Grenchner Allerlei in den 50er Jahren

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Abhandlungen über Design und Alltag der 50er Jahre gibt es zuhauf. Deshalb soll hier nur mit einigen markanten Hinweisen mit möglichst lokalem Bezug darauf eingegangen werden.

Design[Bearbeiten]

Beim Design der 50er Jahre verdeutlichen sich folgende Aspekte unmittelbar:

  • Starke Buntfarben, jedoch auch Pastelltöne
  • Organische Formen, Runddreiecke und Schlaufen
  • Dünne, konisch zulaufende Beine der Möbel und Apparate
  • Dünne Linien Formen durchlaufend oder in Rundungen und Kugeln endend

Es war auch dem Design der 50er Jahre nicht anders möglich, als sich an Formen vergangener Epochen zu orientieren, diese Formen umzugestalten und neu zu entdecken. So spielten in den 50er Jahren mitunter der Stil und die Stromlinienformen der 30er Jahre, das Bauhaus und der Italienische Futurismus eine befruchtende Rolle.

Die Kunsthistorikerin Corinna Wodarz schreibt:

„Das Einmalige an den 50er Jahren ist, dass nie zuvor und schon gar nicht danach das Design mit einer solchen Verbindlichkeit definiert und auch verwirklicht wurde.“

Der praktische Aspekt eines Objekts war für den Designer der Ausgangspunkt. Erst nach der Klärung der Funktionalität treten die ästhetischen Momente in den Arbeitsprozess ein, die jedoch die Funktionalität in keiner Weise einschränken durften. Das bedeutete nichts Anderes als die Unterwerfung der Aesthetik unter die Funktionalität. Eine Tatsache, die voll und ganz zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realität der 50er Jahre passte. Die Konsumgesellschaft und die Massenproduktion wirkten sich mit Vehemenz auf das Design aus. Um breite Käuferschichten anzusprechen, durfte der Entwurf nicht zu avangardistisch ausfallen, das Material durfte nicht zu teuer sein. So erblickte das käuferorientierte, schön gestaltete und praktische Produkt das Licht der Welt.

Führend waren in den 50er Jahren skandinavische, italienische und amerikanische Designer. Die Vertreter der neuen organischen Richtung arbeiteten mit geschwungenen Linien und weichen plastischen Formen. Als Materialen kamen Holz, Kunststoff und Metall mit schrillen Farben zum Einsatz. Das streng geometrische Ideal des klassischen Funktionalismus wird abgelehnt.

In Konkurrenz zur organischen Richtung stand der Neofunktionalismus mit seiner stark geometrisch ausgerichteten Konzeption. Diese Richtung strahlte nach einem Umweg über die USA auf Europa zurück und setzte sich etwa zwischen 1959-1965 durch.

In der Schweiz waren es vor allem Zeitschriften, die eine geschmacksbildende Rolle spielten und verkündeten, was unter Wohnkultur und gutem Geschmack zu verstehen war. Neben der Werbung in Katalogen und Prospekten nahmen Blätter wie Annabelle und Schweizer Heim ihren Einfluss war. Das Fernsehen hatte sich in der Schweiz noch zu wenig durchgesetzt, sein Einfluss war marginal.

Möbel[Bearbeiten]

Das was heute unter 50er Jahre Möbel verstanden wird, hatte gerade in den 50er Jahren Mühe sich voll durchzusetzen. Verfolgt man die Inserate in der Presse der 50er Jahre, ist man erstaunt, wie lange sich die konservativ-bürgerliche, dem „Landigeist“ verpflichtete Wohnform behauptete. Im Grenchner Tagblatt der 50er Jahre gab es kaum Inserate der einheimischen Möbelhändler mit Angeboten des Neuen Stils. Möbel Pfister Bern oder Bieler Möbelgeschäfte waren es, die im Grenchner Tagblatt die Neuen Möbel oder gemässigt moderne Möbel anboten.

Anfänglich waren es Möbel-Spezialgeschäfte wie Teo Jakob in Bern, die schon früh den Neuen Stil (oft Schwedenstil genannt) anboten. Grosse Möbelhäuser wie Möbel Pfister versuchten es in der ersten Hälfte der 50er Jahre mit einem gemässigt modernen Möbeldesign und erzielten damit befriedigende Verkaufsresultate. Schliesslich war es wieder Möbel Pfister, der in seinen Inseraten etwa ab 1955 den konsequenten 50er Jahre-Stil, den „Neuen Stil“ eben, abbildete. Als Ausweichangebot fand man im gleichen Inserat meistens ein Zusatzangebot mit konservativ oder gemässigt modern gebauten Möbeln. Mit den alten Möbelformen liessen sich ganz offensichtlich und nach wie vor hohe Umsätze erzielen.

Wie reagierten die Haushalte auf den Neuen Stil? Im gehobenen Abnehmersegment war es schon früh in den 50er Jahren üblich, sein Heim (Einfamilienhaus, Villa) konsequent oder einige Räume davon im modernen Stil einzurichten.

