Tat weist der Siegfried Atlas 1876 eine zusammen hängende Rebfläche vom Bielersee bis an den östlichen Abhang der Taubenloch-Klus (Neurebenfluh und Hinterriedreben) in Bözingen nach.

Weiter in Richtung Grenchen befanden sich zwei Rebberge beim Schlössli in Pieterlen-Wildermett und weitere Reben in Lengnau in den Räbe (Alpenblick) und beim heutigen Rainweg. Schliesslich folgt das ausgedehnte Rebgelände in Grenchen. Grenchen bildete so etwas wie eine Rebbaugrenze. Denn östlich von Grenchen sucht man in der Region vergebens weitere Anbaugebiete. Flurnamen im Leberberg deuten in ein paar Gemeinden Reben an, doch es handelte sich ausschliesslich um kleinere Pflanzungen. Eine Ausnahme bildeten die Reben der Franziskaner in Solothurn. Die Franziskaner besassen mehrere Jucharten Reben in Riedholz. Die Franziskaner-Rebberge verschwanden im Laufe des 17. Jahrhunderts in Folge von Missernten und Klima-verschlechterung. In seiner Schrift "Kurze Beschreibung des Kantons Solothurn" nennt Bernhard Wyss im Jahr 1880 folgende Orte im Kanton, wo man Reben anbaute: „Im Leimenthal, bei Dorneck, Büren, Erlinsbach und Grenchen gedeiht der Weinstock und wird der Weinbau mit Vorliebe betrieben.“

Wo lagen die Grenchner Rebberge[Bearbeiten]

Werner Strub berichtet:

"Grenchen hatte vor Zeiten viele Reben. Da haben wir die Büelireben am Abhang nördlich des Friedhofes, die Katzenreben zwischen der Alpenstrasse und der Rebgasse, die Ribireben beim heutigen Rebstock, die Mühlereben zwischen der Schild-Hugi-Strasse und dem Höhenweg, die hohen Reben am Rain südlich der Schönegg, die Krähenbergreben nördlich der Weinbergstrasse, die unteren Neureben zwischen der Haldenstrasse und der Bergstrasse, die oberen Neureben zwischen der Bergstrasse und dem Grubenweg und die Neuenzelgreben nördlich des Zelgweges."

Die Ribireben an der Ecke Mühlestrasse-Schmelzistrasse, die Mühlereben, die Unteren Neureben und die Katzenreben wurden vermutlich zwischen 1815 und 1830 aufgegeben. Zudem verschwand in diesen Jahren ein weiterer Rebberg, die Bachtalenreben, an der Dählenstrasse-Allerheiligenstrasse. Auch das wohl grösste Rebareal Grenchens, die Neureben (Gespermoos / Grubenweg), wurde vermutlich in diesen Jahren bis auf einen kleinen Rest entstockt. Auf den Karten der zehntpflichtigen Güter des Stifts St. Ursen ist die ursprüngliche, erstaunlich grosse Anbaufläche der Neureben festgehalten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Grenchen noch folgende Weinberge und Rebareale, gut 9 ha umfassend:

  • Die Höhreben (die hohen Reben) mit den 2 Jucharten Pfrundreben am Abhang der Schönegg bis zur Rebgasse
  • Die Oberen Neureben Bergstrasse / Grubenweg
  • Die Reben am Krähenberg nördlich der Weinbergstrasse
  • Die Reben in der Neuen Zelg
  • Ein kleiner Rebberg nordwestlich des Bachtelenbades (Alt Neu Zelg Reben)
  • Die Büelireben beim heutigen Friedhof

Von den 321 Jucharten Weinbergen des Kantons Solothurn lagen ums Jahr 1830 nicht weniger als 30 Jucharten (ca. 11 ha) in Grenchen, also fast 10% der Rebfläche des Kantons. Im Jahre 1891 findet man in Grenchen noch immer eine Rebfläche von etwa 9 ha. Grob unterteilt standen die Reben in den folgenden Gebieten:

  • Bachtelengebiet / Neue Zelg
  • Krähenberg (Promenadenweg / Weinbergstrasse)
  • Gespermoos /Bergstrasse / Grubenweg
  • Schönegg / Rebgasse

Zehntenloskauf Neue Zelg[Bearbeiten]

Im Zuge der Regeneration[2] im Jahre 1830 und den folgenden Jahren als hauptsächlich die Landbevölkerung des Kantons auf ihre Rechte und auf eine angemessene Vertretung in Parlament und Regierung pochte, nahm auch der Druck zu, Zehnten und Bodenzinse durch Loskäufe endgültig abzuschaffen. Auf den Druck der Bevölkerung erhielt der Kanton Solothurn 1830 die erste ansatzweise freiheitliche Verfassung.

Die Abschaffung des Zehntenwesens war bereits in der Helvetik[3] (1798) verfassungsmässig vorgesehen. In der Ausstellung zum Grenchner Weinbau liegt ein Originaldokument (1834) aus den Beständen der Heimatsammlung von Hans Kohler auf, das die Bereitschaft der Rebenbesitzer des Weinbergs in der Unteren Neuen Zelg bezeugt, sich von den Zehnten des St. Ursenstifts in Solothurn los zu kaufen. Als Berechnungsgrundlage der Loskaufssummen diente meistens der Durchschnittswert des Zehntertrages der letzten Jahre multipliziert mit 15 bis 25. Unter den Rebenbesitzern finden wir auch Josef Girard, Gründer des Bachtelenbades.

Das Dokument ist für die Geschichte Grenchens auch deshalb interessant, weil es eine Momentaufnahme (1834) der Rebenbesitzer in der Neuen Zelg wiedergibt. Verzeichnet sind bekannte Grenchner Namen wie Girard, Wullimann, Vogt, Feremutsch, Stüdi, Stüdeli, von Burg, Gast, Wälti, Schwarzentrub, Obrecht, Schürer, Helbling. Neben den Namen ist jeweils die Grundbuch-Nummer des Grundstücks und dessen Fläche verzeichnet. Als Flächenmass wird ein kaum mehr bekanntes Mass angewendet, nämlich "Stück". Erste Abklärungen haben ergeben, dass ein "Stück" Reben vermutlich etwa 22a - 24a umfasst. Die Rekonstruktion des Flächenmasses konnte nur sehr ungenau vorgenommen werden.

Es handelt sich beim vorliegenden Dokument[4] um eine Absichtserklärung, in der erst die Besitzer und die Fläche ihrer Rebberge aufgelistet werden. Von der Loskaufssumme ist noch nicht die Rede. Unter den Rebenbesitzern in der Neuen Zelg gab es einige, die vom Loskauf absehen wollten, dies wohl aus finanziellen Gründen. Oft übernahmen die Loskaufswilligen die Loskäufe der "Unwilligen", worauf die Loskaufswilligen zinsberechtigt wurden. Wie der Handel mit dem Loskauf ausging und welche Loskaufssummen zu begleichen waren, ist bis heute unerforscht geblieben.

Der Loskauf[5] der Rebenbesitzer in der Unteren Neuen Zelg ist nicht als Einzelfall zu werten, sondern als Teil der Freiheitsbewegung, die sich in diesen Jahren mit grosser Kraft durchzusetzen begann und mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 und der ersten wirklich freiheitlichen Kantonsverfassung von 1856 ihr Ziel finden sollte.

Freiheitsfahne der Grenchner Liberalen[Bearbeiten]

Freiheitsfahne der Grenchner Liberalen

Die gut erhaltene Fahne aus dem Jahre 1830 mit dem Grenchner Wappen auf weissem Grund, den Trauben und dem Spruch "Vo Gränchä bi Gott" geht auf die Regenerationsbewegung von 1830 zurück. Ob die Grenchner Delegation schon unter dieser Fahne an die grosse Volksversammlung von 1830 nach Balsthal marschierte, ist nicht nachgewiesen aber durchaus möglich. Sicher ist jedoch, dass die Fahne in diesen unruhigen Zeiten für die Grenchner eine grosse Bedeutung hatte und ein Identifikationsobjekt darstellte. Adolf Gschwind berichtet in den Erinnerungen eines ETA-Arbeiters, wie die Fahne noch im späten 19. Jahrhundert bei Grenchner Festanlässen hervor geholt und von seinem Grossvater im Festzug getragen wurde. Die Fahne ist im Kultur-Historischen Museum Grenchen ausgestellt.

Niedergang im 19. Jh.[Bearbeiten]

Rebbaukrise in der Schweiz 1885-1930[Bearbeiten]

Warum ging der Weinbau in Grenchen ein? Mit der Einführung der Industrie verlor die Landwirtschaft Arbeitskräfte. Die Reben verlangten aber exakte und geübte Arbeiter, die nicht mehr vorhanden oder zu teuer waren. Die Reben wurden in der Folge nur noch nachlässig bearbeitet, was den Ertrag schmälerte. Dazu gesellten sich verschiedene Rebkrankheiten, namentlich der falsche Mehltau, so dass man den Bestand an Stöcken nicht mehr verjüngte. Ferner wurden, gleichsam als Pünktchen auf dem I, billige italienische und spanische Weine eingeführt, die zudem den Vorteil besassen, den Weinliebhabern besser zu schmecken, als der einheimische „Grenchner“ so dass in verhältnismässig kurzer Zeit der Rebbau aufhörte.

