Uhrmachervokabular

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Vokabular zur Uhrmacherei, unter anderem verwendet von Adolf Gschwind in seinen Erinnerungen eines Eta-Arbeiters.

Fachausdruck Erklärung
Acheveur In der Uhrenindustrie Arbeiter, der die Funktionen der Hemmung einstellte; ehemals auch der Gehäusespezialist für den Zusammenbau der Taschenuhrgehäuse.
Adoucir Feinschleifen von Oberflächen.
Arbre Welle, in der Uhrmacherei Synonym für Federkern, bzw. Federwelle.
Balancier Unruh, in Verbindung mit der Spiralfeder Schwingsystem für den genauen Gang der Uhr; auch gebräuchlich für das Pendel oder eine manuelle Stanzpresse.
Barillet Federhaus, Käfig für die Zugfeder.
Bride Befestigungsvorrichtung, Haltevorrichtung; auch äusseres Ende der Zugfeder zum Anhaken im Federhaus.
Burin Drehstahl, Schneidwerkzeug.
Calibre/Kaliber Synonym für Abmessung und Formgebung eines Uhrwerkes; auch Schieblehre (Messwerkzeug) oder Geschossdurchmesser. Im Uhrenbau spricht man von Rund-, Oval- und Formkalibern, solchen mit einzelnen Brücken, mit Dreiviertelbrücke, mit sichtbarem Aufzug oder von Konstruktionstypen wie Lépine, Savonnette, Anker, Stiftanker, Zylinder, etc.
Calibriste Praktischer Uhrenkonstrukteur, der Modelle von Mechanismen erstmalig ausführte und erprobte und anschliessend die Methoden und Werkzeugfertigung für die Serienfabrikation begleitete. Er galt auch als Prototypenbauer.
Carré Welle mit quadratischem Ansatz oder Oeffnung mit quadratischem Querschnitt.
Colimaçon Schneckenhausförmig, besonders für spiralförmige Verzierungen auf Sperrad und Kronrad.
Coq Unruhkloben, Unruhbrücke.
Coulisse Gleitbahn, Schlitten, z.B. an Werkzeugmaschinen.
Cylindre Zylinderuhrwerk, Uhr mit Zylinderhemmung.
Décolletage Formdreherei mittels Langdrehautomaten (Décolleteuses).
Découpoir Stanzvorrichtung, auch Stanzmaschine oder Stanzwerkzeug.
Démonteur Arbeiter, der das Rohwerk zerlegte und Teile zur galvanischen Behandlung weiterleitete, aus der Zeit da die Einzelteile noch nicht austauschbar waren.
Ebauche Rohwerk; früher Werkplatte und Brücken, heute alle Teile des Uhrwerkes ohne die regulierenden Bestandteile.
Ebaucher Zurichten, grob verarbeiten, Rohling herstellen.
Ebavurer, Ebavage Entgraten, Säge-, Bohr-, Dreh- oder Fräsgrate entfernen.
Echappement Hemmung, hat in der Uhr die Aufgabe die Schwingungen des Schwingsystems zu unterhalten.
Entrée Einschnitt, Oeffnung, Kerbe; in der Uhr besonders die T-förmige Oeffnung in der Werkplatte für Aufzugs- und Schiebetrieb.
Etabli Uhrmacher-Werktisch, oft in Verbindung mit einem Schubladenstock (Layette) für Werkzeuge und Bestandteile.
Etamper Ausstanzen, Prägen.
Etampes Stanz- und Prägewerkzeuge.
Finissage fertigbearbeitung, letzter Schliff einer Arbeit. In der Uhrmacherei auch Fachausdruck für die Gesamtheit des Räderwerks.
Finisseur Allgemein der Arbeiter, der den letzten Arbeitsgang ausführt oder Arbeiter, der das Räderwerk der Uhr einsetzt und einstellt.
Fournitures Bestandteile, Einzelteile des Uhrwerkes.
Gouge Polierte Rille, konkave Eindrehung, auch Oelsenkung bei Lagerstellen. Oft angewandt zur Verkleinerung von Reibflächen oder auch als Dekorationselement bei Kron- und Sperrrad.
Grande Moyenne Grossbodenrad, auch Zentrumsrad oder Minutenrad.
Jauge Lehre, Kontrollwerkzeug für Masshaltigkeit.
Laminoir Walzwerk, zur Erlangung der zweckmässigsten Abmessungen des Ausgangsmaterials für die Fertigung; auch für die Walzgoldauflagen auf Buntmetallen für die Uhrengehäusefertigung verwendet.
Ligne Linie, Masseinheit zur Bezeichnung der Uhrwerkgrösse. Die Linie misst: 1’’’ = 2,255 mm.
Mince Platine In alten Uhren dünne, obere Werkplatte, die als Brücke die Organe eines Uhrwerkes mit Pfeilern überdeckt. Später wurde „Mince“ in unserer Gegend bis ca. 1960 als Bezeichnung für die Federbrücke verwendet.
Nickelage Tätigkeit um ein unedleres Metall mit einer Nickelschicht zu überziehen durch galvanische oder chemische Vernickelung mit Hilfe von in Bädern gelösten Salzen und Gleichstrom.
Noyure Ausfräsung, Eindrehung.
Oxydage Anbringen einer dekorativen Färbung auf Oberflächen von Metallteilen. Es geht dabei nicht um die reine Oxydation mit Sauerstoff, sondern um die Erzeugung einer chemischen Patina.