Die einfacheren Haushalte der Arbeiter und Angestellten in den Mietwohnungen hingegen blieben lange dem konservativen Möbelstil treu. Oft war es der Fall, dass man sich ein Kleinmöbel, einen einzelnen Polstersessel, Lampen oder andere Gebrauchsgegenstände im modernen Look anschaffte. Das Inventar der einfachen Haushalte durchmischte sich sehr häufig mit alt und neu.

Beide Richtungen, der Neue Stil und der konservativ-bürgerliche, später gemässigt moderne Stil waren voll präsent in den 50er Jahren. Die Stil-und Kunstgeschichte wie auch die Sammler nehmen meistens nur den Neuen Stil der 50er Jahre wahr.

Am Ende der 50er Jahre, mutierten die organischen Rundformen und das verspielte Design vermehrt zu kubischen Formen. Die 60er Jahre künden sich an mit strengerer Formgebung und dem kühlen geometrischen Design des Neofunktionalismus.

Die 50er Jahre waren das Jahrzehnt der Eheschliessungen und der „glücklichen“ Familie. Zusammen mit der boomenden Wirtschaft, dem geförderten Wohnungsbau und der intensiven Einwanderung der Gastarbeiter wirkte sich diese Tatsache positiv auf die Umsätze der Möbelproduktion und der Produktion der Haushaltsgegenstände aus.

Party[Bearbeiten]

Wussten Sie, dass die Party ein Kind der 50er Jahre ist? Selbst die Form Feste zu feiern, änderte sich in den 50er Jahren. Die unverbindliche, gesellschaftlich aber sehr wirkungsvolle Cocktail Party verbreitete sich blitzartig in ganz Europa. Wie so vieles in den 50er Jahren war auch die Party ein Kind der USA. Alles was von dort kam, war in Europa heilig, kritiklose Nachahmung war garantiert.

Ein paar Sätze aus einer zeitgenössischen Beschreibung der Cocktail Party klären, was an solchen Festivitäten abzulaufen hatte[1]:

„Ohne viel Mühe kann der Mondäne von heute drei solcher Veranstaltungen an einem Nachmittag bewältigen. Die Damen behalten die Hüte auf dem Kopf, man steht meist in Grüppchen aufeinander einschreiend herum, nippt an seinem Glas, greift zu einem Miniaturbratwürstchen mit Zahnstocher, raucht eine Zigarette, zerquetschet ein paar Pommes Chips und ist schon wieder fort zur nächsten Party.“

„Cocktailmenschen haben einen heftigen Drang zum Stehen, man kann so den Platz am leichtesten vertauschen, zum Stuhllehnensitz oder zum Hockerhocken. Man braucht also seine kostbarsten Stühle nicht zu bieten, eher einen weichen Teppich, denn im fortgeschrittenen Stadium findet der zivilisierte Mensch sich niemals so wohl, als wenn er sich unzivilisiert benehmen kann und einfach auf dem Boden sitzt. Dies natürlich erst, wenn die Offiziellen gegangen sind.

Mit einem gelungenen Cocktail – und er gelingt eigentlich immer – können Verpflichtungen von einem Jahr auf einen Schlag erledigt, Fernerstehende amüsiert und Freunde erfreut werden.“

An solchen Parties schlugen die Wogen hoch. Die Gastgeber hatten für Unmengen von Gin, Schaumweinen, Cognac, Rum und Fruchtsäften zu sorgen. Ueberall hatten Snacks und Häppchen bereit zu stehen. Der Nachschub, die Verteilung und das Mixen von Getränken waren eine zentrale Frage der Organisation.

Die Party-Kultur zog einiges nach sich in Sachen Accessoires. Ein neues und weites Tätigkeitsfeld für Designer und Produzenten von Haushaltsgegenständen entstand rund um die neue Art Feste zu feiern. Die Gastgeber hatten sich auszurüsten mit Anbietschalen, Salzstangenständern, Cocktailspiessen, Flaschenhaltern, Serviettenständern, Zigarettenhaltern, Trinkgefässen. Die Materialien: Messing, Messingdraht, Glas, Keramik, Holz, Korbgeflecht.

Mode[Bearbeiten]

Die Mode der 50er Jahre, tausendfach beschrieben, war einerseits recht konservativ brave Deuxpièces mit Blusen, elegante, linienbetonende Kleider für die Damen, klassische dunkle Anzüge mit weissem Hemd und Krawatte für die Herrenwelt. Die Krawatte der 50er Jahre war schmal, nicht selten geometrisch gemustert und vermehrt traf man auf Krawatten ohne Spitze. Begleitend zur Damenbekleidung kamen allerlei farblich passende Accessoires: der passende Damenhut auf dem Bubikopf, die formschöne Handtasche (Schlangen-oder Krokodilleder galten als besonders exquisit), feine Leder-oder Lochhäkelhandschuhe und an den Füssen die eleganten, ebenfalls passenden Schuhe.

Anderseits jedoch fand man vor allem bei der Jungen Mode die typischen Merkmale der 50er Jahre, die Petticoats eben, grossgetupfte Stoffe und die Haartracht mutierte bei Teenagern zum Pferdeschwanz. Zuerst noch etwas schüchtern dann immer selbstbewusster bekleideten sich Mädchen und Damen mit dem besten Stück der Herrenwelt, der Hose nämlich.