Gesamtschweizerisch spricht man von einer Rebbaukrise, die etwa 1885 einsetzte und erst nach 1930 aufgefangen werden konnte. Die Einstellung des Rebbaus in Grenchen ist im Zusammenhang mit der Rebbaukrise zu sehen.

Bei Beginn der Krise hatte der schweizerische Rebbau mit 34'380 ha (1884) seine grösste Ausdehnung erreicht. Die nächsten bekannten Zahlen lassen den Einbruch der Rebbaufläche deutlich erkennen: 1894 waren es 31'553 ha, 1901 noch 30'112 ha und im Jahre 1930 waren noch 12'974 ha übrig. Besonders krass fiel der Einbruch für die Kantone Baselland, Solothurn, Aargau, Thurgau und Zürich aus. Die Rebfläche dieser Kantone betrug 1968 weniger als 10 % der Rebfläche des Jahres 1851.

1830 waren in Grenchen 10.8 ha mit Reben bestockt, rund 10 % der damaligen Rebfläche des Kantons Solothurn. Im Jahre 1866 waren es noch immer 9 ha. Vermutlich blieb diese Fläche bis zu den ertragsreichen Jahren 1874/1876 ziemlich konstant oder war nur leicht rückläufig. Der grosse Einbruch erfolgte erst zwischen 1891 bis 1902. Diese Entwicklung überliefert die Siegfriedkarte 1:25000, Blatt Grenchen, mit grosser Deutlichkeit. Auf der Karte von 1902 finden wir noch einen winzigen Rebberg am westlichen Krähenberg eingezeichnet, während die Siegfriedkarte Ausgabe 1910 in Grenchen keine Reben mehr nachweist. Werner Strub schreibt zwar, dass die letzten Reben 1914 aufgegeben wurden. Sie befanden sich am Krähenberg.

Aufgrund klimatischer Bedingungen im frühen 19. Jahrhundert, zwischen 1800 und 1830, fand vermutlich schon ein erster grosser Einbruch des Grenchner Weinbaus statt. Trockenheit und Kälte in den frühen Jahrzehnten des 19. Jahrunderts veranlassten offenbar viele Rebbesitzer ihre Weinberge zu entstocken. In den Jahren 1816/1817 suchte zudem eine grosse, hauptsächlich klimatisch bedingte Hungersnot die Schweiz heim.

Wie die alten Zehntpläne des St. Ursenstifts nachweisen, fand man in Grenchen ca. 1815 noch grosse zusammenhändende und einige kleinere Rebareale. Vor allem die Neureben im Gebiet Gespermoos – Grubenweg hatten, wie der Zehntplan zeigt, ein stolzes Ausmass und waren wohl in Grenchen das grösste zusammenhängende Rebareal.

In diesen frühen, von Missernten begleiteten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gaben wohl die Grenchner die kleinen Areale auf, so die Bachtalen-Reben, die Ribireben, die Mühlireben und die Katzenreben. Das grosse Areal der Neureben im Gespermoos wurde stark verkleinert bis auf den bescheidenen Rest, den die Siegfriedkarten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nachweisen.

Es sind immer wieder die gleichen Gründe, die für den Niedergang des Rebbaus angegeben werden: Missernten, Ausbreitung von Schädlingen (Reblaus, spielte in Grenchen keine Rolle mehr) und Krankheiten (der falsche Mehltau richtete in Grenchen grosse Schäden an), Erstarkung der ausländischen Konkurrenz durch den Eisenbahnbau (Weinimporte), Steigerung der Produktionskosten (Arbeitskraft), Industrialisierung, Aenderung der Trinkgewohnheiten, Abzug der Arbeitskräfte durch die aufkommende Industrie, Innerbetriebliche Konkurrenz durch die Landwirtschaft, Abzug von Dünger für die Landwirtschaft.

Klima im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zehnjährige Mittel von Temperatur und Niederschlag in den Jahreszeiten, ca. 1550-1980.

Die Auszüge aus dem Klimaatlas der Schweiz führen das 19. Jahrhundert als eine kühle Periode vor mit variierender Niederschlaghäufigkeit. Christian Pfister beschreibt das Klima des 19. Jahrhunderts wie folgt: „Kälte ist das hervorstechendste Merkmal der Periode 1800-1860. Dies gilt für alle Jahreszeiten, 1810-1819 besonders für den Sommer, 1850-1859 für das Frühjahr. Der überwiegenden Trockenheit in den ersten beiden Dezennien 1800-1820 entspricht eine Feuchtperiode von 1840-1863 (mit Ausnahme der Winter). Die kalten Sommer von 1812-1817 vermitteln den Impuls für weitreichende Gletscher-vorstösse. Der zweieinhalb Jahrzehnte lang anhaltende rasche Rückschmelzprozess (1855-1880) am Ende der „Kleinen Eiszeit“ geht mit der geringeren Häufigkeit und Ergiebigkeit der sommerlichen Schneefälle und einer geringeren winterlichen Schnee-Akkumulation einher.“

Seit 1895 folgen die Wintertemperaturen und -niederschläge einem stark steigenden Trend. Verglichen mit den Mittelwerten der letzten 500 Jahre ist diese Jahreszeit seit 1965 durchschnittlich um 1.3° zu warm und um 25% zu nass.

Christian Pfister schreibt in seiner Arbeit "Im Strom der Modernisierung: Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt 1700-1914", Kapitel 4.3.1: " Die dem Rebbau gewidmeten Flächen blieben mit Ausnahme des Amtes Thun bis in die frühen 1880er Jahre unter günstigen klimatischen und konjunkturellen Bedingungen annähernd stabil. Von den 24 Gemeinden im «Nidauer Kornland» besassen 1865 nur zehn, meist in der Aare-Ebene gelegene Gemeinden keine Reben. Zwischen 1885 und 1915 schrumpfte das bernische Rebareal auf einen Viertel, ein marktfähiger Weinbau überlebte nur in klimatisch günstigen Lagen. In Nidau wurden die letzten Reben zwischen 1874 und 1881, in Epsach 1884, in Hermrigen 1891, in Mett 1894, in Studen 1904, in Täuffelen 1905, in Madretsch und Dotzigen 1911, in Merzligen 1916, in Jens und Sutz 1925 ausgestockt. Wer damals Reben kultivierte, musste Durchhaltewillen aufbringen. Fehljahre als Folge nass-kalter Sommer häuften sich, dazu setzten neue, aus den USA eingeschleppte Schädlinge (falscher Mehltau, Reblaus) den Ernten zu, schliesslich begannen in diesen Jahren das Bier und der Obstmost dem Wein den Rang abzulaufen. "

Werner Strub berichtet von guten Ernten in den Siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Nach 1876 setzte eine lange Periode von Fehljahren und Missernten ein. Zudem befiel vermutlich um 1890 der Falsche Mehltau (Pilzkrankeit) die Grenchner Reben. Strubs Schilderungen decken sich mit den statistisch belegten Daten.

So kennt man im Schweizer Rebbau des 19. Jahrhunderts sowohl die Rekordernten der Jahre 1874-1876 als auch die schlimmen Missernten der Jahre 1880 bis 1890. Das letzte Jahrzehnt im 19. Jh. brachte grosse Ertragsschwankungen. Erst die Jahre nach 1900 gönnten den Weinbauern wieder eine Folge zufriedenstellender Ernten.

Entwicklung des Weinimports[Bearbeiten]

Die gewaltige Zunahme der Importmenge zwischen 1870 und 1880 ist zum grossen Teil auf den rasch fortschreitenden Ausbau des europäischen Eisenbahnnetzes zurück zu führen. Eine bedeutende Rolle spielte auch die Liberalisieung des Marktes durch die 1874 in Kraft getretene revidierte Bundesverfassung.

In Grenchen wirkten schon vor der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert bedeutende Weinhandlungen. Sie alle führten gute und preiswerte ausländische Weine ein: die Weinhandlung Riba an der Kirchstrasse (Spanische Weinhalle), die Weinhandlung Wullimann im Rebhüsli am Oelirain, Weinhändler Othmar von Burg-Bourgeois an der Bachstrasse und nicht zuletzt der Weinhändler und spätere Ammann Robert Luterbacher. Von Burg besass zusammen mit einem französischen Partner eine grosse Weinkellerei in Chalon-sur-Saône (Frankreich).

