Die alte Archbrücke

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Plan der Archbrücke 1874.
Die Archbrücke im Jahre 1941.
Alexandre Gustave Eiffel, 1832-1923.

Das Geheimnis einer einfach konstruierten Stahlbrücke

Seit 1874 verband eine Brücke über die Aare die Gemeinden Arch und Grenchen. Die Brücke war eine französische Eisenkonstruktion und ein Beispiel der Ingenieurkunst. In Grenchen war hin und wieder zu hören, Alexandre Gustav Eiffel, der Erbauer des Pariser Eiffelturms, habe die Pläne zur Brücke ausgearbeitet. Galerist Toni Brechbühl gab 1973 ein Buch unter dem Titel „Die Brücke von Arch“ heraus. Auch hier ist von Eiffel die Rede.

„Dass sie ausgerechnet mit diesem welschen ‚Mösjö' weggezogen war, begriff niemand in Staad. Dabei hätte sie ring einen Selzacher oder warum nicht gar einen Grenchner nehmen können“, ereiferte sich Gertrud Schaad und hieb mit ihrer Haue noch einmal so kräftig in die Erde ihres Pflanzplätzes. Die Geschichte, über die sich Gertrud Schaad derart aufregt, liegt allerdings gute hundert Jahre zurück und niemand von den Heutigen hatte sie selber erzählt. Dass der „welsche Mösjö“ damals alle Staader verletzt hat, vergessen sie ihm heute noch nicht. „Von mir aus können sie das Ding in die Luft sprengen. Ich auf jeden Fall mag nichts Schönes an ihr zu sehen, wie sie in der Zeitung jetzt immer schreiben. Schützen soll man sie, wird verlangt. Aber die alte Post haben sie abgerissen und dafür das kleine Betondruckli hingestellt. Aber so sind die Grenchner und so bleiben sie“, meinte Getrud als man davon sprach, die historische Brücke so oder so zu erhalten.

Bevor die Archbrücke erbaut worden war, versah ein Fährmann aus Arch den Fährdienst über die Aare. Diese Dienstleistung war nicht billig. Wer ein Fuder Heu über die Aare setzen lassen wollte, musste bereits 1823 einen Franken fünfzig bezahlen; eine recht grosse Summe. Zum Aerger jener Staader Landwirte, die auf Archer Boden Land besassen und deshalb auf die Dienstleistungen des Fährdienstes angewiesen waren, mussten die Archer für jede Überfahrt weniger bezahlen, als sie.

Wohl nicht zuletzt aus diesem Grunde einigten sich die beiden Gemeinden Arch und Grenchen und später auch die Kantone Bern und Solothurn, den Fährdienst einzustellen und die Ufer mit einer Brücke zu verbinden.

Wer die Chronik des historischen Brückenbaus studiert, stellt fest, dass nur gerade von den Kosten die Rede ist (man rechnete mit 140'000 Franken). Dann ist die Rede von der Einweihungsfeier am 7.November 1874. Ein dreijähriges Kind ritt auf einem Schimmel ganz allein als erstes Lebewesen über die vollendete Brücke. Zwischen dem Tag der Kreditbewilligung und jenem der Einweihungsfeier aber lag eine lange Zeit von zwei Jahren, vier Monaten und drei Wochen. Eine Zeit, in der sich nicht nur eine Brücke erbauen liess...

Irgendwann in dieser Zeit erschien ein gewisser Herr Eiffel in Grenchen. Er arbeite in einem Berner Ingenieurbüro, wurde erzählt. Er sei Spezialist für die neuen Eisenkonstruktionen, die in Frankreich gepflegt würden. Zudem sei Eisen natürlich viel beständiger, faule nie und könne mit neuen Mitteln gegen Rost geschützt werden. Eisenbrücken seien deshalb viel billiger, als herkömmliche Bauten. Solches hörten die Grenchner gerne. Seit sie nämlich mit ihrem Uhrenhandel und der Uhrenfabrikation derart Erfolg hatten, waren sie darauf erpicht, immer mit der Zeit zu gehen. In der Gegend hatte man jedoch noch wenig Erfahrung mit dem Bau von Eisenbrücken, weshalb Herr Eiffel beigezogen worden sei, um an einem Beispiel zu zeigen, was man mit Eisen bauen könne.

Damit er möglichst nahe beim Bauwerk sei, logierte Herr Eiffel im Gasthaus der Familie Strausack. Oft sass er abends in der Gaststube und erzählte den Staadern in einem wie Paris aussehe und wie man dort lebe. Alles und jedes wollten ihm die Zuhörer jedoch nicht glauben. Besonders nicht mehr, nachdem er ihnen erzählt hatte, er wolle einen gut dreihundert Meter hohen Stahlturm aufbauen. Wenn er auch unmögliche Geschichten erzählte, für Unterhaltung abends war gesorgt.

Doch nicht allein die Staader Männer unterhielt der Franzose ausgezeichnet; den jungen Staaderinnen gefiel er von Tag zu Tag besser, und sie hörten ihm stundenlang zu, wenn er von Modehäusern erzählte. Vor allem eine, die Walker Vreni, liess sich vom jungen Ingenieur beeindrucken. Was alles sich in der Zeit zwischen dem Stammtisch beim Strausack und Mitternach ereignet hatte, man wusste nichts Genaues. Am „Hölzligraben“ seien die beiden gesehen worden, wurde etwa berichtet.

Eines Abends aber warteten die Staader vergebens auf ihren Pariser-Turmbauer, und Walkers suchten vergebens ihr Vreni. Man habe sie in Paris gesehen, hiess es einige Jahre später. Eine richtige Dame sei sie geworden und fahre in einer Kutsche herum. Als der Eiffelturm eingeweiht worden war, sah man auf Bildern wie sie Staatspräsidenten und Königen die Hand reichte. Aber ganz sicher, ob es tatsächlich die Staaderin gewesen war, weiss niemand. Obwohl inzwischen über hundert Jahre verstrichen waren, erzählte man die Geschichte vom Ingenieur aus Paris und der jungen Staaderin, die offensichtlich seinetwegen den Kopf verloren hatte, noch immer. Und dann ärgerten sich die Staaderinnen über den welschen Mösjö.

Hunderteinundzwanzig Jahre nach der Einweihung der Eiffelbrücke über die Aare, intensivierten die Kantone Solothurn und Bern den Bau einer neuen Aarebrücke, welche das historische Bauwerk ablösen soll. Unter den Ingineuren, welche den Bau begleiteten, war auch ein junger Franzose. - „S'usgspeute Vreni!“ urteilten die Staaderinnen, als sie ihn eines Tages am Stammtisch beim Strausack parlieren sahen.

Quellen

(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)