Die männlichen Teenager traten auf in schwarzen Lederjacken, spitzen Halbschuhen, Cowboystiefeln und Texanerhosen oder „Röhrchenhosen“, heute Blue Jeans genannt. Der Halbstarken-Look geisterte herum. Selbst die Hosenbeine der Anzugshosen gediehen zusehends enger und enger. Die Frisurenwelt der jungen Herren orientierte sich am Stil von James Dean und Elvis Presley.

Die wohl revolutionärste modische Neuheit erfuhr das Damenbein, dem man den eleganten und für viele fast unerschwinglichen Nylonstrumpf aus den USA überzog. Die Nylonstrümpfe waren so teuer, dass die Mädchen und Frauen sie mehrmals mit Spezialnähzeug flickten und die Laufmaschen mit Nagellack stoppten. In Deutschland bemalten sich Mädchen die Beine im Nylonlook – mit entsprechender Farbe und aufgemalter Naht. Die Bemalung schonte den Geldbeutel im Gegensatz zum teuren Kauf eines Paars Nylonstrümpfe.

Mobilität[Bearbeiten]

Motorfahrzeuge Schweiz 1950-1970

Jahr Autos  % von Total Motorräder  % von Total Total Total Index
1950 188'512 71.27 75'975 28.73 264'487 100
1960 573'780 66.32 291'326 33.68 865'106 327
*1970 1'524'036 91.48 141'956 8.52 1'665'992 630

(*1970 ohne Mofas)

Kanton Solothurn 1950-1970

Jahr Autos  % von Total Motorräder  % von Total Total Total Index
1950 5691 70.06 2'432 29.94 8'123 100
1960 17'215 64.08 9'649 35.92 26'864 331
*1970 48'212 91.09 4'713 8.91 52'925 652

(*1970 ohne Mofas)

Die Statistik der zugelassenen Motorfahrzeuge in der Schweiz und im Kanton Solothurn für die Jahre 1950, 1960 und 1970 belegt eindrücklich die Entwicklung der Massenmotorisierung. Der Motorfahrzeugsbestand versechsfachte sich innert 20 Jahren. Unter dem Einfluss der Motorisierung veränderte sich die Besiedlung der Schweiz dramatisch in eine Richtung die, wenn überhaupt, nur bedingt erwünscht war. Die Zersiedelung des Landes und die nachhaltige Veränderung des Alltagslebens stehen in direktem Zusammenhang mit Massenmotorisierung. Die neue Mobilität wirkte sich aus im Freizeitverhalten, Tourismus und vor allem im Berufs-und Wirtschaftsleben. Gesellschaft und Staat akzeptierten jedoch die eingeschlagene Richtung und versuchten sich anzupassen, so gut es ging. In ganz Europa hatte der Strassenbau hohe Priorität. So erhielt die Kantonsstrasse Solothurn-Grenchen einen feudalen Betonbelag, bewundert von allen motorisierten Verkehrsteilnehmern. Die Nation staunte über die fortschrittliche Strassenbautechnik. Die Welt erkor das Erdöl zum Energieträger Nummer Eins, die entstehenden Erdölgesellschaften freute es und ihre Lobbies applaudierten.

Die Schweiz begann in den 50er Jahren mit der Planung des Autobahnbaus und die Kantone verbesserten laufend das bestehende Hauptstrassennetz. Etwas musste geschehen. Schon in der zweiten Hälfte der 50er Jahre kam es zu massiven Verkehrsstaus in den Stosszeiten des Arbeitsverkehrs und des Ausflugsverkehrs an Wochenenden. Der Bestand der Automobile im Kanton Solothurn und in der Schweiz verdreichfachte sich im Jahrzehnt der 50er Jahre.

Pendlerstatistik Grenchen 1950-1970

Jahr Berufstätige in Grenchen wohnhaft Wegpendler Wegpendler in % Zupendler Zupendler in % Berufstätige in Grenchen
1950 6'970 379 5.44 3'580 51.36 10'171
1960 9'589 758 7.90 4'501 46.94 13'332
1970 11450 1'239 10.82 4'681 40.88 14'892

Die Pendlerstatistik bringt es an den Tag. Immer mehr Berufstätige liessen sich in der Uhrenstadt nieder, der Anteil der Zupendler war rückläufig. Die Zunehmende Anzahl der Wegpendler deutete sowohl auf die industrielle Entwicklung der Region als auch auf den Alltagskomfort des Wohnsitzes in einer städtischen Siedlung. Eine Eigenschaft, die sich Grenchen inzwischen zulegte.

Besonders interessant sind die über 51% Zupendler im Jahre 1950. Das war vermutlich ein Indikator der herrschenden Wohnungsnot. Es war in den frühen 50er Jahren kaum möglich, in Grenchen eine Wohnunterkunft zu finden. Wer in Grenchen arbeiten wollte, war gezwungen zu pendeln.