Der zunehmende Weinimport trug vermutlich wesentlich zum Niedergang des Rebbaus in Grenchen bei, denn auch hier waren die milden, säurearmen Rotweine aus dem Süden, aus dem Burgund und dem Beaujolais sehr beliebt. Die im Gegensatz zu den einheimischen Tropfen von Jahr zu Jahr fast gleich bleibende Qualität der Importweine wussten die Schweizer Weintrinker sehr zu schätzen. So nahm der Pro-Kopf-Verbrauch der einheimischen Weine zwischen 1850 und 1905 laufend ab während beim importierten Wein ein steter Anstieg der Pro-Kopf-Menge fest zu stellen war.

Auch Franz Josef Schild, dr Grossätti us em Leberberg, erwähnt in seinem Grotjoggi den Importwein. Dem Grotjoggi ist der Grenchner nicht mehr gut genug für seine Sichlete:

"Wäge dem loht hüür dr Grotjoggi by der Sichlete no einisch so schwär loh ufträgen as angeri Johr; sy Grenchenwy isch em nümme guet gnue; er loht z'letscht no Wirtshuuswy cho z'moosewys; abruume liess er bim Düfel nit, de do stoht Suurchrut und Späck, dürri und grüene Öpfelschnitz, ass me si drhinger chönnt verbärgen und d'Wegge fasch kein Platz meh hei! Au liess si's dr Joggi nit näh, wie's byn em süsch dr Bruuch isch: es muess nohe no Gaffee und drei- viererlei Chüechli gmacht sy und nit wie angeri Johr numme zweu-, dreierlei; er müesst si jo schäme, wenn anger Schnitter chäme cho jöhnen [betteln] und alls scho abtreit wär; es stoht jo em Tisch guet a."

Die Trinkgewohnheiten änderten sich[Bearbeiten]

Neben dem qualitativ guten und preiswerten Importwein meldete sich ein neuer Konkurrent auf dem Markt: das Bier. Das Bier wurde zum Modegetränk. Um 1900 tranken die Schweizer pro Kopf jährlich rund 60 l Bier. Schon im Durchschnitt der Jahre 1906-1910 ist der Bierkonsum grösser als der Verbrauch von Wein. Das Bier bekam erst recht Auftrieb, als mit Hilfe der Eisenbahn ausländische Gerste in grossen Mengen und guter Qualität auf den Markt gelangte. Wegen der mangelnden Qualität unterlag der Weinbau der Konkurrenz des Bieres.

Gleichzeitig erfreute sich auch der Obstmost wachsender Beliebtheit. Eine Tatsache, die sich Dank der Ausweitung des Obstbaus als Ersatz für den krisengeschüttelten Weinbau in den Kantonen Thurgau, Zürich und der Innerschweiz einstellte. Auch die Anti-Alkoholbewegung hatte einen gewissen Einfluss auf den Getränkemarkt. Sie führte in der ganzen Schweiz alkoholfreie Gaststätten ein und gewann zusehends an Einfluss.

Entwicklung Grenchens im 19. Jh.[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen 1850-1910.

Grenchen entwickelte sich in einem halben Jahrhundert vom Bauerndorf zum Industrieort. Die Bevölkerung nahm zu von rund 1'600 Einwohnern im Jahre 1850 auf gut 7'000 im Jahre 1910. Das rasche Wachstum der Gemeinde, die damit verbundene Bautätigkeit, die Uhrenindustrie und die neue Zusammensetzung der Einwohnerschaft (Zuzüger aus der Region und der ganzen Schweiz) hatten Einfluss auf das gesamte Sozialgefüge des jungen Industrieorts.

Die Auswirkungen auf den Grenchner Weinbau dürfen auch von dieser Seite nicht unterschätzt werden. Die besseren Verdienstmöglichkeiten in der Industrie liessen den angeschlagenen Weinbau langsam in ein wirtschaftliches Nischendasein abgleiten. Es war für die Weinbauern und Rebbesitzer kein schwerer Entscheid mehr, unter diesen Gegebenheiten den Weinbau ganz aufzugeben. Die Grenchner Weinbauern hatten nicht mehr viel zu verlieren, doch Grenchen verlor in diesen wenigen Jahren eine jahrhundertealte traditionsreiche Kultur - unwiederbringlich.

Rebkrankheiten[Bearbeiten]

Traube befallen vom Falschen Mehltau[6] (Plasmopara viticola oder Peronosporales). Am Bielersee trat der Falsche Mehltau im Jahr 1884 erstmals auf. Laut Werner Strub richtete der Falsche Mehltau in Grenchen grosse Schäden an. Vermutlich war es diese Krankheit, die für das abrupte Ende des Grenchner Weinbaus verantwortlich war.

Die Reblaus[7] (Phylloxera) tauchte in unserer Gegend erst später auf (erstmals 1905 in Le Landeron), als der Weinbau in Grenchen bereits aufgegeben worden war.

Literarisches und Anekdoten[Bearbeiten]

Das Buch vom Grenchner Wein.

Um den Grenchner Wein ranken sich viele Anekdoten, Verse und Geschichten. Heute noch lächelt man über den feinen, manchmal auch kräftigen Humor der Anekdoten oder bewundert die Mundart-Verse von Franz Josef Schild, dem Grossätti us em Leberberg. Erfreulich ist es, dass seit einigen Jahren wieder Geschichten geschrieben werden über den Grenchner Wein. Ein Thema, das den Grenchner Autoren wahrhaft in die Feder schiesst. Nicht nur die Erinnerung an den Grenchner Wein ist wach geblieben und hat sich kulturell nieder geschlagen, sogar der Grenchner Wein selber durfte vor gut dreissig Jahren seine Wiedergeburt erleben. Darauf darf Grenchen in der Tat stolz sein.

Franz Josef Schild und vor allem Werner Strub überlieferten das Wissen und zahlreiche Geschichten rund um den Grenchner Wein in die heutigen Tage. Dieser literarisch-historische Schatz war es, der das Wunder vom jungen Grenchner Wein hervor brachte und in Grenchen eine ganz neue Weinbau-Kultur entstehen liess, die laufend an Bedeutung gewinnt.

1976 erschien das bibliophile Buch vom Grenchner Wein[8] mit Texten und Grafiken von einheimischen Kulturtätern. Ein Werk von nachhaltiger Wirkung, das heute Kult-Status errungen hat und selbstverständlich vollständig vergriffen ist.

Vo Gränche bi Gott, wo suure Wy wachst![Bearbeiten]

Anekdoten aus Werner Strubs Heimatbuch Grenchen und anderen Quellen

Zusammengestellt von Alfred Fasnacht

Als der Bischof von Lausanne, Bernhard Emanuel von Lenzburg, im Jahre 1783 die Pfarreien seines Bistums besuchte, hörte er auch vom Grenchner Wein. Der Solothurner Benedikt Bass erzählt darüber: «Als er zu Grenchen zu Mittag speisete, forderte er von Herrn Pfahrherrn den Grenchner Wein zu versuchen. Als man ihm dessen befragete, gab er in Rückantworth, es seye besser, den bischöfliechen Seegen zu trinken, als einen solchen andern Grenchner Wein. Nichtsdestoweniger verkostete er denselben und fande ihn sehr sauer; worauf ein grosses Gelächter entstunde.»

Dass der Grenchner Wein seinem Rufe alle Ehre machte, beweist folgender Vorfall, der am 29. Oktober 1853 im Solothurner Blatt geschildert wird: «Vor einigen Tagen ertappte der Landjäger in Grenchen eine Frau in den Reben, wo sie Trauben stahl. Er arretierte die Frau und führte sie zum Friedensrichter, damit sie für den Frevel angemessen bestraft werde. Der Friedensrichter sprach: , Weib, dein Vergehen ist gross und schwer zu sühnen, daher verurteile ich dich dazu, die gestohlenen Trauben auf der Stelle und vor meinen Augen zu essen.' Das Weib flehte: ,Habt Barmherzigkeit mit einer armen Frau!' ,Nichts da', sprach der Friedensrichter, die Strafe muss der Sünde angemessen sein und es muss ein Exempel statuiert werden'.» Das Urteil ward vollzogen und die Frau schwor bei allen Heiligen, nie mehr Grenchner Trauben zu stehlen.»

Nebst dem Rotwein gedieh aber auch der Weisswein und dieser wird wohl qualitativ dem Rotwein den Rang streitig gemacht haben; denn aus einem Beschlusse des St. Ursenstiftes vom Jahre 1634 ist zu entnehmen: «Was den Zehntenwein von Grenchen anbelangt, so soll der rote im Schulhaus mit Fröhlichkeit getrunken werden; der weisse aber soll fürderlich nach Solothurn geschickt und unter die Chorherren verteilt werden.»