Perçage Bohren, Bohrung.
Pignon Trieb, Ritzel, in der Regel Zahnrad mit 6 bis 14 Zähnen.
Pignon coulant Schiebe- oder Kupplungstrieb.
Pignon remontoir Aufzugstrieb, steuert das Aufziehen der Zugfeder von der Aufzugskrone, über die Aufzugswelle bis zum Sperrrad.
Pivot Drehzapfen, der sich im festen Lager (coussinet) dreht. Der Lagerzapfendreher (Pivoteur) war als Arbeiter für die Anfertigung der Lagerzapfen zuständig.
Plantage Uebertragung der Lagerpositionen von Räderwerk, Hemmung und Unruh der Werkplatte auf die zugehörigen Brücken. Der Arbeitsgang wurde von der modernen Technik verdrängt.
Platine Werkplatte, welche die Brücken und die verschiedenen Teile des Uhrwerkes trägt.
Pointage Ankörnern der mittels Zirkel festgelegten Drehpunkte beweglicher Teile auf der Werkplatte. Die Tätigkeit wurde in der Folge von der Koordinatenbohrmaschine übernommen und gehört heute der Vergangenheit an.
Polissage Polieren, Aktion zum Glanzschleifen.
Poussette Drückstift, Druckknopf; in alten Uhren Drücker zum Zeigerrichten.
Préparage Vorbereitender Arbeitsgang.
Près goule Nachstanzen einer Vierkantöffnung.
Quinquet Ehemals Oel-Arbeitslampe des Uhrmachers nach Ami Argand, hergestellt durch Quinquet; heute elektrische Arbeitslampe mit Eisenfuss, Messinggestänge und grün-weissem Papier- oder Emailschirm. Umgangssprachlich: Gänggi.
Rainures de graissage Schmiernuten bei Gleitbahnen an Werkzeugmaschinen.
Raquette Rücker, Organ um den täglichen Gang der Uhr zu verändern, indem die aktive Spiralfederlänge verkürzt oder verlängert wird.
Réglage Tätigkeit des Einrichtens einer Produktionsmaschine. In der Uhrmacherei ehemals Tätigkeit der Verarbeitung von Unruh und Spiralfeder und deren Einbau in das Uhrwerk, inkl. Gangkontrolle. Auch Einregulierung einer Pendeluhr durch Verlängerung oder Verkürzung des Pendels.
Remontage Zusammenbau des Uhrwerkes.
Remonter Aufziehen einer Uhr, spannen der Zugfeder.
Remonteur Arbeiter, der die verschiedenen Teile des Uhrwerkes zusammenbaut bis zum Einbau der Hemmung. Anschliessend kommen der Acheveur und der Régleur zum Zug.
Remontoir Aufzugsmechanismus des Uhrwerkes.
„Renure“, rainure Nute, länglicher oder konzentrischer, dünner Einschrnitt.
Retouche Nachträgliche Feineinstellung des Ganges der Uhr, genauester Frequenzabgleich.
Rhabilleur / Rhabilleuse FacharbeiterIn für Instandstellungsarbeiten. In der Uhrmacherei ausgebildeter Fachmann, der sich in allen Sparten (Pendulerie, Kleinuhren, Elektronik) auskennt und Reparaturen fachgerecht ausführt.
Rochet In der Uhrmacherei Bezeichnung für das Sperrrad.
Roskopf Georg Friedrich Roskopf, 1813 - 1889. Er eröffnete 1868 in La Chaux-de-Fonds eine Uhrenfabrik, um in grossen Stückzahlen preiswerte Uhren herzustellen. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der industriellen Serienfabrikation. Das nach ihm benannte, vereinfachte Räderwerk und die angewandte Stiftankerhemmung wurden als Roskopfuhr erfolgreich bis in die Anfänge der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in grossen Stückzahlen gebaut.
Roulage Rollieren der Lagerzapfen von Drehteilen mittels Rollierfeile (Brunissoir) oder maschinell auf Wig-Wag-Maschine oder mit Rollierscheibe. Die Lagerzapfen erhalten dadurch die erforderliche Druckpolitur, die nicht nur eine feinst geläppte, sondern auch eine verdichtete Oberflächenstruktur zur Folge hat.
Sertissage Einsetzen der Lagersteine. Diese wurden früher gefasst in der Art der Edelsteine, heute mit Presssitz eingepresst.
Sertisseur Arbeiter, der die Steine fasste, oder heute einpresst.
Taillage Durch das Schneiden einteilen. In der Uhrenindustrie Synonym für das Verzahnen von Zahnrädern.
Tambour Federhaustrommel, mit oder ohne Verzahnung.
Taraudeuse Gewindebohr- oder Gewindeschneidemaschine.
Tasseau Träger, Auflage, kleiner Amboss oder Unterlage zum Nieten, Zeigersetzen, usw.: auch Werkzeugträger von Werkzeugmaschinen.
Tige Welle, Stift, zylindrischer Werkteil, der mit Zapfen, Fräsungen oder Gewinden versehen ist. In der Uhrmacherei Synonym für Aufzugswelle.
Tirette Stell- oder Kupplungshebel, der durch Zugbewegung betätigt wird.
Visiteur Kontrollarbeiter, Kontrolleur.

Quelle[Bearbeiten]

  • Erklärungen von Peter Aebi, Ing. HTL, Grenchen