Uhrenindustrie und Fremdarbeiter[Bearbeiten]

Schweizerische Uhrenindustrie 1950-1970

Jahr Anz. Beschäftigte Zunahme Beschäftigte in % Anz. Uhren inkl. Rohwerke in Ausfuhr / Jahr Anz. Uhren pro Beschäftigte in Ausfuhr / Jahr Zunahme in %
1950 47'000 26.0 Mio. 553
1960 60'000 27.66 44.6 Mio. 743 34.36
1970 73'000 21.67 79.2 Mio. 1'084 45.90

Die Tabelle illustriert die positive Entwicklung der Produktion in der schweizerischen Uhrenindustrie aufgrund der Ausfuhrzahlen, die ziemlich genau der Produktion entsprechen. Zusätzlich zur Tabelle ist es interessant zu wissen, dass die Anzahl der Betriebe in den zwanzig Jahren nur unwesentlich änderte. Augenfällig ist die Zunahme der Anzahl produzierter Uhren pro Beschäftigten. Diese Tatsache belegt, dass die Produktionssteigerung neben dem wachsenden Personalbestand zum guten Teil mit Produktionsverbesserungen, Rationalisierungen zustande kam. Festzuhalten ist, dass die erreichte Produktionssteigerung nur möglich war unter dem Beizug ausländischer Arbeitskräfte.

Wohnbevölkerung Grenchen: Ausländeranteil

Jahr Wohnbevölkerung Davon Ausländer Anteile Ausländer in %
1950 12'650 788 6.23
1960 18'000 1'709 9.49
1970 20'051 3'639 18.15

In den 50er Jahren hatte sich der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung Grenchens um knapp 1000 Personen oder von 6.2 auf 9.5% erhöht. Bei der ausländischen Wohnbevölkerung Grenchens handelte es sich grösstenteils um Italiener. Der Wachstumskurs Grenchens und seiner Uhrenindustrie konnte dank der zuwandernden Italiener eingehalten werden. Probleme im Zusammenleben mit der ausländischen Bevölkerung gab es in den 50er Jahren keine. Sicher diskutierten die Grenchner an den abendlichen Stammtischen den zunehmenden Ausländerbestand und zeigten sich deswegen in Sorge. Verständigungsprobleme an den Arbeitsplätzen und im privaten Bereich führten mitunter zu Spannungen und Konflikten.

Dank der Italiener steigerten einige Immobilienbesitzer, Aerzte, Geschäfts-und Ladeninhaber ihre Einnahmen ganz schön, man profitierte also in vielen Bereichen. In den späten 50er Jahren passten sogar Grenchens Kinos ihre Programme an mit italienischsprachigen Filmvorführungen.

Kontakte zwischen der schweizerischen Bevölkerung und den sogenannten Fremdarbeitern blieben selten. Die Italiener verkehrten unter sich, traten bestehenden Italienerorganisationen bei und gründeten eigene Vereine.

Medien und Kommunikation[Bearbeiten]

In der Stadt Grenchen der 50er Jahre war das Angebot im Sektor Medien und Kommunikation auf zeitgemässem Stand. Die Telefonie eroberte im Jahrzehnt der 50er Jahre die Haushalte. Waren anfangs der 50er Jahre 43.8% der Schweizer Haushalte mit Telefonanschlüssen ausgestattet, lag schon am Ende des Jahrzehnts ein ganz anderes Bild vor. Wer noch 1950 in Grenchen einen Telefonanschluss sein eigen nannte, nahm auch wichtige Meldungen für die Nachbarn entgegen. Entweder holte man die lieben Nachbarn ans Telefon oder man übermittelte ihnen als Bote die erhaltene Nachricht.

Die Leistungsfähigkeit und Kapazität der Telefondienste verbesserte sich zusehends. Allein mit den Installationsfristen haperte es. Dennoch war es Ende der 50er Jahre so, dass schon mehr als zwei Drittel der Haushalte mit Telefonanschlüssen ausgestattet waren.

Telefonie, Radio und Fernsehen in der Schweiz

Jahr Anz. Telefonanschlüsse In % der Haushalte Anz. Konzessionierte Rundfunk Anschl. In % der Haushalte Anz. Konzessionierte Fernseh Anschl. In % der Haushalte Anz. Haushalte
1950 574'510 43.8 1'036'710 79.0 1'312'204
1960 1'090'975 68.4 1'444'975 90.7 128'956 8.1 1'594'010
1970 1'945'168 94.3 1'851'612 89.8 1'273'893 61.8 2'062'438

Die 50er Jahre waren das Jahrzehnt des Radios! Die beliebten Gotthelf-Hörspiele, die Hörspiel-Serien von und mit Schaggi Streuli bannten ganze Familien vor das Radiogerät. Voller Spannung fieberte man den nächsten Folgen entgegen. Stets ein Ereignis waren am Montag das Wunschkonzert, unterbrochen um 20.30 Uhr vom Briefkasten und die samstäglichen Bunten Abende aus dem Bernhard-Theater, moderiert von Rudolf Bernhard. Mittags, punkt 12.30 Uhr, richtete die Nation die Uhren nach dem Zeitzeichen vor der Nachrichtensendung.