Ums Jahr 1857 waren die Grenchner noch stolz auf ihre Reben. Was war das für eine Freude im Weinmonat, wenn es ans Lesen ging! Die jungen Grenchner der alten Zeit konnten auch schön jodeln und jauchzen und von den Reben her hörte man schon früh morgens die fröhlichen Stimmen der Winz er. Und wenn dann das letzte Fuder Trauben heimgeführt wurde, trug die Hausfrau oder wohl auch die hübsche Tochter einen vollen Rebstock in der Hand wie einen «Meie». Da man einen guten Tropfen im Keller hatte, war es auch nicht nötig, ins Wirtshaus zu gehen. Des Abends spielten die Männer Karten, während die Frauen emsig ihr Spinnrad surren liessen. Das ist wohl auch der Grund, warum man an drei Wirtschaften genug hatte.

Im Jahre 1871 hatten die Reben sehr viel Früchte angehängt, die aber aus Mangel an warmem Sonnenschein nicht recht zur Reife gelangen konnten. Ein Pfiffikus meinte, die hiesigen Rebbesitzer hätten billig die Ueberkiesung der projektierten Bahnlinie Lyss-Herzogenbuchsee übernehmen können. Impulsive Eigenschaften musste aber der Grenchner Wein besitzen; denn im «Solothurner Landbote» vom 14. Juli 1873 ist zu lesen: «Neben den industriellen Arbeiten und der vielseitigen Beschäftigung auf den Baustellen zappelt und krappelt es auf Wiese und Feld, als ob Grenchen ein rein landwirtschaftliches Dorf wäre. Rührigkeit und Ausdauer lassen sich unserer Einwohnerschaft nicht absprechen und dazu trägt unser Grenchner Wein sicher sehr viel bei; man mag darüber lachen und sich lustig, machen, es isch einewäg so!»

Vom Jahre 1876 an gab es viele Fehljahre; entweder erfroren die Trauben zur Blütezeit, oder sie vermochten im Herbst nicht die richtige Reife zu erlangen, weil die nötige Sonne fehlte und folglich blieben die Beeren hart, so dass man, wie böse Zungen behaupteten, die Beeren gedroschen werden mussten, und da wollte es das Unglück, dass in einer Tenne, wo Trauben gedroschen wurden, ein Barrenladen offen war und eine Beere da hineinsprang und einem Stier ein Auge ausschlug! Und ein anderer Unfall passierte auf der Bahn, allwo eine Traubenbeere aus einem Korbe auf die Bahnschiene fiel und den Zug zum Entgleisen brachte! Um nun solche und ähnliche Unfälle zu verhüten, wurden die Reben nach und nach ausgerottet, was die Kinder sehr bedauerten; denn jetzt konnten sie nicht mehr «Rappen» gehen; d. h. sie durften nach dem «Läset» die vergessenen Trauben zusammenlesen.

Ueber die Ernte von 1887 schreibt «Der Freie Solothurner»: «Letzten Donnerstag (13. Oktober) fand nun der hiesige ,Leset' statt und glücklich ist derselbe um zirka zehn Uhr vormittags desselben Tages fertig geworden. Ueber die Quantität ist man nicht befriedigt, ebenso behauptet man von der Qualität, dass selbe alle frühern Jahrgänge übertreffe, d. h. in Bezug auf die ,Strumpflöcherzusammenziehende Eigenschaft'. Von freudiger Stimmung haben wir beim Leset nichts wahrgenommen.»

Franz Josef Schild, der Grossätti us em Leberberg, sammelte eine ganze Anzahl von Feld- und Wetterregeln, die auf den alten Grenchner Weinbau Bezug hatten:

«Wenn d'r Geissbaum schön blüehjet, so gits vil Wy. Rägnet's am Barnabas (11. Juni), so schwynet d'r Wy bis i's Fass.

Jörgetag (23. April), Räbe-Bling, sell si freue Ma, Wyb und Ching.

Am Meietag aber selle d'Räbe i's Dorf abe schyne. E grosse Schyn, e chline Wy.

Der Grossätti selbst war nicht sehr überzeugt von der Qualität des Grenchner Weins, wie die ersten Zeilen seines 19strophigen Gedichtes: «Wie der Herrget d' Grenchner-Räbe gmacht het»bezeugen:

«Der Grenchner- Wy, e sure Wy,
im Leberberg bikannt,
dä muess zur Strof der sürsti sy
im ganze Juraland.»

Dr Wy macht meh as dr gsung Mönscheverstang.

Den anderen berühmten Grenchner Arzt, Dr. Josef Girard (1803-1869), den Emigrantenfreund und Industriegründer, erfüllte in dieser Hinsicht besonderen Lokalstolz. Ihm ist es zu verdanken, dass der Grenchner Wein einmal sogar im solothurnischen Kantonsrate erwähnt wurde, wie wir aus der Berichterstattung über die Grossratsitzung vom 14. Dezember 1833 dem Solothurner Blatt gleichen Tages entnehmen können. Als letzter Redner unterstützte Dr. Girard damals die Petition der Weinbauern vom Leimenthal und von Grenchen gegen die Rappenabgabe: «Es tut mir leid, nicht ein Müsterchen vom heurigen Grenchenwein mit mir genommen zu haben, um jeden der Herren vor dem Abstimmen versuchen zu lassen, was vielleicht auf ihre Vota günstig einwirken würde!» Leider hatte Girard seinen Wein im entscheidenden Augenblicke nicht zur Hand; die Zeitung meldet lakonisch über den Ausgang des Geschäftes: «Die Petition geht endlich in der Tagesordnung unter.»

Gotthelf und der Lengnauer Wein: Auch der Wein des Nachbardorfs Lengnau dürfte als recht sauer bekannt gewesen sein. Kein geringerer als Jeremias Gotthelf erwähnte den Tropfen in seinem „ Doctor Dorbach“ (1847) mit den Worten:

„..in Längnau wächst nicht bloss ein Wein, der seinesgleichen nicht hat in Europa (derselbe vergläsurt die Magen, nämlich die, welche ihn ertragen mögen, so, dass sie fürder verdauen und verwerchen können an Speis und Trank, was unter dem Himmel auf Erden ist, hundertjähriges Kalbfleisch, französischen Branntwein in Nidau oder Biel gemacht, ja Specksalat von Schirling und Erbsmus mit Blausäure gekocht)..“.

n seiner Äusserung (vermutlich 1836) über Karl Mathy berichtet John Ruffini auch über das Trinkverhalten der Grenchner: «Ausserdem, dass er Protestant war und sich mit einer Sache befasste, die in ihren (der Grenchner) Augen keinen Wert hatte, so hatte Karl Mathy noch ein drittes Hindernis zu besiegen, woran er nie gedacht, bis der Doktor ihn darauf aufmerksam machte. Karl Mathy liebte den Wein nicht, trank fast nur Wasser“. ‚Und', fügte der Doktor hinzu, ‚so lange Sie nicht ein paar Flaschen trinken können, ohne zu wanken, so lange dürfen sie nie hoffen, diese Kerle zu bereden. Sie kennen keinen Beweis männlicher Kraft, als das Mass starker Getränke, das einer vertragen kann». Karl Mathy über Grenchen: "Auch Wein wird angebaut. Die Grenchner leugnen nicht, dass in gewöhnlichen Jahren ihr Wein sauer ist, sie bespötteln ihn in Lied und Schwank, aber sie trinken ihn doch und befinden sich wohl dabei."

Franz Josef Schild: Wie dr Herrget d'Grencheräbe gmacht het[Bearbeiten]

Den Text zu diesem Gedicht vom Grossätti us em Leberberg findet man hier.

Franz Josef Schild: Dr Grotjoggi ladet zur Sichlete y[Bearbeiten]

Den Text zu dieser Geschichte vom Grossätti us em Leberberg findet man hier.

Franz Josef Schild: Grenchebuurs Herbstbitrachtige[Bearbeiten]

Den Text zu diesem Gedicht vom Grossätti us em Leberberg findet man hier.

Rainer W. Walter: Weshalb der Grenchner Wein so sauer war[Bearbeiten]

Der Grenchner Wein muss schrecklich saurer gewesen sein; darüber berichten die Chroniken mit recht grosser Deutlichkeit. Weshalb aber dieser Wein derart eine „Löcher zusammenziehende“ Säure aufwies, darüber schweigen sich die Chroniken aus. Nur der Volksschriftsteller und Sammler von überliefertem Volksgut, der Arzt Franz Josef Schild, der „Grossätti us em Leberberg“, lüftete in einem Gedicht das grosse Geheimnis. Unter dem Titel „Wie dr Hergott d’Grächnerräbe gmacht het“ erzählt Schild, wie der damalige Ammann von Grenchen gerufen habe „Jetz wie mr eigeni Räbe ha“. Auf diese Vision schwor er die Gemeinderatsmitglieder ein und gelangte mit der Bitte, er möge ein Wunder wirken an den Schöpfer der Erde und des Himmels. Dieser zeigte Verständnis für die Grenchner, bestieg einen seiner Esel und ritt in Grenchen ein. Nach einigen Reden und Gegenreden, wie das so Brauch und Sitte ist, zog die Bevölkerung Grenchens hinter dem hohen Besuch zum Wald hinauf. Dort stieg der Herr vom Esel und machte sich daran, den Wunsch der Grenchner nach eigenem Wein zu erfüllen. Vorher aber hiess er sie, zu warten und inzwischen den Esel gut zu betreuen. Er schärfte ihnen ein, das Tier nicht zu necken und zu fecken, sondern gut betreuen. Wenn die Grenchner sich nicht an diese Weisung hielten, würde der Wein zur Strafe sauer und je nach Grösse des Vergehens noch saurer..

