Bachtelenbad - Als das Grenchenbad seine Renaissance erleben sollte

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Mit dieser sehr schönen Karte warb Adolf Boss für sein Badunternehmen im Bachtelentälchen.
Preisliste.
Preisliste.

Zwei Bieler Unternehmer erwarben von kurz vor 1900 das Grenchenbad und wollten es unter der Direktion von Adolf Boss zu neuer Blüte bringen. Allein der Versuch misslang. Dem Grenchenbad fehlte die mondäne Ambiente.

Die Geschichte begann eigentlich recht vielversprechend: 1898 erwarben der Bieler Schirmfabrikant Jakob Blumenstein und der Bözinger Metzgermeister Jakob Flückiger von den Erben Breidensteins das ehemalige Bachtelenbad mit allem drum und dran. Die beiden Bieler beabsichtigten, das einst berühmte Bad in lokal-mondäner Ambiente wieder auferstehen zu lassen und fanden in der Person von Adolf Boss, der in Meiringen höchst erfolgreich den “Wilden Mann” geleitet hatte, den idealen Hoteldirektor. Adolf Boss liess das Haus umbauen, modernisierte die Badezellen, die noch aus der Zeit des Grenchenbad der Girards stammten, führte das Acetylenlicht ein und gestaltete den Park zu einer romantischen Anlage mit kleinen Seelein, Grotten und Inselchen um. Eine ideale Umgebung, in der man Ferien geniessen konnte. Als erfolgreicher Hotelier verstand es Adolf Boss, die Vorteile des neuen Bades ins rechte Licht zu rücken. Die grosse Vergangenheit des Ortes kam ihm dabei wie gerufen. So lesen wir in seinem Prospekt: “Das Bad und Kurhaus Grenchen hat vor allen ähnlichen Etablissementen einmal den interessanten Umstand voraus, dass es eine Geschichte in grossem Styl besitzt. In seinem Boden sind Reliquien des von Landsleuten vergötterten , edlen Polenführers Kosciuszko vergraben gewesen; seine Mauern haben den italienischen Märtyrer Giuseppe Mazzini in kritischer Zeit seinen Häschern verborgen, und hier hat der nachmalige badische Minister Karl Mathy im Exil als Gründer der Bezirksschule Grenchen mit seiner ihren Lehrer verehrenden Jugend den ‚Hans Waldmann' in Scene gesetzt. Diese Ereignisse und damit auch unser Bad, haben ihre begeisterten Sänger gefunden, und zwar keine geringeren als Gustav Freitag und den Italiener Giovanni Ruffini, welch letzterer besonders in seinem Buch ‚Ein stilles Plätzchen im Jura' für sein ‚Schrankbad' wie er es nennt, eine geradezu schwärmerische Liebe bezeugt.” Adolf Boss begnügte sich nicht mit der Aufzählung der historischen Höhepunkte, welche die Geschichte des Bades auszeichnen. Nach der historischen Einleitung stellte er seinen zukünftigen Kunden das Haus in den schönsten Farben vor: “Die Hotelgebäulichkeiten sodann sind zwei mächtige Bauten, welche neben den gewaltigen Räumen der Haushaltung, neben den zahlreichen, modern eingerichteten, heizbaren und mit Acetylen taghell erleuchteten Badezimmern zwei Säle von seltener Grösse und Ausstattung und Raum für 150 Kurgästen in verschwenderischer Weise bieten.“ Seine Gästen empfahl Adolf Boss sportliche Betätigungen, das damals sehr beliebte Croquet beispielsweise oder das Law Tennis. Spaziergänge in der Umgebung wurden als wundervolle Erholungsmöglichkeit angeboten, und wer wollte, konnte auch eine der Uhrenfabriken besuchen und dort eine Uhr erstehen. Liebenden wurde zur Zerstreuung eine Bootfahrt auf dem hauseigenen Seelein angeboten. Und schliesslich stand den Gästen die von Breidenstein erbaute Turnhalle zur Verfügung, in der Einrichtungen zur Ausübung verschiedenster Sportarten installiert waren. Damit verfügte das Grenchenbad, dessen Direktor auf die heute beliebe Erlebnisgastronomie setzte, über das wohl erste Fitnesszentrum in unserer Region und darüber hinaus.

Gesundes Wasser – kulante Preise

Den Pensionspreis “Zimmer inbegriffen” setzte Adolf Boss mit fünf Franken fest. Für Kinder waren Preisermässigungen vorgesehen, und was Familienpreise anbetraf, wollte der Kurhausdirektor mit sich reden lassen. Der Solothurner Kantonschemiker Professor Walter untersuchte das heilsame Bachtelenwasser und stellte fest, dass es Calcium- und Magnesiumkarbonat, Chlornatium und Nitriumsulphat enthielt. Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungstraktes konnten dank dieser Mineralien mit Wasserkuren geheilt werden. In der zweiten Bachtelenquelle wies Professor Walter Eisensäuerlinge nach. Mit diesem Wasser liessen sich Bleichsucht, Blutarmut, aber auch Schwindelgefühle, Bangigkeit und gar Herzklopfen bekämpfen. Gut waren die Bachtelenwasser, einzeln oder gemischt, in Fällen von Hypochondrie, Muskelunruhen und Melancholie. Nervosität, Neuralgien und Leber- und Milzerkranken konnten geheilt werden. Ergänzend wurden Molkenkuren angeboten.

Das Ende

Die Bemühungen der Hotelleitungen fruchteten leider nichts. Grössere und mondänere Badeorte hatten dem Grenchenbad längst den Rang abgelaufen. Die historische Vergangenheit des Ortes interessierte wenig, und die imposante Liste der Krankheiten und Leiden, die dank des Bachtelenwassers geheilt werden konnten, stiess auf eher taube Ohren; ins Bad ging man um die Jahrhundertwende weniger der Gesundheit wegen, als vielmehr aus gesellschaftlichen Gründen. Die beiden Bieler, die sich viel vom neuen Badbetrieb erhofft hatten, sahen sich genötigt die ganze Liegenschaft 1904 zu veräussern.

Quellen

(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)