Das Schweizer Fernsehen (Start 1953) steckte noch in den Kinderschuhen, legte aber in den 60er Jahren mächtig zu. Die Grenchner Fernsehzuschauer richteten ihr Augenmerk schon bald nach Deutschland. Das Deutsche Fernsehen begann schon am späten Nachmittag zu senden, wartete auf mit populären Sendungen und noch mehrheitlich amerikanischen Serien. Die Folge des Flirts mit dem Deutschen Kanal: auf Grenchens Dächer erhoben sich immer mehr Antennen in den Himmel, alle brav ausgerichtet auf die Lücke des Mürenpasses unter der Hasenmatt. Von dort strahlte offenbar das intensivste Sende-Signal des deutschen Senders nach Grenchen.

Neuigkeiten entnahmen die Grenchner der Lokalpresse. Da waren das Grenchner Tagblatt (FDP), Das Volk (SP), die Solothurner Zeitung (FDP) und die Solothurner Nachrichten (CVP), die täglich in vielen Grenchner Briefkästen landeten. Wöchentlich einmal brachte der Brieftäger den Leberberger Anzeiger und den Grenchner Stadtanzeiger, beides Gratisanzeiger, in alle Haushaltungen. Zur Unterhaltung abonnierten fast alle Familien illustrierte Wochenzeitschriften wie die Sie+Er, die Schweizer Illustrierte Zeitung, Schweizer Heim, Die Schweizer Familie, Annabelle, Das Gelbe Heft, In freien Stunden und wie sie alle hiessen. Abends hatte man viel Zeit zum Lesen. Ausgesprochene Leseratten benützten selbstverständlich die Stadtbibliothek Grenchen.

Presseprodukte aus Deutschland gehörten schon bald zum Angebot in den Kioskauslagen. Der Stern, Die Bunte, Quick, Film und Frau zählten dazu, die Jugend erwartete ungeduldig die neuen Nummern des Mickey Mouse-oder des Tarzan- Heftchens. Der Markt der Comicshefte entfaltete sich mit Erfolg in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts. Das blühende Geschäft mit den Comics-und Romanheftchen beunruhigte die Grenchner Lehrerschaft. Die Lehrer fürchteten eine negative Beeinflussung der Jugend. So veranstalteten die Schulen in der zweiten Hälfte der 50er Jahre sogar eine Schundsammlung. Gegen ein Bündel Schundhefte gab die Schundsammelstelle ein gutes Jugendtaschenbuch ab...

Haushaltstechnik[Bearbeiten]

Die rasche Verbreitung technischer Haushaltsgeräte war charakteristisch für das 50er Jahrzehnt. Die Hausfrauen erhielten eine wirkungsvolle Hilfe in Küche und Haushalt. Sehr starke Verbreitung fanden Kühlschränke, Nähmaschinen, Dampfkochtöpfe, elektr. Bügeleisen, Waschmaschinen und Mixer. Das Ausmass der Verbreitung der Haushaltsapparate hält eine Untersuchung des Beobachters fest, die er 1950 und zehn Jahre später, 1960, von der Schweizerischen Gesellschaft für Marktforschung (GfM) durchführen liess.

In Grenchen nahm die Anzahl der Frauen zu, die sich beruflich betätigten und mit ihrer Arbeit das Familienbudget erweiterten. In den Uhrenfabriken war es üblich, dass die Frauen ihre Mittagspause auf 11.00 Uhr – 13.00 Uhr legten. Um 11.00 Uhr schwärmten sie aus der Fabrik, erledigten in aller Eile zwei drei Einkäufe und rannten nach Hause. Bis 12.00 Uhr richteten sie zu Hause das Mittagessen für die ganze Familie. Teile der Mahlzeit hatten sie schon am Vorabend vorgekocht, um mittags etwas Zeit zu gewinnen. Schon gegen 13.00 Uhr eilten sie wieder in die Fabrik zur Arbeit. Dass er Ehemann im Haushalt mithalf, war unüblich. Er wollte von seiner Frau bedient werden. Der Dauerstress, dem diese Frauen und Mütter ausgesetzt waren, zerrte an ihrer Gesundheit. Nicht selten hielten sie dieser Belastung nur stand unter der täglichen Einnahme von Medikamenten, Aufpeitschungsmitteln. In Grenchen nannte man diese Fabrikarbeiterinnen „d’Öufi-Fraue“, die Elf Uhr Frauen. Viele von ihnen opferten die Gesundheit für etwas mehr Familienwohlstand oder um monatlich ein paar Franken mehr auf die Bank zu tragen.

Gerade für die berufstätige Frau waren die neuen Apparate eine Hilfe und Entlastung im Haushaltsalltag. Vorausgesetzt, der Ehemann gönnte ihr diese Erleichterungen. Das Familienbild der 50er Jahre war hierarchisch, bestimmt durch die dominierende Rolle des Ehemanns. Diese Tatsache manifestierte sich nachhaltig im Jahre 1959 bei der eidgenössischen Abstimmung über das Frauenstimmrecht: Ablehnung im Verhältnis 2:1.

Ferien und Freizeit[Bearbeiten]

Uhrenmacherferien[Bearbeiten]

In den 50er Jahren hatten fast alle Arbeiter und Angestellten der Uhrenindustrie ein Anrecht auf 2 Wochen Ferien pro Jahr. Die Uhrenindustrie legte jeden Sommer zum festgeschriebenen Termin (zweite uli-Hälfte bis anfangs August) die Arbeit nieder, die Produktion stand still – Uhrenmacherferien!