Dort wo vorher Wald war, standen nach der Arbeit des Herrn in prächtigen Reihen gepflanzt die Weinstöcke. Doch die Gerichtsherren und Ratsmitglieder schauten nicht gut zum Esel, sondern neckten ihn. Die Gerichts- und Ratsherren in Grenchen seien „kei Düfel nutz“, sagte der Herr und fuhr weiter, sie dürften nun Wein haben, doch sei dieser besonders sauer. Die Strafe hätten sich die Grenchner selber besorgt „es wird so lang dorüber glacht, so lang as Grenche steit!“ Der Herr verlor weiter keine Worte mehr, setzte sich auf seinen Esel und gaoppierte davon. Dr Grossätti schliesst sein vielstrophiges Gedicht mit der touristischen Werbung „wer gärn e suure Wy möchte ha, dä sell uff Grenche goh!“

Rainer W. Walter: Der Wein des Theophil Stampfli (2004)[Bearbeiten]

Die Wahl zum Lehrer hatte Hermann vom kleinen Dorf im Norden des Kantons in die Uhrenstadt gerufen. Nachdem er von seinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen in die kommenden Obliegenheiten eingewiesen worden war, machte er sich daran, eine Wohnung oder doch ein Zimmer zu finden. In Grenchen herrschte 1959 noch immer Wohnungsnot, und die Wartelisten von Wohnungs-Interessenten selbst für Zweizimmerwohnungen waren unendlich lang. Anderseits erklärten sich immer wieder Familien bereit, ihre Mansardenzimmer an Alleinstehende zu vermieten. Dazu bereit waren auch Theophil Stampfli und seine Ehefrau. Dank der Vermittlung von Bekannten konnte sich Hermann nach wenigen Tagen schon im Zimmer unter dem Dach einrichten, ein Unternehmen, das bedingt durch Hermanns bescheidener Aussteuer, die aus einem Tauchsieder, einem Radio in Braun-Design und einem Gartenstuhl aus Holz sowie einer Kiste voller Bücher bestand, bereits nach wenigen Minuten beendet war. Ein breites Bett und ein Tisch mit Stuhl wurden vom Vermieter ins Zimmer gestellt. Ein kleines WC, das für mehrere Leute ausreichen musste, befand sich im Treppenhaus in halber Höhe zwischen zwei Wohnungen. Zudem besass Hermann die Möglichkeit, in der Waschküche zu duschen.

Theophil Stampflis Haus, ein wahrscheinlich mehrmals umgebautes Bauernhaus, stand an der Einmündung der Studenstrasse in die Kastelsstrasse und strahlte eine weithin sichtbare Gemütlichkeit aus. Theophil Stampfli und seine Frau achteten darauf, dass das Gebäude innen und aussen stets gepflegt war. Südlich des Hauses hatte der Hausbesitzer einen Garten angelegt, und am Hause rankten Reben und bedeckten die südliche Wand praktisch vollständig.

Nach einigen Tagen, es ging gegen Abend und Hermann wollte den Tauchsieder in einen mit Wasser gefüllten gelben Steingutkrug eintauchen, um für das Nachtessen Kaffeewasser heiss zu machen, klopfte Theophil Stampfli an die Zimmertüre und lud Hermann auf ein Glas Wein ein. In der Stube im Erdgeschoss des Hauses standen auf kleinen Ablageflächen zahlreiche verschieden grosse Uhren und weitere hingen an den Wänden. Theophil Stampfli erzählte Hermann, er habe bis zu seiner Pensionierung in einer der renommierten Grenchner Uhrenfabriken gearbeitet. Dazu wies er auf diese oder jene Uhr und erklärte ihre Herkunft und ihre technische Ausrüstung. Dann setzten sie sich an den Tisch. Vor jedem Platz stand ein Weinglas, neben dem ein schöner versilberter Löffel lag. In der Mitte zwischen den beiden hatte Frau Stampfli ein grosses Zuckerfass aufgestellt. Aus einer grossen Flasche, wie sie Hermann noch nie gesehen hatte, schenkte Theophil Stampfli Wein in die Gläser. „Das ist eigener Wein“, bemerkte er mit Stolz. „Er stammt vom alten Grenchnerwein ab. Jedes Jahr mache ich ein mittelgrosses Fässchen“, berichtete der Gastgeber. Darauf nahm er den Löffel und tauchte ihn zwei, dreimal ins Zuckerfass und schüttete den Zucker ins Weinglas. Nun rührte er kräftig auf und sagte: „Er schmeckt irgendwie besser so.“

Hermann kostete den Wein ungezuckert, verzichtete aber rasch auf die Fortsetzung seines mutigen Unterfangens, denn das Getränk, dem Theophil Stampfli zusprach, erwies sich als ungemein sauer. Seither glaubt Hermann alle Geschichten, die über den Grenchner Wein und vor allem über seinen Säuregehalt erzählt werden, und seien diese noch so unglaublich. Hermann tat es damals seinem Gastgeber gleich und verschönte seinen Wein mit Zucker. Dieser schien jedoch kaum Wirkung zu zeigen, und der Wein verharrte hartnäckig auf seiner ursprünglichen Basis.

In den folgenden Jahren trank Hermann hin und wieder mit Theophil Stampfli ein Glas Grenchner. Doch trotz wiederholtem intensivem und schluckweisem Trinken mochte er sich weder an das ganz eigene Bukett des Weines zu gewöhnen, noch verlor die spezielle Säure auch nur ein Jota von ihrer Eindringlichkeit. Theophil Stampfli dagegen trank mit sichtlichem Wohlbehagen seinen Wein und errang mit seiner unerschrockenen Haltung die Hochachtung Hermanns. Zwei Jahre später wurde der Gemeinderat neu gewählt und weshalb auch immer geriet Hermann auf eine der Wahllisten. An einem Sonntag im Mai war Wahltag, und am Abend ergab die Ausrechnung, dass Hermann recht knapp aber immerhin gewählt worden war. Er war damals noch zu jung, um nicht mehr als ein bisschen stolz gewesen zu sein. Am Montag nach der Arbeit keuchte Hermann mit seinem Velo den Kastelsstutz hinauf und erreichte, wie an andern Tagen auch, verschwitzt und etwas ausser Atem das Haus. Vor der Haustüre stand Theophil Stampfli. Trotz des recht warmen Frühlingswetters trug er einen schwarzen Anzug, aus dem sein weisses Hemd leuchtete, das von einer festlichen Krawatte optisch in zwei Teile geschnitten schien. In der Hand hielt er einen alten, silbernen Becher. Hermann sei seines Wissens der erste Gemeinderat, der unter seinem Dache wohne, meinte Theophil Stampfli, und bevor der neue Gemeinderat die Schwelle überschreiten dürfe, solle er bitte den Becher leeren, gefüllt mit bestem von Theophil Stampfli eigenhändig gepflegtem Grenchner Wein. Wahrscheinlich um die Feierlichkeit des Augenblicks nicht zu zerstören, verzichtete Theophil Stampfli auf das Zuckerfass. Wenn man Hermann später fragte, welches die schwierigste Aufgabe während seiner Gemeinderatszeit gewesen sei, pflegte er jenen Augenblick zu nennen, als er am Anfang seiner politischen Karriere einen Becher Grenchner hatte trinken dürfen oder vielmehr müssen. Er war aber nicht ganz unberechtigt etwas stolz, dass er erzählen konnte, er habe noch vom sagenhaften alten Grenchner Wein gekostet, einem Wein, der für derart viele Geschichten Pate stand.

Rainer W. Walter: Als man den "Grenchner noch trank" (2007)[Bearbeiten]

Das ist Moritz Leuenberger bisher mit der Neat nicht widerfahren! Wohl aber den Ingenieuren, welche 1915 den 8578 Meter langen Grenchenbergtunnel bauten. Was sie und ihre Teams am Südeingang tagsüber auch immer auswuchteten, nachts veränderte sich die Baustelle, als ob hier nie etwas geschehen wäre. Es dauerte einige Zeit, bis die Bauleitung das Geheimnis lüften konnte. Schuld waren die Reben, die an der Rebgasse wuchsen. Sie galten seit jeher als die Lieferanten für den sauersten Wein in Mitteleuropa. Saurer Wein besitzt die Eigenschaft, jedes Loch und sei es noch so gross, zusammenziehen zu können. Als die Reben abgeholzt waren, konnten die Tunnelarbeiten unbehelligt fortgesetzt werden.

