Adolf Furrer

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Adolf Furrer
* 9. Dezember 1897 in Derendingen
† 10. Februar 1978 in Caracas (Venezuela)
Stadtammann und Nationalrat


Adolf Furrer, Grenchner Stadtammann, wird Ehrenbürger von Genua. Im Hintergrund ein Standbild Giuseppe Mazzinis.

Stadtammann Adolf Furrer ist die herausragende Persönlichkeit der 50er Jahre. Mit einem bewundernswerten Engagement führte er die Stadt zuerst durch die schwere Zeit der 30er Krise und dann durch die Epoche während des Zweiten Weltkrieges. Vor allem aber führte er Grenchen ohne Zwischenhalt in die Moderne. Nicht das Image nach aussen war ihm wichtig, sondern ausschliesslich das Wohlergehen der Bevölkerung. Und für das setzte er sich buchstäblich Tag und Nacht ein.

Eigentlich war er ein Dichter, Philanthrop und Philosoph. Als er 1960 von seinem schweren Amte zurückgetreten war, fand man zwischen Gesetzesbüchern und Anleitungen für das öffentliche Management nauffällig verschiedene Märchenbücher. Adolf Furrer, der aufgeklärte Feingeist, liebte Märchen und holte sich bei ihnen wahrscheinliche zu einem Teil die visionäre Weite und die menschliche Tiefe, die sein Denken und Handeln auszeichnete. Sein Gelöbnis als Politiker, nur für die Allgemeinheit da zu sein und dem Eigennutz keine Chance zu geben, nahm er ernst. Es war sein politisches Leitbild.

Die Grenchner Stadtarchivarin Salome Moser würdigte das Leben und Wirken Adolf Furrers in der Broschüre „100 Jahre Sozialdemokratische Stadtammänner in Grenchen“ (1999). Der im Wasseramt aufgewachsene Furrer war der erste sozialdemokratische Lehrer Grenchens. Lehrer sein war seine Berufung, und er war ein hervorragender beispielgebender Lehrer, der oft auch unkonventionelle Wege ging, wenn er glaubte, damit für seine Schüler Positives bewirken zu können. Man wird Adolf Furrer und seinem Wesen vor allem dann gerecht werden können, wenn man sein Theaterstück „Höhenluft“ gelesen hat und die Welt der Elfen, Zwerge und des Fauns, in der das kranke Weisenkind Gretchen wieder gesund werden konnte, versteht. „Höhenluft“ war für Adolf Furrer starke Parabel unter anderem für die Bedeutung des Grenchner Ferienheims in Prägelz und für eine Gesellschaft, in der der Stärkere für den Schwächern Verantwortung zu übernehmen hat. Letztlich ist „Höhenluft“ Ausdruck seines Glaubens an das Gute im Menschen.- In Prägelz leitete er als „Vaterli“ (so wurde früher der jeweilige Kolonieleiter von den Kindern genannt) zusammen mit seiner Frau Johanna zahlreiche Ferienkolonien. Prägelz war ihm wertvoll und wichtig, weil hier einer seiner Vorgänger im Amte, Robert Luterbacher, ein sichtbares Werk für Kinder und Jugendliche geschaffen hatte.

Am 16. Juli 1933 wurde Adolf Furrer als Nachfolger von Arthur Stämpfli zum Stadtammann gewählt. Weil ihm kein Gegenkandidat gegenübergestellt wurde, betrug die Stimmbeteiligung „nur“ 59 Prozent. Bereits am 20. August des gleichen Jahres trat Adolf Furrer sein Amt an. Die Wirtschaftskrise und die „katastrophale Lage der Gemeindefinanzen“ (Salome Moser) waren Furrers grösste Probleme. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage war denn auch eines seiner grössten Anliegen. 1943 beispielsweise galten die Gemeindefinanzen als saniert. Das war nur möglich, weil sich Ammann Furrer unablässig einsetzte. Sein Engagement für die Stadt und deren Bevölkerung, seine Liebenswürdigkeit und die Tatsache, dass er jederzeit für alle ein offenes Ohr hatte, machten, dass Adolf Furrer über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt, geachtet und geliebt wurde. Seit 1937 war er Kantonsrat und von 1935 bis 1963 Nationalrat. Sehr klar und weitsichtig nahm er noch während des Krieges Stellung zu den Grossaufträgen, welche Grenchen eine Vollbeschäftigung verschafften, über die er sich nicht freuen mochte, weil mit den in Grenchen produzierten Gütern Krieg geführt wurde.

Wir konzentrieren uns an dieser Stelle auf Furrers eindrückliche Verdienste um Grenchens Aufschwung währende der 50er Jahre. Parktheater, Schwimmbad, Kastelsschulhaus, das Ortsspital, die neue (jetzt wieder alte) Post, die Neugestaltung des Südbahnhofes, der Umbau des Schlachthofes, der Bau des neuen Volkshauses und der NWG (Neue Wohnbaugenossenschaft) und der Start zum Ausbau der Wasserversorgung – das waren Meilensteine der 50er Jahre, die samt und sonders dank der Energie und des Glaubens an Grenchens Zukunft Adolf Furrers realisiert werden konnten. 1960 trat Adolf Furrer aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amte als Stadtammann zurück. Mit Widergabe seines Theaterstückes „Höhenluft“, das im Parktheater über zehn Aufführungen erlebte, verabschiedete sich Grenchen im ersten Jahr der 60er Jahre von seinem verehrten Stadtammann. - Für seine Verdienste erhielt Adolf Furrer 1953 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Genua (Vaterstadt von Giuseppe Mazzini), 1958 wurde er Ehrenmitglied der „Associazione Operaia Universale“. 1965 folgte das Ehrenbürgerrecht der Stadt Grenchen und 1975 der Kulturpreis der Stadt und Region Grenchen.

Ein realistischer Träumer

Ohne Adolf Furrer (1897 – 1978) und seine Vision eines kulturell aufgeweckten Grenchen wäre das Parktheater nie realisiert worden. Aber auch das Gartenbad, die Neue Wohnbaugenossenschaft, das Ortsspital, die neue Post, der Ausbau der Wasserversorgung und der Kanalisation, der neue Bahnhof Süd, die Schulhäuser IV, Kastels und Eichholz West wären ohne Dazutun von Adolf Furrer wohl nie realisiert worden. – Dabei war Adolf Furrer eigentlich ein Träumer und Schriftsteller, in dessen Theaterstück „Höhenluft“ Zwerge und Elfen sich die Hand geben. Zwischen seinen Gesetzesbüchern standen Märchenausgaben, in denen er Bestätigung seiner Visionen fand. Wie kein anderer Magistrat wusste er aber seine Ideen, Träumereien oder sagen wir Visionen umzusetzen und Realität werden zu lassen. Und das war das Besondere an diesem sympathischen Menschenfreund, der Grenchen und die Grenchnerinnen und Grenchner über alles liebte. Er war ein ganz Grosser und zugleich Bescheidener.

Quellen

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