Die politische Situation in Europa war so weit stabilisiert, dass schon viele Grenchner Uhrenmacher preiswerte Ferien im Ausland verbrachten. Die Sehnsucht nach dem Süden, nach Italien war weit verbreitet als Kontrast zum rauen Arbeitsalltag in den Fabriken. Beliebte Ferienziele waren die Umgebung von Venedig und die Adriatische Küste. Die äusserst preiswerten Ferienangebote dieser Region lockten viele Schweizer Touristen. Reisen ins Ausland hatten noch etwas Abenteuerliches an sich, ob mit dem Zug, seltener mit dem Reisecar unternommen oder, noch ganz selten, schon mit eigenen Automobil spielte keine Rolle.

Für seine Grenchner Arbeiterkollegen organisierte Libero Belloni während Jahren Italienferien. Seine Reiseziele waren Jesolo und Chioggia / Sottomarina. Libero Belloni stammte selber aus Norditalien und beherrschte die italienische Sprache. Eine Tatsache, die ihm die Organisation der Ferien erheblich erleichterte. Gereist wurde mit der Eisenbahn. Bellonis Sohn erinnert sich heute, wie er jeweils am Reisemorgen mit dem Zug von Grenchen-Nord nach Moutier fuhr, um dort schon in den Schnellzug nach Brig einzusteigen und den reservierten Wagen mit den nötigen Anschriften zu versehen. So erkannte die in Grenchen wartende Reisegruppe sofort, wo sie einzusteigen hatte und wo sich die reservierten Plätze befanden. Libero Belloni organisierte die Reisen in den Süden völlig uneigennützig. Für sich verlangte er weder Kommissionsprozente noch irgendwelche Aufschläge oder Honorare. Eine vorbildliche Leistung, die von hoher sozialer Gesinnung zeugte! Viele Grenchner Uhrenarbeiter durften dank Libero Belloni Jahr für Jahr mit ihren Familien unvergessliche und erst noch günstige Ferien in der Sonne Italiens verbringen. Von den Erinnerungen an diese herrlichen Tage zehren heute noch etliche Grenchnerinnen und Grenchner.

Selbstverständlich verbrachten die Uhrenmacher ihre Ferien auch in der Schweiz. Das war sogar das Uebliche. Die klassischen Destinationen in den Alpen, an den Seen und im Tessin waren schon damals sehr beliebt. Man mietete eine Ferienwohnung zusammen mit einer befreundeten Familie oder leistete sich einen Ferienaufenthalt in einer einfachen Familienpension. So konnte auch die Mutter die Ferien mitgeniessen.

Grossen Zuspruch fanden die Ferienangebote der Verbände und Gewerkschaften. Die als Genossenschaft im Jahre 1939 gegründete Schweizer Reisekasse (REKA) war in den 50er Jahren mit ihrem attraktiven Angebot schon lange und landesweit ein Begriff.

Ende der 50er Jahre schon galt es als schick, mit dem Flugzeug der Swissair nach Mallorca oder nach den Kanarischen Inseln zu fliegen. Ein Luxus zwar, den sich Alleinstehende und Paare mit gutem Einkommen aber schon leisten konnten.

Und in Grenchen, wer blieb zu Hause? Schon in den 50er Jahren war Grenchen während den Uhrenmacherferien eine fast ausgestorbene Stadt. Wer arbeitete, traf auf dem frühmorgendlichen Gang zur Arbeit oft keinen Menschen. Erst zwischen 9 Uhr und 10 Uhr begegnete man den ersten Daheimgebliebenen in den Strassen der Stadt. Seit 1956 gibt es in Grenchen ein Schwimmbad, der geeignete Ort um Ferien zu Hause zu verbringen. Nördlich der Stadt erhebt sich der Jura, „dr Bärg“, ein Wander-und Erholungsgebiet erster Güte auch heute noch.

Das Angebot des Carunternehmens H. Vollenweider AG enthielt für Daheimgebliebene tolle Ausflugsziele zu günstigen Preisen. Die beiden Bahnhöfe Grenchens luden ein, Tagesausflüge mit der Eisenbahn zu unternehmen. Sehr beliebt waren die Car-oder Bahnreisen unter dem Motto „Fahrt ins Blaue“. Die Reiseteilnehmer kannten das Reiseziel nicht, die „Fahrt ins Blaue“ war voller Ueberraschungen. Garantiert war die gute, reichhaltige Verpflegung irgendwo in einem bekannten Gasthof.