Einige Jahre zuvor gerieten die Traubenbeeren gar nicht gut; sie waren nicht bloss sauer, sondern derart hart, dass es niemandem gelang, mit einer Weinpresse aus den Früchten auch nur den geringsten Tropfen herauszuholen. Die Grenchner Weinbauern sahen sich deshalb gezwungen, ihre Ernte mit den Dreschflegeln zu bearbeiten, obwohl ihnen geraten wurde, die Traubenbeeren als Eisenbahnschotter auf der Linie Solothurn-Biel einzubringen. Ein Resultat der Trauben-Drescherei ist überliefert. Eine der Beeren wurde nicht richtig getroffen und sirrte durch die Tenne und dann in den Stall, wo sie einem Stier ein Auge ausschlug. In der Regel legte die Gemeindeversammlung den zeitlichen Beginn der Leset fest. In einem Jahr, so wurde in der Zeitung berichtet, begann der Anlass um acht Uhr morgens, und um zehn Uhr war der Spuk vorbei. Die Ernte sei mengenmässig etwas gering ausgefallen, berichtete der Journalist, jedoch die Fähigkeit des Tropfens, die Löcher zusammenzuziehen, sei höchst beachtlich gewesen.

Rhabilleur lernte in den 50er- Jahren einen alten Grenchner kennen, der an der Südwand seines Hauses Schösslinge des alten Grenchners hegte und pflegte und jedes Jahr gegen zweihundert Liter Wein kelterte. Besuchte man diesen Mann, stellte er zwei Gläser auf den Tisch und legte zu jedem einen Löffel. Neben dem Litermass mit rotem Grenchner stand der Zuckertopf, aus dem jeder Zecher nach Belieben Zucker schöpfte und diesen in seinem Glas verrührte. Einen Vorteil hatte das Ganze: Betrunken wurde nie jemand von diesem Wein!

Ende der 70er-Jahre begann ein richtiger Weinbau-Boom. Der grösste Weinberg entstand hinter dem Kinderheim Bachtelen, wo ein Verein aus Mitarbeitenden daran ging, die Trauben auf historischem Grund und Boden wieder anzupflanzen. Und dies mit Erfolg, was weiter nicht wundert, die Grenchner Reben haben heute keine Möglichkeit mehr, sich gegen den Tunnelbau zur Wehr zu setzen. Der neue «Grenchner» ist recht gut.

Rainer W. Walter: Vom Grenchner Wein - Ein kurzes Gespräch mit Hans Liechti (2007)[Bearbeiten]

Zu Beginn der 50er Jahre führte Hans Liechti das „alte Volkshaus“. Die Lieblingsweine der Grenchner stammten aus dem Südtirol und hiessen „Kalterer See“ und „Lagrein“. Diese beiden Weine besassen nicht den besten Ruf und wurden von Weinliebhabern verschmäht. Beliebt waren bei den Grenchnern, die im Volkshaus verkehrten, der „Côtes-du-Rhone“ und vor allem auch der Algerier. – Diese Weine wurden im Offen Ausschank verkauft und wurden in Literflaschen angeliefert. – Sicher wurden in den gehobenen Gesellschaftskreisen auch andere, heute noch bekannte Weinsorten getrunken.

Als der Schreibende nach Grenchen kam, war das grosse Modegetränk Amer Picon. In Biel braute ein Wirt sein eigenes Getränk und nannte es Amer Monet.

Wein kaufte man zu dieser Zeit auch gerne im Konsum, in der AKG (Allgemeine Konsumgenossenschaft Grenchen), die über zehn Filialen betrieb: Das Hauptgeschäft mit den Büros, dem Weinkeller und der Bäckerei an der Kirchstrasse, in den Filialen Schmelzi, Centralstrasse, Simplon, Friedhofstrasse, Solothurnstrasse, Unterführungsstrasse, Bettlachstrasse, Schmiedehof Warenhaus. Schmiedehof Lebensmittel, Romont, Arch, Bettlach. Einige dieser Filialen (nicht alle) waren sogenannte „2-Liter-Verkaufsstellen“. Wein aber auch Bier durfte nur gekauft werden in Mengen von mindestens zwei Litern. Man erwartete mit dieser Massnahme, dass der Alkoholgenuss eingedämmt werden konnte, denn, so lautete die Ueberlegung, wer das notwendige Geld für zwei Liter auf einen Schlag auf den Ladentisch legen musste, überlegte sich den Kauf gut. Später wurde diese Bestimmung aufgehoben, denn man mutmasste, dass dieses Gesetz eher das Gegenteil bewirkte.

Erinnerungen[Bearbeiten]

Strassen-Namen erinnern an den Weinbau in Grenchen.

Betrachtet man mit scharfem Auge das ehemalige Rebareal in der Neuen Zelg, lassen sich noch alte Terrassierungen erkennen. Die anderen Rebareale sind grösstenteils überbaut und lassen die früheren Rebberge kaum mehr erahnen. Strassennamen wie Rebgasse, Rebgässli, Am Weinberg, Weinbergstrasse, Rebhalden, Traubenweg sowie das Alterszentrum am Weinberg deuten an, wo früher Rebstöcke in Reih und Glied standen und ihre Früchte sonnten.

Wer hingegen die Lage der alten Rebberge kennt, kann aufgrund der eindeutigen Topographie sehr leicht erkennen und sich vorstellen, dass die alten Grenchner hier einst ihre Reben pflanzten.

Neuanfang 1975/76[Bearbeiten]

Verein Räbbuure vo Gränche bigott - Gegründet 1983[Bearbeiten]

Text von Manfred Kliegl, Weinbauer[9], 2007.

Geschichtliches[Bearbeiten]

Am 24.10.1983 trafen sich Interessierte auf Anregung von Walter Emch im Restaurant Ticino (ehem. Restaurant Traube) zur Gründung der „Grenchner Rebfründe und Wiifründe". Ihm war es ein Anliegen den Rebbau in Grenchen nach jahrzehntelangem Unterbruch wieder aufzunehmen und Rebgärten anzulegen. Mit grossem Engagement und viel Freude am Hobby wurden Kurse zur Hege und Pflege angeboten und rege genutzt. Rebschnitt, Düngung, Bodenpflege, Spritzen, Ausbrechen, Leset, Kelterung und Pflege des Weines wurde gelehrt.

Die Kameradschaft kam auch nie zu kurz, gab es doch jedes Jahr eine Weindegustation. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde aus den Grenchner Rebfründe die Räbbuure vo Gränche bigott! Als erster Oberwinzer amtete Roland Ledergerber. Ihm folgte Werner Wohlfahrt (Didi) der dieses Amt während 20 Jahren inne hatte und mit viel Freude und Können ausübte. Hans Brosi war als humorvoller Schreiberling tätig. Köstliche Weine kamen aus den Kellern der Räbbuuren Walter Emch, Hans Marner, Paul Rüefli, Urs Siegrist, Günter Stauffer und Didi Wohlfahrt. Diese feinen Tropfen wurden von jedem Räbbuur eigenhändig gekeltert und ausgebaut.

Leider waren auch Abgänge zu verzeichnen, dies durch Todesfälle und Wegzüge. Zum jetzigen Zeitpunkt [[[2007]]] zählen wir noch fünf Räbbuure die ihren Grenchnerwein selbst ausbauen. Es sind dies: Manfred Kliegl, Paul Rüfenacht, Urs Siegrist, Max Schwaller, und Didi Wohlfahrt.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Räbbuure treffen sich jeweils am ersten Montag im Monat um 20.00 Uhr. In den Wintermonaten im Restaurant Metzgerhalle. Diskussionen über den Rebbau, neue Rebsorten werden vorgestellt. Erfahrungen ausgetauscht. Informationen und Wissenswertes zum Weinbau und zur Weinkunde.

In den Sommermonaten finden die Treffen bei den Räbbuure statt. Verschiedene Rebberge werden besichtigt. Ein schöner alter Brauch - im Juli wird der vorjährig gewonnene Wein in froher Runde degustiert, geprüft und begutachtet. Anschliessend gibt es ein feines Essen. Die Geselligkeit und Gemütlichkeit kommt nicht zu kurz. Der beliebte Rebbummel, der im Herbst stattfindet, wird von den Hobbywinzern sehr geschätzt. Neben der Besichtigung von Rebbergen in den verschiedensten Teilen der Schweiz kommt auch die Kulturgeschichte nicht zu kurz. Gerade in den Rebbaugebieten finden wir „Urgeschichte" Wein und Kultur nahe beisammen.

Ziele[Bearbeiten]

  • Pflege der Rebe und Weinkultur, dies auch an Interessierte weitergeben.
  • Natur hegen und pflegen.
  • Kameradschaft und Geselligkeit.