Vereinsleben, Geselligkeit, Sport[Bearbeiten]

In den 50er Jahren blühte das Vereinsleben. Chorgesang und Blasmusik, Klassische Musik und Kirchenmusik hatten in Grenchen grosse Bedeutung und bewegten sich auf erstaunlichem Niveau. Da waren der Orchesterverein Grenchen, verschiedene Gesangsvereine (Unionschor, Männerchor Liederkranz, Gemischter Chor, Cäcilienverein, Reformierter Kirchenchor) und drei Metallharmonien: die Helvetia, die Eintracht und die Musikgesellschaft Konkordia. Grenchen war seit je her eine Stadt des Sports. Den Sport erkannten die Grenchner schon früh als wichtigsten Ausgleich zur Konzentrationsarbeit in den Uhrenfabriken. Die Sportvereine hatten denn auch grossen Zulauf. Allen voran der Fussballclub Grenchen und der Turnverein Grenchen. Sorgen um die Existenz der Vereine und Mitgliederschwund kannte man tatsächlich noch nicht. Die vielen Vereine entfalteten übers Jahr eine rege Aktivität, in Form von Veranstaltungen, Wettkämpfen, Festen, Theater- und Operettenaufführungen. Geselligkeit, Fest und Freude gehörten zur Vereinskultur.

Grenchen eröffnete das Jahrzehnt der 50er Jahre mit einem eidgenössischen Grossanlass, dem Eidgenössischen Schwing-und Aelplerfest am 22. und 23. Juli 1950. Der Fest-und Wettkampfbetrieb spielte sich im weiteren Umfeld des Fussball- und Turnerstadions im Brühl ab. Die Organisation des Festes war eine grosse Herausforderung für Grenchen, die das über 80 Mitglieder zählende Organisationskomitee mit Oberst Fritz Grimm an der Spitze annahm und mit Bravour bewältigte. Die PTT gab einen Sonderstempel aus, der in einem als Postbüro eingerichteten Postauto zu beziehen war. Zwei Pro Patria Marken des Jahres 1950 passten ausgezeichnet zum Sonderstempel und zum Schwing-und Aelplerfest: Schwingkampf und Steinstossen mit dem Unspunnenstein.

Das Grenchner Jahrzehnt der 50er Jahre klingt aus wieder mit einem ganz grossen Ereignis: Der FC Grenchen gewinnt 1959 gegen den FC Servette Genf den Cup- Final und wird Sieger des Schweizer Cups.

Rollerkult[Bearbeiten]

Junge und Junggebliebene setzten sich auf ihre Vespa oder Lambretta und sausten los ins Grüne, unternahmen Schweizerreisen, ganz Wagemutige rollten sogar über die Landesgrenzen. Die Roller-Kultur war ein Bestandteil der 50er Jahre. Die junge Generation erlebte mit der Vespa oder Lambretta das, was sie Freiheit nannte. Die Anschaffung eines Rollers lag für viele im Bereich des Möglichen und, wie es die Statistik belegt, machte man regen Gebrauch von dieser Möglichkeit. Gleichgesinnte gründeten Rollerclubs, die neben der technischen Selbsthilfe auch Ausflüge, Reisen und gesellige Anlässe organisierten.

Im Kanton Solothurn waren 1960 über 3'000 Roller im Verkehr, schweizweit waren es sage und schreibe 96'000, ein statistischer Höhepunkt!

Parktheater[Bearbeiten]

Im September 1956 eröffnete Grenchen sein neustes Wahrzeichen, das Parktheater, mit verschiedenen Anlässen. Ein Bau von klarer Schönheit war entstanden. Kubische Formen gebrochen durch Diagonalen im Verbund mit warmen Baumaterialen: Backstein, Kupfer und im Innenraum Holz, viel Holz. Anfänglich oft verspottet als „Blöchlischopf“, zeigen sich heute, nach einem halben Jahrhundert, die Merkmale des klassischen Bauwerks: in der Proportion ruhende Dynamik, augenfällige Harmonie und Ausgewogenheit, Funktion und Aesthetik verschmelzen zur Einheit. Das Parktheater ist Grenchens Jahrhundertbauwerk!

Den Höhepunkt des Einweihungsprogramms bildete ganz eindeutig die Aufführung von Mozarts Zauberflöte am 19. September 1956, dargeboten vom Ensemble des Stadttheaters Bern. Mit dem Parktheater bietet Grenchen eine Plattform für Konzert-, Opern-und Theaterkultur auf hohem Niveau.

Als Mehrzweckbau dient das Parktheater nicht nur der hohen Kultur, sondern auch den Bedürfnissen des gesellschaftlichen Lebens der Uhrenstadt. Von Gemeinderatssitzungen, Vereinsanlässen, Modeschauen, Maskenbällen bis hin zum Kongress und zur internationalen Ausstellung reicht die Palette der Anlässe in seinen Räumen.

Der dauernd geöffnete Restaurantbetrieb des Parktheaters ist in Grenchen einer der beliebtesten Treffpunkte für breite Kreise der Bevölkerung.