Erste Aktivitäten in den Siebziger Jahren[Bearbeiten]

Text von Urs Siegrist, Weinbauer, 2007

In den Jahren 1975 / 1976 begann man in den Kreisen der kulturtätigen Grenchner wieder von Grenchner Wein und vom Pflanzen von Reben zu reden. Einige bildende Künstler machten sich im 1976 erschienenen Buch, „Das Buch vom Grenchner Wein“, über die Qualität des ehemaligen und des eventuell wieder zu belebenden Weines von Grenchen lustig. Trotz aller Skepsis brachte diese Diskussion um den Grenchner Wein „den Stein (die Traube) ins Rollen“ und es brach in einem ganz kleinen Personenkreis eine Rebbau – Euphorie aus.

Überall in Grenchen, wo von diesen Leuten ein freies, sonniges Plätzchen gesichtet wurde, sahen sie schon einen Rebberg und volle Fässer. So pflanzte man, eher als „Mahnmal“, im damaligen Museumgärtli an der Breitengasse einige Rebstöcke. Ob bei dieser Aktion, die Hans Kaufmann massgeblich befürwortete, ernsthaft mit Wein gerechnet wurde, bleibt wahrscheinlich für immer offen. Diese Rebstöcke wollten aber nicht so recht gedeihen. Vermutlich war dort die Bodenbeschaffenheit und die nicht so ideale Lage zwischen den Häusern der Grund, dass diese Rebstöcke ein nur sehr kurzes Leben hatten.

In dieser Zeit, und mit bestimmten Erwartungen, begannen aber der Grenchner Kunstmaler Walter Emch und sein Nachbar Paul Rüefli in ihren Gärten an der Däderizstrasse Reben zu pflanzen. Drei Jahre nach der Pflanzung präsentierten beide „Grenchner Neurebbauern“ ihren ersten Wein, der zum Erstaunen aller Ungläubigen und Miesmacher, nicht sauer war. Es war, wie ich als Schreiber bestätigen kann, ein wirklich guter und bouquettreicher Tropfen, dieser Riesling x Silvaner (Müller Thurgau). Versuche machte Walter Emch auch mit der Elsässersorte „Gewürztraminer“, die aber seine Erwartungen nicht erfüllten. Nach dem Tod von Walter Emch 1997 ging es nicht lange, da entfernte auch Paul Rüefli die Reben aus seinem Garten. So existierte der „Däderizer“, vom Vater der Wiedergeburt des Grenchner Weines leider nur kurze Zeit.

Durch diesen „Beweis“, dass man in Grenchen wirklich guten Wein machen kann, liess sich im Jahr 1977 auch Urs Siegrist von dieser Rebbau – Euphorie anstecken. Er pflanzte, in seinem Garten an der Hessostrasse, etwa dreissig Stöcke vom Riesling x Silvaner an. Das Wissen vermittelte Ihm sein „Rebbau – Pate“ Walter Emch und der damalige Kellermeister der Firma Howeg, Sepp Mösch. Das gute Ausreifen der Trauben war also auch an der weniger geschützten, mehr der Bise ausgesetzten Lage, und auch in nicht so wetteridealen Jahren unproblematisch. Der Wein von der Hessostrasse, obschon er von der selben Traubensorte stammt, war wegen der ganz anderen Bodenbeschaffenheit noch um einiges kräftiger im Bouquett als jener vom Däderiz.

Nach diesen Erfolgsmeldungen vom trinkbaren Grenchner Wein begannen mehrere Begeisterte in Grenchen Reben in ihren Gärten zu pflanzen und ihren eigenen Wein zu keltern. Daraus entstand die Vereinigung der „Gränchner Räbbuure“, die noch heute besteht. Es zeigte sich, dass auch andere Rebsorten als nur der Riesling x Silvaner den klimatischen Bedingungen von Grenchen standhalten konnten. So stehen heute, schätzungsweise, etwa 10 – 15 Sorten in Grenchens Gärten und sie ergeben alle trinkbare und zum Teil exzellente Weine.

Nach zehn Jahren Rebbau in Grenchen war die Euphorie von Urs Siegrist noch keineswegs verflogen. Sein Rebgarten an der Hessostrasse wurde ihm zu klein. Er fand, dass es aus seiner Liebe zu Grenchen einen „richtigen“ grossen Rebberg geben müsste und der Rebbau wieder heimisch werden sollte. Darum trug er diese Idee in das Kinderheim Bachtelen, und konnte den damaligen Heimleiter Anton Meier und einige Leute vom Personal begeistern einen Rebberg im Bachtelenareal anzulegen. Im Jahr 1986 begannen die Bachteler Rebbauern, als Rebbauverein Bachtelen, am Nordwesthang des Bachtelentäli etwa 500 Reben der Sorte Riesling x Silvaner und einige Jahre später etwa 200 Reben der Sorte Pinot noir zu pflanzen. Dieser Rebbauverein ist privat und tritt als Pächter, ohne direkte Verbindung zum Kinderheim, auf.

Räbe vo de Gränchner Räbbuure - Stand Mai 1985[Bearbeiten]

Tabelle von Hans Brosi

Eigentümer Stock rot Stock weiss Draht rot Draht weiss Spalier rot Spalier weiss Total
Arnold Josef 52 3 4 59
Boder Raymond 2 2
Brosi Hans 5 5 4 2 16
Brügger Heinz 42 2 2 46
Courtat Claude 15 15
Dubois Roger 13 1 1 15
Emch Walter 50 1 12 63
Häni Jean-Pierre 0
Höhener Walter 35 1 36
Kocher Bruno 0
Ledergerber Annelies 51 51
Ledergerber Roland 50 50
Marner Hans 59 1 60
Müller Kathy *400 *300 700
Museums-Gesellschaft 29 29
Otth Hans 8 8
Ramser Urs 35 35
Reic Kajo 20 20 40
Rüfenacht Paul 110 110
Rüefli Paul 16 120 136
Schori Hans *60 2 2 64
Schwaller Max 100 100
Siegrist Urs 1 29 4 1 35
Stämpfli Erhard 0
Stauffer Günter 20 35 34
Walker Ursula *500 500
Wälti Hanspeter 20 35 55
Wermelinger Alois 3 3
Wohlfahrt Werner 7 54 61
Zwahlen Roland 70 70
Total 582 1031 486 236 23 35 2393
Region Grenchen 182 531 126 236 23 35 1133
*Wallis / Tessin 400 500 360 0 0 0 1260
Total rot *760 331
Total weiss *500 802

Dank[Bearbeiten]

Dieser Eintrag über den Grenchner Weinbau basiert auf der Ausstellung "Gretulozuzi"[10] Geschichte des Weinbaus in Grenchen, die vom 27. April 2007 bis 28. September 2007 im Kultur-Historischen Museum Grenchen statt findet. Ein grosses Dankeschön gebührt folgenden Personen und Institutionen, die durch ihre Mitarbeit zur Realisierung der Darstellung beigetragen haben:

  • Fred Fischer, Chäsi, Grenchen
  • Roland Gasser, Produzent DVD, Balsthal
  • Peter Gassler, Bäckerei, Grenchen
  • Roland Guex, Metzgerei, Grenchen
  • René Inderkummen, Museums-Gesellschaft Grenchen
  • Manfred Kliegl, Weinbauer, Grenchen
  • Hans Kohler, Heimatsammlung Grenchen, Grenchen
  • Heidi Lüdi, Konservatorin, Rebbau-Museum am Bielersee "Hof", Ligerz
  • Isabelle Sieber, Ausstellungsgestaltung, Leuzigen
  • Urs Siegrist, Sozialpädagoge und Weinbauer, Grenchen
  • Lukas Walter, Stiftung Museum, Grenchen
  • Rainer W. Walter, Grenchen
  • Burgerbibliothek Bern
  • Rebbau-Museum am Bielersee "Hof", Ligerz
  • Staatsarchiv Solothurn
  • Stadtarchiv Grenchen
  • Universitätsbibliothek Bern, Zentralbibliothek

Literaturverzeichnis[Bearbeiten]

Karten, Pläne[Bearbeiten]

  • Topographischer Atlas der Schweiz, Genannt "Siegfriedkarte". Blatt 123 Grenchen, Erstausgabe 1874, Nachträge 1885, 1891, 1902, 1910, Massstab 1:25'000
  • Klimaatlas der Schweiz. Hrsg.: Schweizerische Meteorologische Anstalt = Atlas climatologique de la Suisse éd.: Institut suisse de météorologie = Atlante climatologico della Svizzera ed.: Istituto svizzero di meteorologia. Gesamtleitung: Walter Kirchhofer, Wabern : Verl. des Bundesamtes für Landestopographie, 1982- Mappe, Ill. ; 34 cm
  • Uebersichtsplan der Gemeinde Grenchen aufgenommen durch K. Feller, 1866-70. Massstab 1:10'000 Planslg. Staatsarchiv Solothurn
  • Plan von Grenchen vor dem Jahre 1900. Rekonstruiert von der Bauverwaltung Grenchen, im Dez. 1939. Ohne Massstab-Angabe.
  • Geometrischer Plan über die Bachtalen und der daran liegenden Güter. Von Geometer J.U. Walker. Ca. 1830, Orig. 47 cm x 36 cm Planslg. Staatsarchiv Solothurn
  • Zehnt-Pläne des Stifts St. Ursen: Pläne der zehntpflichtigen Güter in Grenchen. Pläne Nr. 11, 12, 13, 14. ca. 1820. Planslg. Staatsarchiv Solothurn.
  • Katastervermessung Grenchen Blatt 82: Neue Zelg von K. Feller, Geometer. ca. 1860-70 mit Eintragungen bis ca. 1925. Massstab 1:1000. Planslg. Staatsarchiv Solothurn.
  • Plan des Bâtiments et terres de l'Institution Breidenstein à Granges, Ct. de Soleure. Ca. 1865.