Kinos[Bearbeiten]

Am Anfang des Jahrzehnts waren in Grenchen zwei Kinos in Betrieb: Sirius und Palace. Popularität des Films, zunehmende Verfeinerung der Film-und Tontechnik in Verbindung mit der wachsenden Filmproduktion in den USA und im Nachkriegseuropa. waren wohl der Anlass, dass die Familie Erwin Ballabio-Baumann sich entschloss, in Grenchen ein weiteres Filmtheater zu eröffnen. Die gute Wirtschaftslage der Uhrenindustrie und der Bevölkerungszuwachs in Grenchen erleichterten den Entscheid zusätzlich. Mit dem Film „Don Camillo und Peppone“ eröffnet Erwin Ballabio im April 1953 das Kino-Theater Scala im Sorag-Gebäude am Marktplatz in Grenchen. Der neue, ganz im Stil der 50er Jahre dekorierte Saalbau bot 479 Personen Platz, davon fanden 149 auf der leicht erhöhten Estrade einen freien Blick auf Bühne und Leinwand. Im Scala flimmerten nicht nur Hollywoods neuste Produkte über die Leinwand. Das Kino-Theater Scala verfügte über eine komplette Bühneneinrichtung und es fanden in den ersten Jahren nach der Eröffnung tatsächlich einige Theateraufführungen statt. So traten im Scala u.a. Fredi Schein und Rudolf Bernhard auf. Später jedoch, als ab 1955 in Grenchen der moderne Theatersaal des Parktheaters zur Verfügung stand, diente der Scala -Saal ausschliesslich für Filmvorführungen.

Etwa fünf Jahre später, am 11. Dezember 1958, öffnet das vierte Kino in Grenchen, das Cinéma Rex, seine Pforten. Der grosse Saalbau neigt mit seinem geometrisch- geradlinigen Einrichtungsstil schon deutlich in Phase des Neofunktionalismus der späten 50er Jahre. Zur Eröffnung lief der Streifen „Duell im Atlantik“ mit Robert Mitchum und Curd Jürgens.

Rock’n’Roll, Halbstarke, Spielsalon und Schlager[Bearbeiten]

Die Jugendlichen hatten Probleme im Ungang mit den tradierten Verhaltensmustern und Werten, die Elternhaus, Kirche und Schule vermittelten. In einer Realität zu leben, zu der diese Vorstellungen voll im Widerspruch standen, löste zum grossen Teil die Jugendrebellion aus. Halbstarkenkrawalle und ein Halbstarkenproblem gab es nicht in Grenchen. Jugendliche, die im Rock’n’Roll den Ausdruck ihrer Rebellion fanden, die sich entsprechend kleideten und benahmen allerdings schon. Die Grenchner Bevölkerung sprach sie auch als Halbstarke an.

Die neue Musik der Jungen, der Rock’n’Roll, galt als unzivilisiert und als „Negermusik“. Eine Musik, die von Moralisten und Bildungsbürgern unermüdlich mit Kriminalität und Gewalt in Verbindung gebracht wurde. Man war überzeugt, dass sich in den Spielsalons und in Lokalen, wo diese Musik zu hören war, nur lichtscheue Gestalten und Kriminelle herumtrieben. Attribute der Kleidung wie Blue Jeans, Cowboy Stiefel und Lederjacke reichten, um sehr negativ eingestuft zu werden. Eine Schweizer Tageszeitung titelte: „Der Spielsalon ist das beste Lehrwerkzeug für zukünftige Verbrecher.“ Die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung liess sich unter dem Eindruck der Halbstarkenkrawalle in Deutschland (1956) sogar zu folgendem Satz verleiten: „Die Gefahr durch die Halbstarken ist schlimmer als die Atombombe.“

Im Sorag-Haus, links neben dem Kino Scala , befand sich der Eingang in den Spielsalon. Den gab es in Grenchen, eine kurze Zeit nur. Das Lokal besuchten die eben erwähnten „Typen“ und auch „normale“ Bürger, die Freude hatten an der modernen Musik der Jungen und Spass fanden an den paar Spielautomaten und der Jukebox die dort herumstanden. Die Schaufenster des Spielsalons waren aus Milchglas, um den Anblick dieser „Lasterhöhle“ nicht freizugeben. Schulbuben und Neugierige erhaschten dennoch ab und zu einen Blick durch die Türe, wenn ein Kunde ein-oder austrat.

Neben der Rock’n’Roll Musik, die sich in der Schweiz erst spät in den 50er Jahren durchsetzte, dröhnten die neusten deutschen Schlager aus dem Koffer-Plattenspieler. Die Jugend hörte Radio Luxemburg. Dort informierten sich die Teens über das neuste aus dem Show Business. Namen und Titel wie Freddy Quinn, Cornelia Froboess, Silver Moon, Sugar Baby, Peter Kraus, Rex Gildo sausten durch den Aether.

Die seit 1956 erscheinende Zeitschrift für die Jungen hiess „Bravo“, ein ganz typisches Produkt der 50er Jahre. Die Marktforschung entdeckt die Teenager als potente Käuferklasse. „Bravo“ empfiehlt, welche Produkte in Mode sind und der Schönheit dienen. Neben den Themen Film, Schlager, Musik, Kosmetik, Liebe und Flirten bringt „Bravo“ ganz langsam, vorsichtig auch Sexualität und Aufklärung in seine Inhaltsverzeichnisse.

Neben der Freude an Stars und Schlager war die Grenchner Jugend gut integriert und motiviert, sich auszubilden in Beruf und Studium. Die aktive Mitgliedschaft in Vereinen und Jugendorganisationen war in den 50er Jahren eine Selbstverständlichkeit.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Ursula von Kardorff: Man muss sich nur zu helfen wissen. München, 1954).