Monographien, Zeitschriften[Bearbeiten]

  • Aeberhard, Marcel: Geschichte der alten Traubensorten. Ein historisch-ampelographischer Rückblick. Solothurn: Aarcadia 2005. 256 S., ill., Bibliografie S. 250-256. ISBN:3-908579-04-X
  • Angelrath, Heinz: Berner Weinbüchlein. Mit Beiträgen von Gottlieb Kurz und Alfred Stettler. Münsingen: Fischer, 1985. - 112 S., ill.
  • Bärtsch, Albert: Von der Rebe zur Traube. Rebkunde, Winzerregeln, Illustrationen. Wädenswil: Verlag Stutz Druck, 1999. - 88 S., ill.
  • Das Buch vom Grenchner Wein[8].
  • Duttweiler, Georges: Schweizer Weine. Ein Buch über die edlen Gewächse aus allen schweizerischen Weinbaukantonen, deren Bereitung und Genuss. Basel: Pharos, 1977. - 269 S., ill.
  • Eggenberger, Walter und Joachim Liennert: Lexikon des Schweizer Weins. Aarau: AT Verlag / Mondo Verlag, 1996. 215 S., ill. ISBN 2-88168-649-4
  • Engel-Schmidlin, R.: Der bernische Rebbau am Bielersee zur Zeit der Blüte-Periode der oekonomischen Gesellschaft. Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, Jg. 1948, H. 1, S. 19-26
  • Johnson, Hugh: Weingeschichte. Deutsch von Wolfgang Kissel. Bern: Hallwag, 1990. 480 S., ill., Bibliografie. ISBN 3-444-10370-0
  • Kaufmann, Hans. Semper Curiosus. Grenchen: Literarische Gesellschaft, 1984. - 196 S., ill
  • Kohler, Hans: Damals in Grenchen. Seltene Lithos, Ansichtskarten, Fotos und Dokumente aus meiner Heimatsammlung. Grenchen: Hans Kohler, 2005. - 256 S., ill.
  • Kohler, Hans: Grenchen in alter Zeit. Grenchen: Hans Kohler, 1990. - 234 S., ill.
  • Kohler, Hans: Gruss aus Grenchen. Alte Fotos, Dokumente und Ansichtskarten aus der Sammlung Hans Kohler. Grenchen: Literarische Ges., 1985
  • Kurz, Gottlieb: Die alten Berner und der Wein. Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde Jg. 1968, H. 1, S. 22-29.
  • Lorey, Elmar M.: Die Weinapotheke, Amüsantes, Kurioses und Wissenswertes aus alten Arzneibüchern und Chroniken. 2. erg. und erw. Auflage Bern: Hallwag, 1997.- 188 S., ill. ISBN 3-444-10464-2
  • Markwalder, Hans: Das Rebgut der Stadt Bern am Bielersee. Bern: Haupt, 1946. - 164 S., ill., Tab.
  • Meyer, Thomas, und Martin Sieber: Höhen- und Sturzflüge in den Anfängen der Alkohologie. (Forel Klinik Ellikon a.d. Thur, Bulletin Nr. 4,2004) 52 S., Tab., Fig., Bibliogr.
  • Pfister, Christian: Im Strom der Modernisierung : Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt im Kanton Bern, 1700-1914. Bern [etc.] : Verlag Paul Haupt, 1995. 453 S., Taf. : Ill. ; 24 cm SA aus: Geschichte des Kantons Bern seit 1798 ; Bd. 4
  • Pfister, Christian: Klimageschichte der Schweiz 1525-1860 : das Klima der Schweiz von 1525-1860 und seine Bedeutung in der Geschichte von Bevölkerung und Landwirtschaft. (Academica helvetica) 3., durchges. Aufl. Bern [etc.] : Verlag Paul Haupt, 1988 184, 163 S., Tab. : graph. Darst. ; 29 cm
  • Rochaix, Michel, und Fernand Rausser: Unsere Reben - unser Wein. Konzeption Michel Rochaix, Fotos Fernand Rausser. Lausanne: Mondo, 1977. - 156 S., ill.
  • Schild, Franz Josef: Dr Grossätti us em Leberberg. Ausgewählte Werke in drei Teilen. Neu hrsg. von Leo Altermatt. Solothurn: Vogt-Schild, 1960. - 501 S.
  • Schlegel, Walter: Der Weinbau in der Schweiz. (Erdwissenschaftliche Forschung. Band VI) Wiesbaden: Franz Steiner, 1973. 257 S., ill., Tab., Falttafeln, Bibliografie.
  • Schweizer Rebbau - Schweizer Wein. Hrsg. Von Niklaus Flüeler. Zürich: Ex Libris, 1980. - 320 S., ill.
  • Schweizer Weinatlas. Walter Eggenberger, Markus Fürstenberger u.a. Basel: Pharos, 1975. - 216 S., ill. ISBN 3-7230-0183-1
  • Schweizerisches Idiotikon : Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Ges. auf Veranstaltung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes bearb. von Friedrich Staub und Ludwig Tobler [et al.] Frauenfeld : Huber, 1881- Bd. 1-
  • Strub, Werner: Heimatbuch Grenchen. Die vergangenen Jahrhunderte bis in die Gegenwart dargestellt von Werner Strub. Solothurn: Vogt-Schild, 1949. - XVI, 758 S., ill,

Quellen[Bearbeiten]

  • Text von Alfred Fasnacht
  • Strub, Werner: Heimatbuch Grenchen, Solothurn: Vogt-Schild, 1949.
  • Kaufmann, Hans: Semper Curiosus. Grenchen: Literarische Gesellschaft, 1995.
  • Markwalder, Hans: Das Rebgut der Stadt Bern am Bielersee. Bern, 1946.
  • Walter, Rainer W: Als Gotthelf den Dorbach ausgerechnet nach Grenchen schickte.
  • Grund- und Hypothekenbücher Grenchen 1824-1876. Staatsarchiv Solothurn
  • Katastervermessung Grenchen Blatt 82: Neue Zelg von K. Feller, Geometer. ca. 1860- 70 mit Eintragungen bis ca. 1925. Massstab 1:1000. Staatsarchiv Solothurn.
  • Geometrischer Plan über die Bachtalen und der daran liegenden Güter. Von Geometer J.U. Walker. Ca. 1830, Orig. 47 cm x 36 cm. Staatsarchiv Solothurn
  • Zehnt-Pläne des Stifts St. Ursen: Pläne der zehntpflichtigen Güter in Grenchen. Pläne Nr. 11, 12, 13, 14. ca. 1820. Staatsarchiv Solothurn.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Walker war ein Freund Franz Josef Hugis. Als Geometer begleitete er Hugi auf verschiedenen Forschungsreisen in die Alpen.
  2. Die Regeneration 1830: Schweizer Geschichte - Der Weg zum modernen demokratischen Bundesstaat
  3. Die Schweiz im Zeitalter der Französischen Revolution: Schweizer Geschichte - Helvetische Revolution und Republik
  4. Proces Verbal als PDF.
  5. Teil-Transkription des Dokuments "Proces Verbal" als PDF.
  6. Falscher Mehltau auf Wikipedia
  7. Reblaus auf Wikipedia
  8. 8,0 8,1 Das Buch vom Grenchner Wein. Weinetiketten und Textbeiträge. Etiketten von Urs Dickerhof, Walter Emch, Urs Flury, Rolf Iseli, Marcel Niederhauser, Cuno Röthlisberger, Robert Schüll und Peter Travaglini. Texte von Gerald Lechner, Rainer W. Walter, Hans Kaufmann und Walter Emch. Grenchen: Galerie Toni Brechbühl, 1976. - 21 S., ill. Auflage 200 nummerierte und signierte Exemplare
  9. Verein Räbbuure vo Gränche bigott
  10. Gretulozuzi: Grenchner Tunnellochzusammenzieher